Quelle: ZAMG

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KHM eröffnet weltweit größte Bruegel Ausstellung

01.10.2018 - 13:41
Einige Bruegel-Werke konnten nicht nach Wien gebracht werden© APAEinige Bruegel-Werke konnten nicht nach Wien gebracht werden

Das Kunsthistorische Museum Wien (KHM) zeigt ab Dienstag (2. Oktober) die bis dato größte Werkschau des flämischen Meisters Pieter Bruegel des Älteren. "Wir haben nicht zu hoffen gewagt, beinahe 30 Gemälde und fast die Hälfte der Zeichnungen und Druckgrafiken ausstellen zu können", sagte KHM-Generaldirektorin Sabine Haag am Montag vor Journalisten in Wien.

Bruegel (um 1525/1530-1569) ist der wohl wichtigste Vertreter der flämischen Malerei des 16. Jahrhunderts und ist vor allem für seine Darstellungen des bäuerlichen Lebens bekannt. Unter dem Titel "Bruegel" wird dem flämischen Meister anlässlich seines 450. Todestages die "weltweit erste monumentale Schau" gewidmet. Das KHM bietet sich als Ausstellungsort an, da es mit zwölf Bruegel-Gemälden die größte Sammlung des Malers besitzt. Dass "Bruegel" unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Alexander van der Bellen und dem belgischen Königspaar steht, die am Abend die Werkschau eröffnen werden, ist für Haag eine "große Auszeichnung für unser Haus und das Projekt".

Ohne die zahlreichen internationalen Leihgeber wäre die Ausstellung "niemals möglich gewesen", unterstrich Haag. Zu den präsentierten Werken gehören "Der Triumph des Todes" aus dem Prado in Madrid, "Die Heuernte" aus dem Palais Lobkowicz in Prag und "Die Anbetung der Könige im Schnee" aus der Sammlung Oskar Reinhart in Winterthur. Damit letzteres dem KHM ausgeliehen werden konnte, sei in der Schweiz sogar ein Gesetz geändert worden. Die Ausstellung zeigt auch das Gemälde "Die Bucht von Neapel" von 1563, das erst nach der kürzlich abgeschlossenen Restaurierung eindeutig Bruegel zugeordnet werden konnte.

Die Werkschau sei ein "ganz besonderes Highlight, denn nie wieder werden so viele Originale an einem Ort versammelt sein können", erklärte Haag. Die Werke seien nämlich sehr fragil und ihr Transport riskant. So konnten beispielsweise die drei weltweit erhaltenen auf "Tüchlein" gemalten Werke nicht ausgeliehen werden. "Es ist uns wichtig, dass die Besucher ein möglichst unmittelbares Erlebnis haben können und die Originale nicht aus der zehnten Reihe betrachten müssen", sagte sie. Darum habe das KHM zum ersten Mal ein Timeslotsystem eingeführt.

Aufgrund der Einmaligkeit der Ausstellung sei es Haag besonders wichtig gewesen, mit den "Besten der Besten" als Kuratoren zu arbeiten. Die Werkschau gehe auf ein sechsjähriges internationales Forschungsprojekt zu Bruegel zurück, dessen Ergebnisse nun im KHM gezeigt werden sollen. Dies sei für die Kuratorin Sabine Pernot auch "der Schlüssel zum Erfolg" für die Ausstellung.

Der Schwerpunkt der Präsentation liegt laut Kurator Manfred Sellink nicht so sehr auf der Ikonografie. Vielmehr wolle man anhand der Techniken den Schaffensprozess und die Arbeitsweise Bruegels verdeutlichen. "Der kreative Prozess steht im Mittelpunkt", sagte er. Dieser ziehe sich als "roter Faden" durch die Ausstellung, erklärte auch Penot. Um die "materiellen Aspekte des Werks" aufzuzeigen, werde beispielsweise "Die Kreuztragung Christi" von vorne und hinten sichtbar und ohne Rahmen präsentiert.

"Wir wollen in der Ausstellung auch die seit der Entstehung vergangenen 450 Jahre verdeutlichen und vermitteln, welches Wunder es ist, dass die Gemälde noch erhalten sind", erklärte Kuratorin Elke Oberthaler. In den Kabinetten werden darum anhand von Ausschnitten die unterschiedliche Techniken Bruegels gezeigt. Die Arbeitsmethodik sei durch die Untersuchung der Gemälde mit Infrarot, UV und Röntgen, die jeweils unterschiedliche Schichten der Werke zeigen, offenbart worden.

Parallel zur Schau sei zudem das Fotoprojekt "Inside Bruegel" entstanden. "Damit können die zwölf Bruegel-Gemälde des KHM völlig neu erlebt werden", erläuterte Projektleiter Frederik Temmermans. So könne jeder online die Bilder untersuchen und die Details ausgiebig vergrößern, um alle Einzelheiten des Bildes zu erforschen. "Als Begleitung zur Ausstellung kann man so mit der Webseite auf alle Besonderheiten achten", sagte er. "Das sind Details, die man normalerweise als Ausstellungsbesucher nicht wahrnehmen kann", sagte er. "Die digitale Welt hat uns ungeahnte Möglichkeiten gegeben, tief in das Werk einzudringen", fügte Haag hinzu.

(APA)

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