Quelle: ZAMG

Interviews

Florian Scheuba präsentierte neues Soloprogramm

21.02.2018 - 08:55
Florian Scheuba bleibt der Aufdeckersatire treu© APAFlorian Scheuba bleibt der Aufdeckersatire treu

Wäre Dienstagabend im Wiener Stadtsaal eine Gasleitung explodiert, der Großteil der heimischen Kabarettszene wäre ausgelöscht worden. Der Grund für den Auftrieb der satirischen Alphatiere: Die Premiere von Florian Scheubas zweitem Soloprogramm "Folgen Sie mir auffällig" - ein Abend, der das Investigativkabarett der abgesetzten Staatskünstler mit persönlicheren Zwischentönen verbindet.

Zwar gibt es die obligatorischen Witze über Erdogan, "randständige Nischenprodukte" wie die ÖVP Wien oder die Kritik am österreichischen Föderalismus, der so sinnvoll sei, wie das heimische Blumenkisterl in neun Klimazonen einzuteilen. Zugleich aber bleibt Scheuba der gemeinsam mit den Kollegen Thomas Maurer und Robert Palfrader etablierten Aufdeckersatire treu und spürt den kruden Methoden von gekauften Fakeblogger-Agenturen ebenso nach wie den Beweisen gegen die im Weißen Haus propagierten "alternativen Fakten" - alles als Rechercheausweis mit Fotomaterial untermauert.

Und bei allem aufdeckerischen Impetus geht es vielfach schlicht ums Wundern vor den Phänomenen der Welt: Weshalb liegt auf Platz 1 der Onlinesuche im Duden im Land Salzburg das Wort "jediglich" - das es bekanntlich nicht gibt? Würde Toni Sailer Peter Pilz wählen? Und ist die Einrichtung einer FPÖ-Historikerkommission, um braune Flecken in den deutschnationalen Burschenschaften aufzuspüren, nicht wie die Suche nach Heu in einem Heuhaufen?

So mäandert der zweistündige Abend von einem Thema zum andern, knöpft sich Scheuba doch ein Interessensgebiet nach dem anderen vor, fliegt wie eine Biene von einer satiretauglichen Blüte zur nächsten. Philosophische Vergleiche wie "Wahrscheinlich glaubt HC Strache, dass Herbert Kickl sein Freund ist. Das ist, als wenn Kasperl und Pezi glauben, dass die Hände, die in ihnen stecken, ihre Freunde sind", sind dabei die Pollen, die auch fürs Publikum abfallen.

Zugleich geht Scheuba immer wieder in die Metaposition und stellt die Grundfragen seines Berufsstandes: Was ist authentisch, was ist die Wahrheit, was die Rolle des Kabarettisten im Verhältnis zu seinem Publikum? Bisweilen verliert sich der 52-Jährige in dieser Selbstbespiegelung der Selbstbespiegelung, im postmodernen Relativieren der eben eingenommenen Position. Dennoch verhindert dieser Ansatz die reine Gestik des erhobenen Zeigefingers - die sich gerade ein Florian Scheuba eigentlich leisten könnte.

(APA)

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