Quelle: ZAMG

Interviews

Willi Resetarits sucht "schönstes Lied der Welt"

23.03.2012 - 08:00
Für Willi Resetarits bleibt "Ois offn"© APAFür Willi Resetarits bleibt "Ois offn"

Mit einer mehr als vier Jahrzehnten währenden Musikkarriere hat Willi Resetarits noch Visionen, denen er gemeinsam mit seinen Musikerkollegen nachgeht. "Wir suchen das schönste Lied der Welt. Das ist eine Lebensaufgabe, wie die Ritter früher den Heiligen Gral gesucht haben", sagt er im Interview mit der APA in Wien anlässlich des fünften Albums seines Projekts Stubnblues wissen.

Auf "Ois offn" findet er Annäherungen an dieses in selbst geschriebenen Liedern, Coverversionen und Songs von Freunden, irgendwo zwischen Wienerlied, Blues und Folk. Aber finden mag er das schönste Lied nicht, denn "das wäre ganz schlecht, weil wir dann nicht mehr wüssten, was wir weiter machen sollen."

Diesmal wusste Resetarits unter anderem, dass das neue Album sich zum größten Teil aus Liveaufnahmen speisen sollte: "Es ist so, dass wir vier Konzerte aufgenommen haben, zwei davon im Orpheum in Wien, zwei in der ARGE in Salzburg und haben dann das letzte Konzert, das uns als das gelungenste erschien sozusagen als Rückgrat genommen." Warum man nicht ins Studio gehen wollte, hatte dabei einen guten Grund. "Ich brauche ein Livekonzert, weil es uns da am besten gelingt, ein Lied von der ganzen Dynamik her rüberzubringen. Es gelingt nicht so gut, wenn man es im Studio mehr oder weniger zusammenbastelt." Dass es jenseits des Studios besser gelingt, liegt auch am ehemaligen Ostbahn-Kurti selbst, der gehört werden will: "Wenn keiner zuhört, kann ich es nicht so auf den Punkt bringen."

Doch es blieb bei "Ois offn" nicht bei den Liveaufnahmen allein, denn für Resetarits und seine musikalischen Mitstreiter fehlte am Ende noch etwas, um zufrieden zu sein, denn "die Mischung ist nicht rund erschienen." So kam es, dass Stubnblues-"Kapellmeister" Stefan Schubert zwei Lieder daherbrachte, die schnell noch aufgenommen wurden. So geschah es mit dem "Blotz in da Vitrin", wo "die Kollegen in Salzburg den Song aufgenommen und ich im Wohnzimmer dazu gesungen habe. Ich selbst hatte in meiner Sendung ("Trost und Rat", Anmerkung) einen Kollegen, den ich noch nicht gekannt hab, Martin Spengler. Er hat ein Lied über den "Schokoladnwind" von Ottakring geschrieben. Da haben wir ihn schnell gefragt, ob wir das aufnehmen dürfen und bringen jetzt dem Martin sein Lied heraus, bevor seine Aufnahme erscheint."

Drei Songs auf dem Album sind wieder vertonte Texte von H.C. Artmann, der für den Stubnblues eine wichtige Funktion hat, wie Resetarits erläutert: "Wir haben als 'Noch nicht'-Stubnblues mit dem H.C. Artmann schöne Veranstaltungen gemacht, was mir als blinden Verehrer ganz, ganz wichtig war. Das muss ich dann erwähnen, weil der Artmann auch auf der Textebene unser Schutzpatron ist. Immer wieder gibt es Artmann-Texte, die von uns vertont werden und die sozusagen wie eine Art Richtschnur für uns sind."

Mit "Niemois Soisd", im Original "May You Never, fand wiederum ein Song des britischen Folkbarden John Martyn den Weg auf "Ois Offn". "Beim dem Song war es so, dass ich in den 70er Jahren, als ich ihn erstmals gehört hab, mir dachte 'das ist das schönste Lied'. Kürzlich ist es mir wieder eingefallen und dann habe ich mir eine Ukulele gekauft, damit ich das Lied selbst spielen kann." Inzwischen ist beim Stubnblues nicht nur hier der heimisch Dialekt die einzige Ausdrucksform geworden. "Da komm ich nimmer weg von der Mundart", gesteht Resetarits, der mit seinem Stubnblues-Musikern ab April eine mehr als zwanzig Auftritte umfassende Tour starten wird.

(Das Gespräch führte Andreas Westphal/APA)

INFO: Willi Resetarits: "Ois offn" von Hoanzl. Ab 23. März im Handel. Homepage: http://www.williresetarits.at

(APA)

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