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Liebesromanstalkingpsychothriller von Glattauer

26.01.2012 - 12:30
Keine Rede von oberflächlicher Unterhaltung© APA (Deuticke Verlag/Buchcover)Keine Rede von oberflächlicher Unterhaltung

"Ewig dein. Ewig mein. Ewig uns." So schloss Ludwig van Beethoven 1806 einen Brief an eine "Unsterbliche Geliebte". Das klingt überaus romantisch. Zielt denn wahre Liebe nicht auf Ewigkeit? Verspricht man einander nicht die Ehe, "bis dass der Tod Euch scheide"? "Ewig Dein" heißt auch der neue Roman von Daniel Glattauer.

Dem Schriftsteller gelang das Kunststück, mit seinen beiden letzten Romanen "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen" einen simplen E-Mail-Wechsel in pures Gold zu verwandeln. Das neue Buch beginnt wieder mit einer zufälligen Bekanntschaft, diesmal nicht im Internet sondern in der Käseabteilung eines Kaufhauses. Hannes tritt Judith schmerzhaft auf die Ferse - und damit in ihr Leben.

Die ersten paar Dutzend Seiten zeigt sich der flotte und charmante Formulierer Glattauer in Hochform. Die von dem ledigen, auf Apotheken-Umbau spezialisierten 42-jährigen Architekten hartnäckig betriebene Annäherung an die schöne Besitzerin eines Lampengeschäfts lässt einen immer wieder schmunzeln. Wiedererkennbare zwischenmenschliche Situationen und Mechanismen so zu beschreiben, dass sich befreit darüber lachen lässt, war seit jeher die Stärke des zum Erfolgs-Autor gewordenen Ex-Journalisten.

Doch Hannes wird lästig, pathetisch und peinlich. Was eben noch locker-flockig war, beginnt zu klumpen. Der Verehrer wird zur Klette, die sich nicht abschütteln lässt. Für Judith läuft die Romanze allmählich aus dem Ruder und stellt Fragen an die eigenen Erwartungen. Auch für den Leser beginnen die Mühen der Ebene. Der Spaß ist vorbei. Nach dem brillanten Hochglanzstart geht das Buch in die wesentlich nachdenklichere Tiefe. Wohin soll das alles führen?

Hannes wird zum Stalker, der in seinen Vereinnahmungsstrategien ganze Arbeit leistet. Hannes startet einen erfolgreichen Werbefeldzug bei der Familie und den Freunden von Judith, mit denen er sich sofort intensiv zu vernetzen beginnt. Alle sind begeistert von ihm. Nur die Angebetete fühlt sich nicht mehr als Subjekt, sondern allein als Objekt der Begierde, der keine eigenen Gefühle mehr zugestanden werden, als Opfer psychischer Gewalt und gedanklicher Freiheitsberaubung. Sie macht Schluss, er akzeptiert es nicht. Sie wird energischer, er verfolgt sie weiter in ihren Gedanken und Träumen, auch wenn er nicht plötzlich auftaucht, anruft oder Briefchen und Rosen versteckt. Aus der erfolgreichen, selbstbewussten Frau wird ein Nervenbündel.

Spätestens hier ist auch der Leser wieder Glattauers Gefangener. Seine Beschreibungen von Judiths Angstzuständen und Psychosen, die diese auch in die Nervenklinik führen, sind beklemmend und suggestiv. Ihre Versuche, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, ohne sich lächerlich zu machen oder die eigene Souveränität aufzugeben, sind einfühlsam geschildert. Keine Rede von oberflächlicher Unterhaltungsliteratur.

Mit Hilfe ihres jungen Lehrmädchens, der einzigen Verbündeten, die ihr noch bleibt, und deren Freund, startet Judith mit letzter Kraft einen Gegenangriff gegen jenen Vampir, der ihr das Leben aussaugt - und landet einen völlig überraschenden Treffer. Glattauer lässt "Ewig Dein" in einem Thriller enden, der einen die letzten Seiten atemlos verschlingen lässt. Auch, wenn da einiges allzu dick aufgetragen wirkt, ist die Metamorphose des Buches, der mehrfache Genrewechsel insgesamt doch mehr als gelungen. Vielleicht werden von Glattauers neuem Buch nicht ganz so viele Exemplare verkauft werden wie von den Vorgängern. Dafür man kann sich gut vorstellen, "Ewig Dein" in ein paar Jahren auch auf der Kinoleinwand zu begegnen. Der Erfolgslauf ist noch nicht zu Ende.

INFO: Daniel Glattauer: "Ewig Dein", Deuticke Verlag, 206 S., 18,40 Euro, ISBN: 978-3-552-06181-1; Buchpremieren am 31. Jänner, 20:00 Uhr, im Linzer Posthof, am 1. Februar, 20:00 Uhr, im Literaturhaus Graz und am 2. Februar, 19:30 Uhr, im Wiener Odeon.

(APA)

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