Es ist zwar nur ein kurzes, dafür über weite Strecken sehr forderndes Stück Musik, das das französische Popduo Air dieser Tage auf den Markt geworfen hat. Drei Jahre nach ihrem letzten Streich "Love 2" zeigt "Le Voyage Dans La Lune" die Band von einer ungewohnten Seite.
Diesmal dominieren nicht wie so oft verträumte Elektronikpassagen und entrückt-melancholischer Gesang, sondern wird der gleichnamige Stummfilmklassiker von Georges Melies aus dem Jahr 1902 von Nicolas Godin und Jean-Benoit Dunckel vertont. Rudimentäre Songskizzen stehen dabei neben Art-Rock-Anleihen und atmosphärischen Einsprengseln.
Der Mond stand schon bei Airs 1998 veröffentlichtem Debüt "Moon Safari" im Fokus, Songs wie "All I Need" oder "Kelly Watch The Stars" durchzog dabei ein sehnsüchtiger Impetus, der bis heute den Erfolg der Franzosen bestimmen sollte. "Es ist verrückt, wie in einer Schleife. 15 Jahre später finden wir uns selbst noch immer auf dem Mond. Auch wenn es diesmal ein gänzlich anderes Stück Musik ist", erklärte Godin der britischen Zeitung "The Observer". Das unterstreicht auch bereits der Auftakt zur Bearbeitung von Melies' filmischer Mondreise 110 Jahre nach deren erstem Abheben: Deutlich vertrackter, als man es von Air gewohnt ist, trifft sich der "Astronomic Club" zwischen treibenden Schlagzeugfiguren und schneidenden Synthie-Sounds. Ein Rezept, das sich durch die kommende halbe Stunde ziehen soll.
Denn auch die wenigen mit Gesang versehenen Stücke wie "Seven Stars" oder "Cosmic Trip" sind extrem percussionslastig. Bekannte Trademarks der Band werden von Godin und Dunckel in ein knarzendes, heftig waberndes Umfeld aus dominanten Beates und dissonanten Melodiefiguren gekleidet - ganz gemäß der Maxime: Lauter ist besser. Mit "Who Am I Now?" verirrt sich auch ein gespenstisches Schlaflied auf die Platte, für den Gesang zeichnen die Damen von Au Revoir Simone verantwortlich. In den Gefilden des Art-Rock wandern hingegen Stücke wie "Sonic Armada" oder "Lava", immer vorhanden ist jedoch ein leicht bedrohlicher Unterton.
In Kombination mit Melies' heute unfreiwillig komisch wirkenden Bildern entfaltet sich ein eigener Charme der Songs. Ursprünglich war "Le Voyage Dans La Lune" nur in schwarz-weiß zu sehen, die Farbversion galt lange Zeit als verschollen. Erst in den 1990er Jahren entdeckte man eine Kopie, die mittlerweile aufwendig restauriert wurde. Vor einiger Zeit erhielten Godin und Dunckl dann von der Melies-Foundation die Anfrage, ob sie den 15-minütigen Streifen vertonen würden. Entstanden ist letztlich eines der sperrigsten Werke der Band: "Der Mond besteht ja aus Steinen, Geröll, Mineralien. Vulkanen. Wir wollten klingen wie die 'Gods of Thunder', die Könige des Donners. Unser Schlagzeug sollte lauter sein als je zuvor. Und wir wollten so klingen, als hätten wir die Stücke in einer Höhle eingespielt", so Godin gegenüber dem "Musikexpress".
INFO: Air, "Le Voyage Dans La Lune", Virgin Local/EMI, http://en.aircheology.com.
(APA)

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