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Interviews

Goldene Lola für Romy-Schneider-Drama und Minichmayr

28.04.2018 - 11:58
Minichmayr erhielt eine der begehrten Trophäen© APA (dpa)Minichmayr erhielt eine der begehrten Trophäen

Späte Hommage an die früh verstorbene Filmlegende Romy Schneider: Mit gleich sieben Lolas ist die vom ORF kofinanzierte Filmbiografie "3 Tage in Quiberon" am Freitagabend beim Deutschen Filmpreis in Berlin ausgezeichnet worden. Emily Atefs Drama siegte unter anderem in der Königskategorie Bester Spielfilm. Die Oberösterreicherin Birgit Minichmayr wurde als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet.

Die überglückliche, in Tränen aufgelöste Romy-Darstellerin Marie Bäumer (48) wurde außerdem als beste Schauspielerin geehrt. Im Jahr vor ihrem Tod hatte Romy Schneider (1938-1982) in dem französischen Kurort Quiberon in der Bretagne dem "Stern"-Journalisten Michael Jürgs ihr letztes großes Interview gegeben.

Im deutschen Sprachraum wurde Schneider zu dieser Zeit zu ihrem Leidwesen immer noch vor allem für ihre "Sissi"-Filme geliebt, obwohl sie schon längst anspruchsvolle Charakterrollen in internationalen Produktionen spielte. "Ich vermute, dass Romy Schneider sich so gesehnt hat, aus ihrem Land diese Auszeichnung zu bekommen", sagte Bäumer.

Die Lola für die beste weibliche Nebenrolle erhielt Minichmayr (41), die in dem in Schwarz-weiß gedrehten deutsch-österreichisch-französischen Film Romys Freundin Hilde Fritsch spielt. "2018 ist so, so gut zu mir", rief Minichmayr begeistert, als sie die Trophäe bei der Verleihung entgegennahm.

Neben Minichmayr war mit Andreas Lust ein weiterer Österreicher für einen Hauptpreis nominiert. Für seine Rolle in dem Film "Casting" ging er zusammen mit Oliver Masucci und Franz Rogowski ins Rennen um die Auszeichnung zum besten Hauptdarsteller.

Die Trophäe nahm dann Rogowski für seine Rolle in Thomas Stubers Großmarkt-Liebesgeschichte "In den Gängen" entgegen. Der 32-Jährige dankte vor allem seiner Familie - denn "denen ist das alles, was hier passiert, total unwichtig", meinte er. "Die haben mich vorher schon gemocht." Sowohl "In den Gängen" als auch "3 Tage in Quiberon" waren bereits bei der Berlinale gefeiert worden, gingen am Ende des Festivals aber leer aus.

Für die beste männliche Nebenrolle wurde Robert Gwisdek (34) ausgezeichnet, der in der Schneider-Biografie den Reporter verkörpert. Gwisdek wurde per Video aus dem Krankenhaus zugeschaltet, wo seine Frau gerade die gemeinsame Tochter zur Welt brachte. "3 Tage in Quiberon" erhielt auch die Preise für die beste Musik sowie für die beste Kamera/Bildgestaltung. Der Film war mit insgesamt zehn Nominierungen der große Lola-Favorit gewesen.

Fatih Akin und Hollywoodschauspielerin Diane Krüger mussten sich für ihr bereits mit dem Golden Globe ausgezeichnetes NSU-Drama "Aus dem Nichts" in der Spielfilm-Kategorie zwar mit der Silber-Lola begnügen. Akin erhielt zusammen mit Hark Bohm aber auch noch den wichtigen Drehbuch-Preis. Die Bronze-Lola in der Spielfilm-Sparte ging an Valeska Grisebach für ihre Bauarbeiter-Saga "Western" über deutsche Männer auf einer Großbaustelle in Bulgarien.

In der Gala wechselten sich ernste und heitere Töne ab. Die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Iris Berben, und Schauspieler und Moderator Edin Hasanovic ("Brüder", "Nur Gott kann mich richten") eröffneten die Gala mit einer fast alle Stile von Hiphop bis Dirty Dancing durchlaufenden, fetzigen Tanzperformance. Doch die Filmschaffenden sprachen dann immer wieder auch brisante aktuelle Themen wie die #MeToo-Debatte und ihre Folgen oder den Antisemitismus in der Gesellschaft an.

Berben sagte, die längst überfällige Debatte um Sexismus und Machtmissbrauch in der Filmbranche müsse ohne Häme und Ausgrenzung geführt werden. Sie wehre sich dagegen, dass Männer per se unter Generalverdacht gestellt würden. Aber wo es Einschüchterung und Mobbing gebe, müsse es heißen: "Eure Zeit ist vorbei!" Auf Jackett und Oberteil trug die Schauspielerin das Venus- und das Marssymbol für Weiblichkeit und Männlichkeit.

Der aus Bosnien stammende Hasanovic ließ zur Freude der Zuschauer einige politische Spitzen los. An die Adresse der AfD meinte er, es sei doch sicher frustrierend, jetzt vor dem Fernseher zu sitzen und zu sehen wie ein ehemaliger Flüchtling den Deutschen Filmpreis moderiere. Ansonsten empfahl er in Anspielung auf frauenfeindliche und judenfeindliche Ereignisse der jüngsten Zeit, mal "ein, zwei Wochen, die Finger von den Hosen zu lassen" - wenn doch die Sexisten den Hosenstall nicht zulassen könnten und die Antisemiten schon den Gürtel rausholten.

Riesenjubel gab es für die Macher der Schulkomödie "Fack ju Göhte 3" um Regisseur Bora Dagtekin, die die undotierte Lola für den "besucherstärksten deutschen Film des Jahres" bekamen. Mehr als sechs Millionen Besucher hatten den letzten Teil der Trilogie gesehen, insgesamt waren es mehr als 21 Millionen für alle drei Teile. "Eure gemeinsame Arbeit hat Kultstatus erreicht", so Berben. Für die Macher und Darsteller wie Elyas M'Barek, Jella Haase und Katja Riemann gab es einen "fetten Strauß" mit Lolas.

Der 78-jährige Regisseur, Schauspieler und Autor Hark Bohm ("Nordsee ist Mordsee") nahm sehr bewegt den Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den deutschen Film entgegen. "Wahrscheinlich ist das der glücklichste Augenblick meines Lebens", sagte Bohm.

(APA/dpa)

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