Quelle: ZAMG

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Begehrter Debütroman von Natasa Dragnic

16.03.2011 - 08:05
Roman über verpasste Chancen und mangelnden Mut© APA (DVA/Random House)Roman über verpasste Chancen und mangelnden Mut

Ein Paar, das von Kindesbeinen an für einander bestimmt zu sein scheint, verliert sich und findet sich wieder, nur um sich erneut zu verlieren. Eigenes Verschulden, aber auch tragische Verquickungen und Manipulationen treiben es auseinander, und doch bleibt es immer auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden. Mit ihrem Liebesroman "Jeden Tag, jede Stunde" sorgt Natasa Dragnic für Aufsehen.

Mittlerweile hat die Deutsche Verlags-Anstalt von dem Debütwerk der 46-jährigen in Erlangen lebenden Kroatin bereits 23 Lizenzen verkauft, darunter auch in so entfernte Länder wie China, Taiwan oder Brasilien. Kritiker loben das Werk als "sprachlich beeindruckend" und "eines der bemerkenswertesten Romandebüts in Deutschland". In den ersten drei Verkaufswochen gingen fast 20.000 Exemplare über die Ladentheke.

Die Sandkastenliebe beginnt in einem kroatischen Küstenstädtchen in den 1960er Jahren. Der fünfjährige Luka ist von der kleinen Dora fasziniert. Ihr schwarzes Haar, das wie der Schuppenpanzer eines Fisches glänzt, zieht ihn magisch in den Bann. Die beiden Kinder werden unzertrennlich, verbringen heitere Sommertage am Strand miteinander. Die unbeschwerte Zeit findet ein abruptes Ende, als Doras Familie plötzlich wegzieht. Luka bleibt allein zurück, fühlt sich von seiner Freundin im Stich gelassen.

Dora verbringt ihre Jugend in Paris, wird Schauspielerin. Luka lebt weiter in Kroatien und entwickelt sich zu einem erfolgreichen Maler. Beide tragen die Erinnerung aneinander noch in ihrem Herzen, aber dazwischen haben sich andere Liebesbeziehungen geschoben. Bei einer Ausstellung in Paris begegnen sich die beiden wieder. Vom selben Augenblick an sind sie ein Liebespaar. Diesmal scheinen sie unzertrennlich. Doch Luka muss zurück nach Kroatien. Er will nur kurz ein paar Dinge in Ordnung bringen, doch er kommt nicht mehr nach Paris zurück. Erst viel später erfährt Dora warum.

Der Roman beginnt als heitere Sommergeschichte beinahe fantastisch-märchenhaft. Nach und nach aber hält die Realität Einzug, schließlich kippt das Ganze sogar ins Melancholische. Die Wirklichkeit ist am Ende stärker als der Glaube an das gemeinsame Schicksal. Eine Geschichte über verpasste Chancen und mangelnde Courage.

Die Sprache der Autorin erinnert in vielen Sequenzen an einen Film. Die Dialoge sind knapp und schnörkellos. In kurzen Strichen gelingt ihr eine atmosphärische Verdichtung: "Ein Wasserfall der Erinnerungen. Ein kleines Hotelzimmer in der Sommerhitze. Pinienbäume, die den rettenden Schatten schenken. Zu viel Licht. Wenn man Geheimnisse hat. Wenn man ungestört sein möchte. Wenn jeder andere Mensch einer zu viel ist. Wenn man in der Dämmerung besser zurechtkommt. Wenn man vom Bett aus jede Zimmerecke berühren kann." Allerdings schleppt sich die Handlung manchmal dahin, ausufernde Liebesschwüre sind nicht immer poetisch, sondern auch schon einmal hart an der Grenze zum Kitsch. Irgendwann hat man schon verstanden, dass es die ganz große Liebe ist.

INFO: Natasa Dragnic: "Jeden Tag, jede Stunde", Roman, DVA 2011, 288 Seiten, 20,60 Euro, ISBN 978-3-421-04516-4.

(APA/dpa)

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