Quelle: ZAMG

Interviews

Orozco-Estrada neuer Chefdirigent der Wiener Symphoniker

29.03.2018 - 12:42
Von 2009 bis 2015 dirigierte er das NÖ Tonkünstlerorchester© Werner KmetitschVon 2009 bis 2015 dirigierte er das NÖ Tonkünstlerorchester

"Es nähert sich der Moment, an dem ich in ein paar Jahren entscheiden werde, weniger hin und her zu reisen. Das Ziel wäre, nur eine Chefposition innezuhaben", hatte Andres Orozco-Estrada noch vor zwei Wochen im APA-Interview gemeint. Nun hat sich dieser Zeitpunkt präzisiert: Mit der Saison 2021/22 wird der umtriebige Tausendsassa des Konzertbetriebes Chefdirigent der Wiener Symphoniker.

Der gebürtige Kolumbianer, der schon seit langer Zeit Wien seine Heimat nennt, folgt damit dem seit 2014 amtierenden Philippe Jordan nach, der mit 2020 als neuer Musikdirektor an die Wiener Staatsoper wechselt. "Es ist mir ein Anliegen, eine noch engere Verbindung zum Wiener Publikum aufzubauen, unsere Musik möglichst vielen Menschen nahezubringen und gleichzeitig die internationale Ausstrahlung der Wiener Symphoniker zu fördern", wird der 40-jährige Maestro in einer Aussendung zitiert: "Dieses hervorragende Orchester meiner musikalischen Heimatstadt zu leiten, ist für mich eine großartige Motivation für die zukünftige Zusammenarbeit, in welche ich meine ganze Energie investieren werde."

Orozco-Estrada wird der 16. Chefdirigent der Symphoniker, wobei sein Vertrag zunächst auf fünf Jahre angelegt ist. Dabei kann der neue Kapellmeister schon auf einige Erfahrung mit den Symphonikern zurückblicken, debütierte er doch 2006 am Pult des Orchesters, das er bis dato acht Mal leitete. In der kommenden Saison kommen vier weitere Auftritte hinzu, darunter bei den Konzerten zum Jahreswechsel mit Beethovens 9. Symphonie im Wiener Konzerthaus.

Orozco-Estrada sei einer der international führenden Dirigenten seiner Generation, begründete Symphoniker-Intendant Johannes Neubert die Wahl: "Ganz besonders verbindet uns mit ihm der Ansatz, die Wiener Klangkultur frisch und aufgeschlossen weiter zu entwickeln." Orchestervorstand Thomas Schindl bezeichnete den designierten Chef "als einen der spannendsten, vielseitigsten und inspirierendsten Dirigenten unserer Zeit".

Dazu gehört auch ein demokratischerer Führungsstil, als ihn viele Maestri der vorigen Generation gepflegt haben, wie Orozco-Estrada jüngst im Interview versicherte: "Man musiziert heutzutage viel mehr als zuvor. Dadurch ergibt sich eine andere Verbindung zwischen Dirigent und Orchester - quasi eine Demokratie. Das hat auch mit dem Geist des Zeitalters zu tun. Wir wollen als Gruppe etwas gemeinsam schaffen."

Dazu passt, dass Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) in seiner Reaktion die Symphoniker als eine Familie bezeichnete: "Daher stimmt es besonders hoffnungsfreudig, dass Andres Orozco-Estrada dem Ruf der Familie folgt und den ihm gebührenden Platz in seiner Wahlheimatstadt einnimmt." Und auch Konzerthaus-Intendant Matthias Naske zeigte sich am Donnerstag glücklich über die Entscheidung: "Die Bestellung von Andres Orozco-Estrada zum Chefdirigenten der Wiener Symphoniker bewegt und freut mich aus ganzem Herzen."

Geboren wurde Andres Orozco-Estrada am 14. Dezember 1977 im kolumbianischen Medellin. 1997 kam er zum Studium nach Wien, nach seinem Abschluss sammelte der junge Dirigent schnell Erfahrung mit der Führung großer Orchester und stand von 2005 bis 2009 dem Grazer recreation vor, bevor er 2009 den Posten des Chefdirigenten beim Tonkünstlerorchester Niederösterreich antrat.

Der internationale Karrieresprung erfolgte dann 2014, als der damals 37-Jährige Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters in Frankfurt und des Houston Symphony Orchestra wurde. Mit dem texanischen Klangkörper absolvierte er vor kurzem die erste Europatournee, die ihn auch nach Wien führte.

Dies bleibt allerdings nicht der einzige heimische Auftritt des Vielarbeiters Orozco-Estrada. Der nächste Einsatz steht am 1. April im Rahmen der Osterfestspiele Salzburg mit der Staatskapelle Dresden an, bevor er mit den Wiener Philharmonikern am 7. und 9. April im Musikverein spielen wird.

(APA)

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