Quelle: ZAMG

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Schauspielerin Irrall kurz nach 80. Geburtstag gestorben

27.02.2018 - 15:23
Irrall war in vielen Genres im Theater und im Fernsehen zu sehen© APAIrrall war in vielen Genres im Theater und im Fernsehen zu sehen

"Mit Elfriede Irrall ist eine Magierin ihres Fachs abgetreten", bedauert Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) das Ableben der Wiener Schauspielerin, die auch im Burgenland lebte. Die Schauspielerin, die 2012 mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien ausgezeichnet wurde, starb am gestrigen Montag kurz nach ihrem 80. Geburtstag.

"Irrall besaß die seltene Gabe auch aus einer Nebenrolle immer eine Hauptrolle zu machen. In dieser Hinsicht war die Charakterdarstellerin doppelt begnadet, da sie es verstand, dieses Talent sowohl auf der Bühne, als auch vor der Kamera zu vollster Wirkkraft zu entfalten", so der Kulturstadtrat weiter. Als Lehrende habe sie kommende Schauspielgenerationen geprägt und ihnen das notwendige Rüstzeug mitgegeben. "So gesehen, bleibt uns die Magie, die ihr zu eigen war, lange erhalten", so Mailath-Pokorny.

Elfriede Irral drehte mit Michael Haneke und Xaver Schwarzenberger und spielte an Peter Steins Schaubühne. "Sie nimmt das Schauspielen nicht leicht und macht es daher auch Regisseuren und Bühnenpartnern schwer", schmunzelte Ernst Stankovski 2012 bei der Verleihung des Goldenen Verdienstzeichens. Sie selbst charakterisierte ihr Verhältnis zu Regisseuren einmal in einem "Presse"-Interview ähnlich pointiert: "Ich habe ganz wunderbare Regisseure kennengelernt, aber auch solche, bei denen man das Gefühl bekommt, die hätten besser Bildhauer werden sollen und dann eben auf einen Stein draufhauen, bis etwas Interessantes daraus entsteht."

Elfriede Irrall wurde am 18. Februar 1938 in Wien geboren. Im Anschluss an die Matura absolvierte sie die Schauspielschule Krauss. Nach ihrem Debüt in ihrer Heimatstadt folgte 1955 ein Engagement ans Stadttheater Bonn, dessen Ensemble sie bis 1957 angehörte. Weitere Stationen ihrer Karriere waren unter anderem die Bühnen der Stadt Köln, das Schauspielhaus Zürich, das Theater in der Josefstadt und das Burgtheater in Wien sowie Peter Steins Berliner Schaubühne.

Tourneen führten die freischaffende Schauspielerin zusammen mit ihrem deutschen Kollegen und Ehemann Olaf Scheuring seit den 80er-Jahren durch Deutschland, die Schweiz und Österreich. In ihren "vorausschauenden Erinnerungen" mit dem Titel "Und künde anderen von solchem Glück" berichtet sie von ihrer künstlerischen Zusammenarbeit und von gemeinsamen glücklichen Jahren an der Seite des 2009 gestorbenen Schauspielers und Regisseurs.

1996 spielte Elfriede Irrall unter der Regie von Hans Gratzer am Schauspielhaus Wien in Tony Kushners Stück "Slawen!". Sie trat bei den Salzburger Festspielen auf und war immer wieder auch am Wiener Volkstheater zu sehen, so etwa 2010 in Neil Simons "Roses Geheimnis" oder 2011 in Collin Higgins "Harold und Maude". Ihre Kunst gab sie auch immer wieder als Lehrerin an Schauspielschulen in Graz, Berlin und Wien weiter.

Einem breiteren Publikum wurde die Künstlerin aber vor allem durch ihre zahlreichen Fernsehauftritte bekannt. Einen ersten Höhepunkt ihrer Karriere erreichte Irrall an der Seite von Günther Strack und Dietmar Schönherr in der Titelrolle des ZDF-Zweiteilers "Madame Bovary" nach dem gleichnamigen Roman von Gustave Flaubert (1968). Unter der Regie von Michael Haneke war sie 1979 im TV-Zweiteiler "Lemminge" und 1983 in "Variation" mit Hilmar Thate und Monica Bleibtreu zu sehen. 1996 drehte sie zusammen mit Senta Berger, Christiane Hörbiger, Nicole Heesters und Gertraud Jesserer in der Regie von Xaver Schwarzenberger "Lamorte". Später war sie u.a. in Folgen der "Tatort"-Reihe oder in "Soko Kitzbühel" zu sehen.

Mit Andreas Gruber drehte sie einige Filme ("Vor lauter Feigheit kein Erbarmen", "Hasenjagd", "Die Schuld der Liebe", "Hannas schlafende Hunde"). Im Jahr 2000 war sie als Schriftstellerin und Brecht-Mitarbeiterin Elisabeth Hauptmann in Jan Schüttes Spielfilm "Abschied. Brechts letzter Sommer" zu sehen. 2010 folgte "Vielleicht in einem anderen Leben" von Elisabeth Scharang, 2012 "Shirley: Visions of Reality", in dem Regisseur Gustav Deutsch 13 Gemälde Edward Hoppers belebte.

"Meine Utopie ist, dass man jeden Tag spielt, als ginge es um Leben und Tod", hat Elfriede Irrall einmal festgehalten. Sie hat viel dafür getan, ihre Utopie in die Tat umzusetzen.

(APA)

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