Quelle: ZAMG

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Jubiläumsschau der Nationalbibliothek in Wien

24.01.2018 - 13:20
Die Nationalbibliothek zeigt ihre "Schätze"© APADie Nationalbibliothek zeigt ihre "Schätze"

2018 feiert die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) ihr 650-Jahr-Jubiläum. "Es gibt kaum eine Kulturinstitution in diesem Land, die auf eine so lange und traditionsreiche Geschichte zurückblicken kann", sagte Generaldirektorin Johanna Rachinger am Mittwoch bei der Pressekonferenz zur Ausstellung "Schatzkammer des Wissens", die den Auftakt eines "bunten Reigens von Veranstaltungen" bildet.

An sich ist ja schon alleine der Prunksaal der Nationalbibliothek ein prächtiges Ausstellungsstück - das ganze heurige Jahr ist er jedoch mit einer von Kuratorin Michaela Pfundner getroffenen Auswahl von 170 der wertvollsten und bedeutendsten Objekte des Hauses bestückt - für Rachinger "eine Chance, die sich vielleicht nur einmal im Leben bietet". Manche Stücke sind so heikel, dass sie als "Objekte des Monats" jeweils nur kurz gezeigt werden können.

Das gilt etwa für Mozarts "Requiem", die Gutenberg-Bibel, die zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählende antike Straßenkarte Tabula Peutingeriana, vor allem aber für das 1368 fertiggestellte, in Goldlettern geschriebene und reich illustrierte Evangeliar des Johannes von Troppau aus dem Besitz des Habsburgerherzogs Albrecht III., das heute als Gründungscodex der Bibliothek gilt. Die prunkvolle Kassette ist Ausgangspunkt der Jubiläumsschau. Im Jänner 2019 darf man dann zum Abschluss auch einen Blick auf ihr Inneres werfen. Digitalisiert ist es über die Website www.onb.ac.at abrufbar.

Die Ausstellung bietet anhand von Handschriften und Drucken, Papyri, Musiknoten, Landkarten, Dokumenten, Aquarellen (darunter ein entzückender Eisbär von Matthias Schmutzer aus 1797), Fotos und Grafiken eine Reise durch die Kultur- und Mediengeschichte, vor allem aber durch die wechselvolle Geschichte der Bibliothek, die für Rachinger "ein symbolischer Ort der Geschichte und der kulturellen Identität Österreichs" ist: "Sie ist eine Kultureinrichtung, die stets aufs Engste mit der politischen Geschichte des Landes verbunden war. In den Wandlungen und Entwicklungen liegt auch die unverwechselbare Identität dieses Ortes."

Zu sehen sind etwa Beispiele aus dem "ersten Zettelkatalog der Bibliotheksgeschichte" von 1780 (ausgestellt neben einem modernen Tablet, in dem der heutige Bestandskatalog abgerufen werden kann), aber auch gleich zwei Verzeichnisse verbotener Bücher von Gerhard van Swieten aus dem 18. Jahrhundert sowie aus dem Vormärz. Einzelne Objekte verweisen auf bedeutende Bestandserweiterungen, etwa die von Ferdinand III. veranlasste Erwerbung der 15.000 Bände umfassenden Fugger-Bibliothek, der Ankauf der ebenso großen Bibliothek von Prinz Eugen oder die Ende des 19. Jahrhunderts in die Bibliothek aufgenommene Papyrussammlung Erzherzog Rainers.

Die NS-Zeit mit der aggressiven Ankaufspolitik unter Direktor Paul Heigl und der Auslagerung wertvoller Bestände 1943 ist ebenso ein Thema wie die heutige Archivarbeit, zu deren Illustration etwa ein Einkaufszettel von Ernst Jandl, eine Meldebescheinigung von Ingeborg Bachmann und ein Brief Peter Handkes gezeigt werden.

Auch mannigfaltige baulichen Aktivitäten werden gestreift - von dem von Kaiser Karl VI. veranlassten Umbau des Reitschulgebäudes nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach zu einer prächtigen Bibliothek bis hin zu nicht realisierten Plänen einer Hofbibliothek am Ring oder dem imposanten Entwurf von Werner Theiss für eine 26-stöckige Zentralbibliothek (in der die Bestände von Nationalbibliothek, Universitätsbibliothek und Bibliothek der TU zusammengeführt werden sollten), die in den 1930er-Jahren aber weder an den ins Auge gefassten Bauplätzen am Ring noch in der Sensengasse verwirklicht werden konnte.

Auch ein anderes Bauprojekt scheint wieder fraglich: Der geplante Tiefenspeicher am Heldenplatz findet sich nicht im Regierungsprogramm. "Wir haben im letzten Regierungsprogramm den Bau drinnen gehabt, und er ist auch nicht gekommen", sah das Rachinger nicht weiter tragisch. Solange das Parlament eines seiner Ausweichquartiere am Heldenplatz aufgeschlagen habe, seien Baumaßnahmen am Heldenplatz nicht erwünscht, "das ist eine klare Ansage, daran haben wir uns zu halten". Da aber die Lagerkapazitäten bald erschöpft seien, liefen nun als Plan B Gespräche über Einmietungen in Magazinen. Wenn nach 2021 die Frage, wie man den Heldenplatz gestalte, wieder aktuell werde, müsse die Frage des Tiefenspeichers wieder aufs Tapet kommen.

Das Jubiläumsjahr der ÖNB bietet ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit Ausstellungen, Konzerten, Lesungen, Vorträgen, Filmvorführungen ("Die Bibliothek im Film" von 7. bis 17. Juni) und zahlreichen Aktionstagen. Dazu gibt es auch eine eigens konzipierte ÖNB-App, mit der man zudem bis Ende Februar ermäßigten Eintritt in alle Museen der Österreichischen Nationalbibliothek bekommt. Höhepunkte sind ein großer Festakt am 22. Februar, ein "Open House" an allen Standorten am 6. Mai und ein Festkonzert in der Augustinerkirche am 22. November. Auf dem Programm steht Anton Bruckners "Messe in f-Moll". In der Augustinerkirche hat 1872 Bruckner selbst die Uraufführung dirigiert. Die Original-Partitur befindet sich in der Musiksammlung der ÖNB.

(APA)

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