Wenn das Etikett "Erfolgsautor" derzeit auf jemanden zutrifft, dann auf den 51-jährigen Wiener Daniel Glattauer. Von seinen beiden E-Mail-Romanen "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen" wurden bisher, inklusive Übersetzungen, 2,5 Mio. Stück verkauft. Den neuen Roman "Ewig Dein" bringt der Deuticke Verlag Ende der Woche mit der hohen Startauflage von 200.000 Exemplaren in die Buchhandlungen.
Erste Lesungen daraus absolviert Glattauer am 31. Jänner im Linzer Posthof, am 1. Februar im Literaturhaus Graz und tags darauf im Wiener Odeon. Auch ein Fernseh-Auftritt bei "Gottschalk Live" am 8. Februar steht auf dem Programm. Vor Beginn seiner Promo-Tour traf Glattauer die APA zum Interview.
APA: Herr Glattauer, die Verkaufszahlen Ihrer beiden E-Mail-Romane sind überaus beeindruckend: 2,5 Millionen Exemplare wurden bisher verkauft. Haben Sie irgendeine Erklärung dafür?
Daniel Glattauer: Ich habe mich auch gewundert. Es ist jetzt sehr schnell gegangen. Wenn es einmal abgehoben hat, kann es extrem weit hinaufgehen. Ich weiß nicht, wo die magischen Zahlengrenzen sind, aber die Zeit zwischen 100.000 verkauften Exemplaren und einer Million war für mich fast unauffällig. Einen Flächenbrand gibt's offenbar nicht nur in der Natur, sondern auch am Buchmarkt. Eine Erklärung sind sicher die 40 Übersetzungen. In einigen Ländern wie in Spanien funktionieren diese E-Mail-Romane wahnsinnig gut.
APA: Haben Sie eine Zeitströmung erwischt oder sind Sie ganz einfach ein super Autor?
Glattauer: Letzteres wäre natürlich die schönste Antwort, aber ich glaube, das wäre nur ein ganz kleiner Teil der Wahrheit. Das Thema E-Mail-Roman hat offensichtlich voll ins Schwarze getroffen - und das international. Das hätte ich mir beim Schreiben nie gedacht. Es hat eben einfach alles zusammengepasst. In Deutschland waren dann auch ein paar wichtige Stimmen da, der "Spiegel" und Elke Heidenreich. Das hat die Mundpropaganda perfekt ergänzt. Und dann ist es in die Welt hinausgegangen.
APA: Wie sehr hat dieser Erfolg Ihr Leben verändert?
Glattauer: Überraschend wenig. Das einzige, das sich wirklich geändert hat, ist das Wegfallen meines früheren Jobs als Journalist. Ich bin jetzt sozusagen Heimarbeiter. Das war eine große Umstellung. Ich war ja als Journalist glücklich, und wenn das mit den Bucherfolgen nicht gekommen wäre, wäre ich vermutlich noch immer beim "Standard".
APA: Was haben Sie mit dem Geld gemacht?
Glattauer: Erstens kommt es erst schön langsam, das ist ja alles zeitlich verzögert. Und da interessiert mich vor allem die Summe, die ich im Jahr darauf dem Finanzamt zu Verfügung stellen darf. Die ist sehr hoch. Daran sehe ich, dass ich wirklich viel verdiene. Ich schaue, dass meine Zukunft abgesichert ist. Ich hab' meine Mutter zu pflegen, das kostet einiges. Dann gibt es noch ein altes Bauernhaus im Waldviertel, mit dem Nachbarhaus eigentlich sogar zwei, da muss auch immer wieder einiges gemacht werden. Den Luxus, den ich mir jetzt gönne, hab' ich mir früher auch schon gegönnt: einfach gut essen und gut trinken - und hin und wieder eine schöne Reise machen.
APA: Im Fußball stellt man immer wieder ein Missverhältnis zwischen der Entlohnung der Spieler und dem, was sie leisten, fest. Fühlen Sie sich derzeit gerecht entlohnt oder überbezahlt?
Glattauer: Das ist für mich, ehrlich gesagt, eine ganz neue Frage. Ich habe sie mir auch selbst nie gestellt. Ich glaube, ich kann da keine eindeutige Antwort geben. Ich finde, dass das Marktprinzip auch bei den Büchern sehr unfair verteilt ist. Sehr viele Autoren im deutschsprachigen Raum, ich schätze 80 Prozent, verkaufen höchstens 5.000 Stück pro Buch - und das ist schon viel. Den Beruf des Schriftstellers verbindet man gemeinhin nicht mit Geldverdienen und ich habe ihn auch nicht deswegen ergriffen. Ich bin jetzt eigentlich eher überrascht oder sogar befremdet, dass ich mir darüber Gedanken machen muss. Andererseits habe ich die gleichen Voraussetzungen gehabt wie alle anderen. So gesehen kann man nicht sagen, dass es ungerecht ist.
APA: Gibt der Erfolg der Bücher einem auch größeres Selbstbewusstsein: Ich weiß, was ich kann und kann mich daher konzentrieren auf das, was ich will? Oder steigt auch der selbst auferlegte Druck?
Glattauer: Eher das Erstere. Das hat bei mir schon als Journalist begonnen. Ich war ja im "Standard" von Beginn an dabei und konnte dort einen speziellen Stil kreieren, was in Zeitungen sonst nur sehr schwer möglich ist. Dabei hab' ich großes Vertrauen in meine Art zu schreiben bekommen. Ich weiß, dass ich es so hinkriege, dass ich mit meinem Text glücklich bin, und dass er meistens auch sein Publikum erwischt.
APA: Das Publikum haben Sie eigentlich bei allen ihren Büchern erwischt. Fühlen Sie sich von der Literaturkritik richtig eingeordnet oder macht die Debatte um Unterhaltungsliteratur vs. "ernste Literatur" um Sie einen Bogen?
Glattauer: Die Debatte hat um mich viele Jahre tatsächlich einen Bogen gemacht. Ich habe das darauf zurückgeführt, dass ich in Österreich als Journalist betrachtet werde, also einer, der schreibt, und nicht einer, über den man schreibt. Über "Gut gegen Nordwind" ist bei uns praktisch nichts berichtet worden. Ich hab' schon das Gefühl, dass ich als Schriftsteller oft nicht ernst genommen werde. Aber ich sage das gar nicht beleidigt, das hat ja auch etwas Schönes: Man hat quasi Narrenfreiheit. Ich bin als Unterhaltungsliterat abgestempelt und mittlerweile auch als Liebesromanschreiber. Die Kombination Unterhaltung und Romantik ist ein echter Killer für das Feuilleton. Ich glaube, dass ich dort einfach kein Leiberl hab'. Das ist mir auch recht. Bei aller Hochachtung vor hoher Literatur - aber dort gehöre ich einfach nicht hin. Und ich habe Respekt vor jenen Kreativen, die ein großes Publikum anziehen können, ohne sie zu verarschen. Ich finde auch Kundenrezensionen ganz normaler Leser sympathischer und aufschlussreicher als Zeitungsrezensionen.
(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)
(APA)

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