Quelle: ZAMG

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Bachmann-Preis geht an Tanja Maljartschuk

08.07.2018 - 15:50
Die stolzen Preisträger in Klagenfurt© APADie stolzen Preisträger in Klagenfurt

Der 42. Ingeborg-Bachmann-Preis ging an eine Autorin, die erst vor wenigen Jahren Deutsch gelernt hat: Die seit 2011 in Wien lebende Ukrainerin Tanja Maljartschuk (35) ist am Sonntag im ORF-Theater Klagenfurt mit dem renommierten Literaturpreis ausgezeichnet worden. Damit waren fast alle zufrieden. "Ein geglückter Jahrgang", resümierte auch Jury-Vorsitzender Hubert Winkels.

Winkels ortete im Verlauf des dreitägigen Wettlesens, zu dem sieben Autorinnen und sieben Autoren angetreten waren, "viele Geschichten, die sehr gut gebaut waren. Das war nicht immer so. Klagenfurt hat eine lange Tradition experimenteller Texte. Aber gut erzählte Geschichten gelten heute mehr als bisher." Die Jury, in der die neuen Jurorinnen Nora Gomringer vor allem durch ihren ständigen T-Shirt-Wechsel und Insa Wilke durch ihre präzisen, sehr am Text orientierten Argumentationen auffielen, entschied sich am Ende für Beiträge, in denen Sprache Mittel zum Zweck war und sich nicht in den Vordergrund schob.

Die Einsamkeit und Ausgeschlossenheit eines als Hilfsarbeiter tätigen Migranten und einer dementen alten Frau führte Tatjana Maljartschuk in ihrem Klagenfurt-Text "Frösche im Meer" zusammen und wurde mit dem 25.000 Euro schweren Hauptpreis belohnt. Ein Ansporn für die Weiterarbeit in einer Sprache, die für die bisher auf Ukrainisch schreibende Ex-Journalistin eine Herausforderung ist, der sie sich gerne und erfolgreich stellt.

Dem im Stechen unterlegenen Deutschen Bov Bjerg blieb der Deutschlandfunk-Preis - dank 12.500 Euro Dotierung wahrlich mehr als ein Trostpreis. Bjergs schlüssig und flüssig erzählte Vater-Sohn-Geschichte "Serpentinen", von Insa Wilke als "spektakulär unspektakulärer Text" gelobt, fand viele Anhänger.

Raphaela Edelbauer, die einzige Österreicherin im Teilnehmerfeld, kam mit ihrem in den Untergrund und in eine verdrängte Vergangenheit führenden Text "Loch" zwar ebenfalls in die Stichwahl, wurde in der Folge jedoch immer wieder überstimmt. Dafür setzte sich die 28-Jährige bei der im Internet durchgeführten Publikumswahl durch. Der BKS-Bank-Publikumspreis in der Höhe von 7.000 Euro und das damit verbundene und mit 5.000 Euro dotierte Klagenfurter Stadtschreiberstipendium waren keine schlechte Ausbeute für die Wienerin, die mit ihrem Prosa-Debüt "Entdecker. Eine Poetik" heuer bereits den Rauriser Literaturpreis gewonnen hatte und zudem in Klagenfurt das Autoren-Wettschwimmen im Wörthersee für sich entscheiden konnte. Deutlich höher dotiert ist jedoch der Vertrag, den Edelbauer kurz vor dem Bachmann-Wettbewerb für ihren ersten Roman abschließen konnte. "Das flüssige Land" wird 2019 bei Klett-Cotta erscheinen.

Der Kelag-Preis (10.000 Euro) ging nach einigen Stichwahlen gegen Anna Stern und den letztlich gänzlich leer ausgehenden deutschen Jungstar Joshua Groß an die 1983 in Solingen geborene Autorin Özlem Özgül Dündar. Ihrem Text "und ich brenne" waren nach viel Jury-Lob (Gomringer: "Eine Sprachwucht") durchaus Chancen auf den Hauptpreis eingeräumt worden. Die Schweizerin Anna Stern gewann schließlich mit ihrem an ein Spitalsbett in Schottland führenden Text "Warten auf Ava" den 3sat-Preis (7.500 Euro).

"Es war viel Arbeit. Es war ein Fest", meinte Hubert Winkels abschließend und freute sich, dass bei der 42. Auflage des Wettlesens kein Buhlen um die Gunst von Publikum oder Juroren stattgefunden habe: "Die Mittel haben sich zivilisiert. Allen geht es um die Texte." Nach Jahren, in denen der Fortbestand des Bewerbs infrage gestellt gewesen sei, verlaufe nun "alles etwas ruhiger, solider, flüssiger", bedankte er sich bei den Organisatoren. "Es läuft wie geschmiert." Der nächste Bachmann-Preis kommt bestimmt.

(S E R V I C E - http://bachmannpreis.ORF.at)

(APA)

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