Quelle: ZAMG

Interviews

Kuhn soll bei Tiroler Festspielen weiter Dirigent sein

02.08.2018 - 17:13
Kuhn ist zwar nicht mehr Festspielleiter, aber noch immer Dirigent© APAKuhn ist zwar nicht mehr Festspielleiter, aber noch immer Dirigent

Die Funktion des künstlerischen Leiters der Tiroler Festspiele Erl hat Gustav Kuhn im Zuge der massiven Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe verloren, eine andere dürfte ihm aber offenbar bleiben: Der "Maestro" soll bei den Festspielen auch weiterhin als Dirigent tätig sein, hieß es am Donnerstag laut Medienberichten.

"Wir planen das weitere Programm ab kommendem Herbst mit Kuhn am Dirigentenpult", erklärte der zum interimistischen musikalischen Leiter bestellte Andreas Leisner in der "Tiroler Tageszeitung". Und Leisner gibt überdies zu verstehen, dass er offenbar eine Rückkehr Kuhns nur für eine Frage der Zeit hält: "Ich werde Kuhns Stuhl warm halten und nicht an ihm sägen".

Für die Nachfolge Kuhns, dessen Vertrag offiziell im Jahr 2020 ausläuft, habe er, Leisner, sich indes nicht beworben. Festspielpräsident Hans Peter Haselsteiner habe ihm zu verstehen gegeben, dass man einen Neustart anstrebe - mit einer Persönlichkeit, "die nicht in Erl groß geworden ist". Haselsteiner hatte die Vorstellung des neuen künstlerischen Leiters noch für dieses Jahr angekündigt.

Für die Grünen, Koalitionspartner der ÖVP in Tirol, ist es "nicht hinnehmbar", dass Kuhn bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe weiter als Dirigent im Einsatz bleiben soll. Wenn man die Anschuldigungen ernst nehme, müsse Kuhn bis dahin "alle seine Funktionen in Erl ruhend stellen", verlangte LAbg. Georg Kaltschmid. "Was ist denn das für eine inkonsequente Vorgehensweise", fragte Kaltschmid.

ÖVP-Kulturlandesrätin Beate Palfrader will sich ihrem grünen Koalitionspartner in dieser Forderung nicht anschließen. "Die Frage des Dirigats stellt sich derzeit nicht", ließ Palfrader die Dirigentenzukunft Kuhns gegenüber der APA vorerst offen.

Für die SPÖ hat deren Kultursprecherin Selma Yildirim die Ankündigung, dass Kuhn als Dirigent erhalten bleiben soll, als "unfassbar" bezeichnet. "Wenn er nur seine Funktion als künstlerischer Leiter zurücklegt, ist das nicht mehr als eine kosmetische Korrektur", betonte Yildirim im Gespräch mit der APA.

(APA)

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