Quelle: ZAMG

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Theater an der Wien startet mit "Morgen" Vierjahresplan

20.04.2018 - 13:30
Roland Geyer hat einen langfristigen Plan© APARoland Geyer hat einen langfristigen Plan

Roland Geyer geht mit einem "Vierjahresplan" in die letzten vier Jahre seiner Intendanz im Theater an der Wien (TaW). Orientiert an den vier Tageszeiten, startet man die Saison 2018/19 unter dem Motto "Morgen" mit zahlreichen Neuerungen. Für die kommende 13. Saison seit der Wiedereröffnung hat man dabei 13 Werke geplant, wobei ein großer Schwerpunkt auf dem Barock liegt.

Er habe sich für die vier Schlusssaisonen seines Schaffens einen übergreifendes Motto überlegt, startete Geyer bei der Präsentation am Freitag eine Eloge auf die Zahl 4, die von der Vier-Farben-Lehre über die vier Jahreszeiten bis hin zum Viereck reichte. Er wolle in den kommenden vier Jahren einen Überblick über 400 Jahre Opernliteratur bieten, wobei man sich für die Übertitel am Tageslauf mit Morgen, Mittag, Abend und Nacht orientiere.

Konkret bedeutet das für 2018/19 viel Barock im TaW. So hat man mit "Alcina" (zum Saisonauftakt am 15. September), "Teseo" (14. November) und "Orlando" (14. April) gleich drei Händel-Opern im Talon. Hinzu kommt Henry Purcells Semiopera "King Arthur" ab 17. Jänner sowie das Purcell-Pasticcio "Die Zauberinsel" in der Kammeroper (29. September). Diese verschränkende Programmgestaltung zwischen dem Haupthaus und der kleineren Dependance sei für die kommenden Jahre Teil des Konzepts, unterstrich Geyer: "Ich diffundiere die beiden Häuser programmatisch."

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Carl Maria von Weber, der gleich doppelt im TaW vertreten ist. Am 12. Dezember feiert "Euryanthe" Premiere, bevor am 13. Mai 2019 der "Oberon" zu sehen sein wird. Und schließlich gibt es für Schiller-Freunde noch entsprechend basierte Werke. Von Rossini ist der "Guillaume Tell" ab 13. Oktober, von Verdi der "Don Carlos" in kleiner Fassung in der Kammeroper ab 28. November und von Tschaikowsky "Die Jungfrau von Orleans" ab 16. März zu hören. Und schließlich gibt es noch einige Werke, die Geyer unter "Vierter Kreis" subsumiert. Das betrifft Mendelssohn Bartholdys Oratorium "Elias", das ab 16. Februar zu sehen ist oder "Candide" des heurigen Jahresjubilars Leonard Bernstein in der Kammeroper ab 30. April.

Zu den Neuerungen gehört auch die Schaffung des Postens eines Dirigenten in Residence, den Concentus-Musicus-Chef Stefan Gottfried ausfüllen wird, der als erster Kapellmeister zwei szenische Aufführungen in einer TaW-Saison dirigiert. Neu ist ebenso die Tagline des Theaters an der Wien, die nun nicht mehr "Das neue Opernhaus", sondern selbstbewusst-schlicht "Das Opernhaus" lautet. Perdu ist bekanntermaßen auch das Festival Osterklang. "Der Osterklang wird als eigenes Festival in dieser Form nicht mehr stattfinden", so Geyer.

Der Blick auf die Leadingteams bringt einige der Stammgäste des Hauses zurück an die Wien. So wird etwa Tatjana Gürbaca, im Vorjahr mit der "Ring"-Trilogie am Haus, die "Alcina" inszenieren. Claus Guth führt Regie beim "Orlando", während Torsten Fischer für den "Tell" verantwortlich zeichnet. Shootingstar Lotte de Beer, die sich einst in der Kammeroper ihre Sporen verdient hat, wird "Die Jungfrau von Orleans" gestalten, Christof Loy die "Euryanthe" und Puppendompteur Nikolaus Habjan bringt seinen bereits in München gezeigten "Oberon" nach Wien. Das wohl aber spektakulärste Debüt im Regiesessel feiert der stets polarisierende Calixto Bieito mit seiner Inszenierung von Mendelssohn Bartholdys "Elias".

Der Blick auf den Besetzungszettel vereint einige Publikumslieblinge der vergangenen Jahre. Marlis Petersen singt die Titelpartie der "Alcina", Christophe Dumaux den Egeo im "Teseo" und den Orlando im "Orlando", Christian Gerhaher ist in der Titelrolle des "Elias" zu erleben, Anna Prohaska als Angelica und Florian Boesch als Zoroastro im "Orlando", und Annette Dasch singt die Rezia im "Oberon".

Einen kleinen Ausblick auf die letzten drei Spielzeiten unter seiner Ägide gab Geyer zum Abschluss ebenfalls. So werden in den Saisonen 2020/21 und 21/22 die Top 3 der vergangenen Jahre erneut gezeigt, während es in der Spielzeit 2019/20 gleich zwei Uraufführungen gibt - und das ungeachtet des nach wie vor schwierigen Publikumsumfeldes: "In dem Moment, in dem wir zeitgenössische Oper ansetzen, müssen wir kämpfen. Das ist traurig, aber wahr."

Der Vergleich der beiden Geschäftsjahre 2016 und 2017 zeigt dabei im TaW respektive der Kammeroper einen Rückgang der Auslastung. Wurden im TaW im Jahr 2016 noch 94,3 Prozent und in der Kammeroper 93 Prozent vermeldet, waren es im Geschäftsjahr 2017 im TaW 90 Prozent und in der Kammeroper 91,6 Prozent. Die laufende Saison, die am 17. September mit der "Zauberflöte" eingeläutet wurde, verzeichnet - beide Häuser zusammengenommen - einen Aufwärtstrend. "Wir hatten 95 Prozent Auslastung über alle Vorstellungen hinweg", freute sich Franz Patay als Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien.

(APA)

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