Wien Wolkig 15.4°C
Quelle: ZAMG

Kolumne

Interviews

Bildergalerien

Die Bedeutung des Internets für Aktivisten

20.01.2012 - 08:00
Live-Stream für die Protestbewegung "Uni brennt"© APA (HERBERT PFARRHOFER)Live-Stream für die Protestbewegung "Uni brennt"

Schnelle Kommunikation, Organisation und Umsetzung: Weltweit sind Online-Dienste wie Twitter und Facebook mittlerweile zu wichtigen Instrumenten von Protestbewegungen geworden. Der österreichische Journalist Matthias Bernold und seine Co-Autorin Sandra L. Henaine haben in ihrem Buch "Revolution 3.0. Die neuen Rebellen und ihre digitalen Waffen" zehn Aktivisten porträtiert.

Noch bevor der arabische Raum von einer Welle des Widerstands gegen die Machthaber erfasst wurde, begann der österreichische Journalist Matthias Bernold gemeinsam mit Co-Autorin Sandra L. Henaine der Frage nachzugehen, ob "die Existenz von sozialen Online-Netzwerken, die Verbreitung von Mobiltelefonen und der freiere Zugang zum Internet die Menschen zu aktiveren, widerständigeren Bürgern machen". Die im Buch vorgestellten Aktivisten sind über den gesamten Globus verstreut und treten für unterschiedliche Ziele ein: Während die junge Ägypterin Sarrah Abdelrahman mit ihren Videoblogs zur Stärkung der Protestbewegung und dem Sturz des Ex-Präsidenten Hosni Mubarak beitrug, setzte sich der Student Luca Hammer mit einem Live-Stream für die Protestbewegung "Uni brennt" an der Universität Wien ein. Wie andere Porträtierte auch, machten die beiden oftmals Gebrauch von dem Kurznachrichtendienst "Twitter", um über jeweils aktuelle Ereignisse zu informieren.

Ein anderes Porträt widmet sich einem "Anon", einem (wahrscheinlich) mexikanischen Mitglied des digitalen Netzwerks "Anonymous", der die Möglichkeiten und die Arbeitsweise des Netzwerks erklärte. Bezug wird auch auf bisherige Aktionen von Anonymous genommen - wie beispielsweise die Lahmlegung der Websites von Mastercard und Visa zur Unterstützung der Enthüllungsplattform "Wikileaks" im Dezember 2010.

Und ein weiterer Beitrag handelt von Brigitta Jonsdottirs Engagement für einen "Informationsfreihafen" in Island, das durch ein Zusammentreffen mit dem Wikileaks-Gründer Julian Assange seinen Anfang nahm.

Insgesamt geben die Beiträge nicht nur Aufschluss über die Aktivisten selbst, sondern liefern auch knapp gehaltene Hintergrundinformationen. Diese beinhalten eine Beschreibung der jeweiligen Initiative und der bisherigen Erfolge, Links zum Nachlesen sowie Erläuterungen zu den politischen Ausgangssituationen in den jeweiligen Ländern. Auch wird man detailreich über die Vorzüge von verschiedenen Online-Diensten wie Youtube oder Twitter informiert.

Das Buch stellt eine durchaus spannende Momentaufnahme von modernen Protestbewegungen dar. Umso verwunderlicher ist ein Beitrag, der so gar nicht in das Buch passen will: Hierbei geht es um den neoliberalen Schweizer Daniel Model, der aus Protest den Staat "Avalon" ausgerufen hat. Im Gegensatz zu den anderen Aktivisten setzt Model sich kaum mit Online-Instrumenten und dem Internet zur Stärkung seiner Initiative auseinander - ein zentraler Ausgangspunkt für das Buch. Model braucht auch gar keine breite Unterstützung, da er über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, um seinen elitären "Staat" im Alleingang aufzubauen.

INFO: Matthias Bernold/Sandra Larriva Henaine: "Revolution 3.0. Die neuen Rebellen und ihre digitalen Waffen", Xanthippe, 162 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-905795-13-4.

(APA)

Home
Meinung
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech