Auch wenn musikalische Brüder wie Eric Clapton und Steve Winwood auf Tour gehen, garantiert das nicht zwangsläufig Ekstase am oberen Ende der Blues-Skala. Mit viel Routine spulten die zwei Soul-Verwandten am Montagabend in der ausverkauften Wiener Stadthalle ihr Potpourri der vergangenen vier Jahrzehnte herunter und waren erfolgreich. Denn zumindest die Besucher sorgten für Stimmung.
Mit der Supergroup Blind Faith haben Clapton und Winwood Ende der 60er Jahre vorgemacht, wie man kreativen Mehrwert schafft und dabei das Fan-Potenzial wundersam vermehrt. Das kürzlich erschienene Album "Live From Madison Square Garden" (Warner) frischte die Bekanntschaft wieder auf. Und im Sinne des Tonträgers - zeitgerecht erschien auch "Revolutions: the Very Best of Steve Winwood" (Universal) - eröffnete man auch das Wien-Konzert, das unüblicherweise fast pünktlich und ohne Vorgruppe begann: Mit dem Hammer-Riff des Blind-Faith-Klassikers "Had To Cry Today" und beiden Protagonisten an der Gitarre. Das schraubte die Erwartungen noch höher.
"Thank you." Viel mehr sollte man an diesem Abend aus Claptons Mund nicht hören, Winwood hatte noch weniger zu sagen. Das Rondeau mit farbenfrohem Lichter-Baldachin, in dem sich die Show abspielte, schien aus Disneyland gestohlen, der Sound in der Stadthalle ließ mehr als zu wünschen übrig. Und Clapton wie Winwood vermittelten während ihrer rund zweistündigen Show, als wären sie nur hier, um Geld für ihre Zechschulden aufzutreiben. Um Missverständnisse zu vermeiden: Clapton ist seit Jahren trocken und engagiert sich mit seinem "Crossroads"-Festival im Kampf gegen den Alkoholismus.
Ein Achterl mehr hätte aber auch der Gitarren-Legende nicht geschadet, die spielte, als hätte sie ihre eigenen Soli aus einem Lehrbuch übernommen. "After Midnight" kam fast klinisch daher, der Hendrix-Klassiker "Voodoo Chile" wurde mit seinem Bombast-Background-Choren und Solo-Orgien zum Stück gelebter musikalischer Blasphemie. Begleitet von einer gewohnt hoch professionellen Tour-Band fügten sich Clapton und Winwood an den Tasten nahtlos in das Geplätscher ein. "Layla" degradierte man so zur Fahrstuhlmusik, "Georgia On My Mind", gekrächzt von Winwood, wurde mit Synthesizern verstopft. Zuvor hatte man sich noch schnell über "Can't Find My Way Home" von Blind Faith und "Gimme Some Lovin'" der Spencer Davis Group geplagt, auch Winwoods Traffic kam nicht zu kurz.
Trotz aller Routine sorgte der Auftritt für glänzende Augen bei einer Generation, die mit ihrem angegrauten Haupthaar für die interessantesten Lichteffekte des Abends sorgte. Aber auch Clapton trat wieder mit jener Mähne auf, mit der er bereits 80er-Alben wie "Journeyman" verunziert hatte. Zum Schluss streuten die beiden noch "Cocaine" ins Publikum und ab die Post, nach einer Zugabe war das Potpourri, dem ein Schuss neuer Nummern nicht geschadet hätte, vorbei. Aber vielleicht kommen die beiden Legenden auch wieder einmal mit ernsthaften musikalischen Absichten.
(APA)

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