Quelle: ZAMG

Interviews

Bertlmann vertritt Österreich bei Kunstbiennale Venedig 2019

08.05.2018 - 12:49
Künstlerin war über Einladung zunächst "sehr überrascht"© APAKünstlerin war über Einladung zunächst "sehr überrascht"

Renate Bertlmann vertritt Österreich bei der Kunstbiennale Venedig im Jahr 2019. Wie die Kuratorin des heimischen Pavillons, Felicitas Thun-Hohenstein, am Dienstag bekannt gab, wird die "Feministin und Pionierin der Performancekunst", die im Vorjahr den Österreichischen Staatspreis erhielt, den Pavillon als erste Frau mit einer Einzelpräsentation bespielen.

Bertlmann sei von der Einladung zunächst "sehr überrascht" gewesen, so die Künstlerin. "Ich freue mich auf die gemeinsame Reise." Mit ihrem ersten weiblichen Soloauftritt wolle sie vor allem "eine Initialzündung" sein, fügte sie hinzu. Bertlmann habe auf die Einladung unter anderem mit einer SMS reagiert, erinnerte sich Kuratorin Thun-Hohenstein. Sie enthielt ein Zitat von Ingeborg Bachmann: "Die Darstellung verlangt Radikalisierung und kommt aus Nötigung."

Diesem Motto werde Bertlmann bei der Biennale, die als älteste internationale Kunstschau immer auch Geschichte im Sinne von "spektakulären Provokationen" und einer "Kunst der Herausforderung" geschrieben habe, ebenso treu bleiben, wie in ihrem bisherigen Werk, so Thun-Hohenstein. Ihre Arbeit sei oftmals "provokant und verstörend, missverständlich, zweifelnd, herausfordernd" - sie öffne "Horizonte des Fragens", beobachte aus "selbst gewählter Distanz" und schaffe "sinnliche Erfahrungs- und Denkräume".

Gleichzeitig sei das Werk der Künstlerin, das sich seit vielen Jahren sowohl in Performancekunst, als auch Zeichnung, Skulptur, Foto, Film und Text mit Rollen- und Körperbildern beschäftigt und dabei oftmals einen bissig-ironischen Zugang wählt "untrennbar mit einer Ästhetik des Riskanten" verbunden.

Renate Bertlmann wurde am 28. Februar 1943 in Wien geboren und studierte an der Akademie der bildenden Künste sowie in Oxford. Mehr als ein Jahrzehnt war sie auch als Lehrbeauftragte tätig. Ihre Werke waren in den vergangenen Jahren u.a. in New York, London und Südkorea zu sehen. In Wien war sie zuletzt etwa Teil der Gruppenausstellung "Woman" zur Feministischen Avantgarde aus der Sammlung Verbund, die im Wiener mumok gezeigt wurde. Neben ihrer Heimat, wo sie im Vorjahr den Österreichischen Staatspreis erhielt, nimmt auch international die Aufmerksamkeit für ihre Arbeit zu.

Dass sie nun als erste Frau den österreichischen Pavillon mit einem Soloauftritt bespielen wird, freue sie nicht so sehr für sich selbst, wie "als Initialzündung", so Bertlmann. Gefragt warum dieser Schritt ihrer Ansicht nach so lange gedauert habe: "Wir sind wirklich nicht ernst genommen worden." Das Ausmaß des Widerstands gegen weibliche Kunst könne man sich heute Gott sei Dank kaum noch vorstellen - die heutige Anerkennung sieht sie umso mehr als "organische Entwicklung: Wenn man die Kraft hatte, durchzuhalten".

Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) zeigte sich gespannt, insbesondere auf die angekündigte Provokation - und wie sehr man das heute als Künstler überhaupt noch könne. Für Österreich sei die Biennale eine "großartige Chance", sein vielfältiges Kunstleben international präsent zu machen. Für das Budget, das um 50.000 Euro auf 450.000 gewachsen ist, konnte er allerdings keine weitere Erhöhung klar in Aussicht stellen. Laut Thun-Hohenstein werden noch rund 260.000 Euro aus privaten Mitteln benötigt, um das Projekt umzusetzen.

Die 58. Kunstbiennale in der Lagunenstadt wird von 11. Mai bis 24. November 2019 für die Besucher geöffnet sein. Schon ab dem kommenden Herbst finden in Kooperation mit der Akademie der Bildenden Küste in Wien Biennale Lectures zur Vorbereitung statt, eröffnet wird die Reihe mit dem Generalkurator der Biennale, Ralph Rugoff, seit 2006 Leiter der Hayward Gallery in London.

(APA)

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