Quelle: ZAMG

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Oscar-Gala zwischen #MeToo und Triumph für "Shape Of Water"

05.03.2018 - 13:44
Der 53-jährige Mexikaner jubelt über seine Oscars© APA (AFP)Der 53-jährige Mexikaner jubelt über seine Oscars

Einen eindeutigen Abräumer gab es diesmal nicht: Guillermo del Toros "Shape Of Water" gewann zwar vier Oscars, darunter die Königskategorien Bester Film und Regie, war aber in 13 Kategorien nominiert. Das Kriegsdrama "Dunkirk" erzielte seine Trophäen lediglich in drei Technik-Kategorien. Ansonsten verteilte sich der Preisregen recht gleichmäßig bei der vom Thema Diversität geprägten Gala.

Der nicht zuletzt durch großartige schauspielerische Leistungen beeindruckende, politische Film "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" brachte bei sieben Nominierungen vor allem seinen Darstellern Glück: Sam Rockwell (49) wurde für seine Rolle als rassistischer Kleinstadtpolizist bei seiner ersten Nominierung mit der Trophäe bei den Nebendarstellern ausgezeichnet, die als selbsternannte Rachegöttin brillierende Hauptdarstellerin Frances McDormand holte ihren zweiten Oscar nach "Fargo" ab und lieferte ein starkes Statement im Zeichen von #MeToo: Die goldene Statuette stellte die 60-Jährige sogleich neben sich auf den Boden. Auf ihre Aufforderung hin erhoben sich die Frauen mit Oscar-Nominierungen von ihren Sitzen - "wir alle haben Geschichten zu erzählen und Projekte, die finanziert werden müssen", rief die Oscar-Gewinnerin euphorisch aus.

Und sie forderte die Hollywood-Macher auf, diese Projekte schon in den kommenden Tagen mit den Frauen zu besprechen. Für Furore und den sich in Folge verbreitenden Hashtag #inclusionrider sorgte sie mit dem Hinweis auf eine wenig bekannte Klausel ("inclusion rider") in Verträgen, dass man bei der Besetzung von Rollen oder der Anstellung von Mitarbeitern bei Drehs mehr Vielfalt verlangen könne. Man könne darauf pochen, dass bei Filmprojekten mehr Frauen oder Minderheiten beschäftigt werden.

Und so zog sich die Frage der Diversität als roter Faden durch die Gestaltung des Abends, dem 45 Millionen in der Bühne verarbeitete Swarovski-Kristalle den nötigen Glanz verliehen. Bereits in seiner Eröffnungsnummer hatte Moderator Jimmy Kimmel, der zum zweiten Mal durch die Gala führte, direkt auf die beherrschende Diskussion der jüngsten Zeit angespielt. Weshalb die Oscarstatue heute der respektierteste Mann in Hollywood sei, sei schnell geklärt: "Er hat seine Hände, wo man sie sieht, er sagt nichts Anrüchiges - und hat keinen Penis. Wir brauchen mehr von seiner Sorte."

Ansonsten besann man sich im Dolby Theatre in Hollywood auf das Eigentliche: das Kino. Auf Ebene der Preise blieb der feministische Überraschungserfolg aus. Weder Solo-Regiedebütantin Greta Gerwig konnte sich als Geheimfavoritin in der Regiekategorie gegen die männliche Konkurrenz durchsetzen, noch ging Rachel Morrison ("Mudbound"), als erste Kamerafrau überhaupt im Rennen, mit dem Oscar nach Hause. Immerhin konnte mit Jordan Peele erstmals ein Schwarzer den Oscar für das beste Originaldrehbuch ("Get Out") in Empfang nehmen, während beim Auslandsoscar das chilenische Transgenderdrama "A Fantastic Woman" von Sebastian Lelio gekürt wurde. Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro nutzte seinen großen Abend für eine Botschaft der Völkerverständigung. "Ich bin ein Einwanderer", sagte er - und pries die Kraft von Filmen, "die Linien im Sand" zwischen den Menschen verschiedener Kulturen zu verwischen.

Der Engländer Gary Oldman (59) hatte bei den Buchmachern als bester Hauptdarsteller die Nase vorn gehabt und lieferte wie erwartet. Seine wortgewandte und eindringliche Performance als britischer Premierminister Winston Churchill in Joe Wrights Historiendrama "Die dunkelste Stunde" gefiel auch der Academy am besten. Jungstar Timothee Chalamet hatte ebenso das Nachsehen wie Daniel Day-Lewis oder Denzel Washington. Bei den Nebendarstellerinnen war Allison Janney (58) siegreich. In dem auf der Lebensgeschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding basierenden Film "I, Tonya" spielt sie eine ehrgeizige Eislaufmutter, ihre als Hauptdarstellerin nominierte Filmtochter Margot Robbie ging dagegen leer aus.

Altmeister James Ivory konnte sich mit 89 Jahren über seinen ersten Oscar freuen. Für sein Coming-of-Age-Drama "Call Me by Your Name" gewann er in der Sparte Bestes adaptiertes Drehbuch und ist damit der bisher der älteste Oscar-Gewinner überhaupt. Und "Coco", das farbenfrohe Abenteuer der Pixar-Studios, holt sich wie erwartet die Krone bei den Animationsfilmen.

Auch mehrere Schauspielerinnen, die sich als Opfer des von der US-Filmakademie aus ihren Reihen verbannten Ex-Filmmoguls Harvey Weinstein bezeichnen, bekamen ihren Moment auf der Bühne. Salma Hayek, Ashley Judd und Annabella Sciorra präsentierten einen Kurzfilm zu den neuen Protestbewegungen für die Frauenrechte.

Bei allem gesellschaftspolitischen Engagement blieb die Oscar-Show aber auch heuer wieder launig. So lobte Kimmel einen Jetski im Wert von 17.999 Dollar an denjenigen Preisträger aus, der die kürzeste Dankesrede hielt - wovon Mark Bridges, Kostümdesigner bei "Der seidene Faden" profitierte. Und nach ihrer legendären Panne vom Vorjahr, als Warren Beatty und Faye Dunaway wegen eines falschen Umschlags zunächst mit "La La Land" den falschen Streifen zum Sieger in der Kategorie Bester Film kürten, wurden die beiden Kinoveteranen erneut als Präsentatoren der Sparte eingeladen. "Beim zweiten Mal ist alles besser", so Dunaway. Doch nicht für jeden gab es ein "weiteres Mal": Meryl Streep konnte ihre Nominierung als beste Hauptdarstellerin in "Die Verlegerin" nicht in den vierten Oscar verwandeln, auch mit dem zweiten Oscar für den 88-jährigen Altmeister Christopher Plummer wurde es diesmal nichts.

(APA)

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