Quelle: ZAMG

Interviews

Barenboim mit Debussy im Musikverein

10.05.2018 - 14:08
Barenboim ist mit der Staatskapelle Berlin im Musikverein zu Gast© APA (Neubauer)Barenboim ist mit der Staatskapelle Berlin im Musikverein zu Gast

1918 starben nicht nur Gustav Klimt, Egon Schiele, Otto Wagner und Kolo Moser, sondern auch Claude Debussy. Ganz dem französischen Impressionisten widmet Daniel Barenboim sein mehrtägiges Gastspiel mit der Staatskapelle Berlin im Rahmen des Musikverein Festivals. Am Mittwoch war Damentag - mit den beiden famosen Sängerinnen Anna Prohaska und Marianne Crebassa und den Damen des Singvereins.

Letztere hatten etwa die schwierige Aufgabe, Textpassagen wie "Ah, Ah" (am Ende von Debussys "Poeme lyrique" "La Damoiselle élue") und "Aaaa" (in den Vokalisen der Sirenen im dritten Nachtstück für Orchester und Frauenchor) differenziert zu gestalten. Das bewältigten sie überzeugend - als langsam ausklingender Hauch, der das mystisch-süßliche Mini-Oratorium rund um eine schmachtende Liebende nach einem Text des Präraffaeliten Dante Gabriel Rossetti ausklingen ließ, sowie, verteilt zwischen den Orchestermitgliedern, als zur Musik gewordene, auf- und abschwellende, ungreifbare Verlockung.

Wer sich auf Debussy einlässt, den darf zu großer Rest-Zucker in der Musik nicht stören. Auch dieser zweite von vier Abenden des Barenboim'schen Debussy-Schwerpunkts, an dem neben Prohaska und Crebassa noch die Pianistin Martha Argerich beteiligt ist, ritt ordentlich auf des Meeres und der Liebe Wellen.

Mehr Gelegenheit zur Vielfalt als Anna Prohaska, die ihre Auserwählte mit großer Ernsthaftigkeit gestaltete und dadurch das Bad im Liebesleid eher trocken ausfallen ließ, hatte Marianne Crebassa. Die junge französische Mezzosopranistin, die in Currentzis' "La Clemenza di Tito" bei den vorjährigen Salzburger Festspielen als Sesto begeisterte und heuer in Salzburg in einem von Esa-Pekka Salonen dirigierten Konzert der Wiener Philharmoniker singen wird, durfte in den "Trois ballades de Francois Villon" fast ansatzlos zwischen leidenschaftlich, innig und kokett wechseln - und meisterte die Herausforderung bravourös.

Den Abend beschloss "La Mer", eines von Debussys bekanntesten Orchesterwerken. Barenboim gebot mit sicherer Hand über die Naturgewalten, ließ die Wellen plätschern und den Wind peitschen, als nehme er sich Prospero im "Sturm" zum Vorbild. Gewiss, die Staatskapelle Berlin sorgte mit technisch perfektem Spiel dafür, dass an der Oberfläche keine Auge trocken blieb - im tiefen Inneren drohte jedoch emotionale Ebbe. Auch wenn Wien nicht am Meer liegt, weiß man hier doch Seemannskunst zu würdigen: langer, herzlicher Applaus.

(APA)

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