Quelle: ZAMG

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Musikexperte Tschürtz sieht Koalition "vorsichtig skeptisch"

20.12.2017 - 09:19
Kunst lebt von Freiheit© APA (Symbolbild)Kunst lebt von Freiheit

Musikexperte Hannes Tschürtz, Gründer der Agentur Ink Music, beurteilt das Programm der neuen Bundesregierung kritisch. "Es enthält insgesamt viel Luft und Überschriften, was fairerweise ein bisschen in der Natur der Sache liegt", erklärte er gegenüber der APA. "Sie haben sich bemüht, nicht gleich wahnsinnig anzuecken, aber in Summe ist das Potenzial drin, dass das wahnsinnig gefährlich wird."

Grundsätzlich sei er "vorsichtig skeptisch", so Tschürtz. Die Vorhaben im Kunst- und Kulturbereich wie auch insgesamt würden "ein bisschen alles offen" lassen. "Ich will einerseits nicht übertrieben Angst haben, aber man merkt jetzt schon, dass die Regierung keine halben Sachen macht", verwies er auf die Besetzung des Innenministeriums mit Herbert Kickl (FPÖ) oder erste Ankündigungen aus dem Infrastrukturministerium. "Die lassen da keinen Tag vergehen, ohne nicht zu versuchen, alles komplett umzudrehen."

Aus "ideologischer Richtung" halte er vieles für "grundfalsch". "Aber ich bin überzeugter und gelernter Demokrat, der zumindest einmal versucht, sich das Ganze anzuschauen und fair und sachlich zu beurteilen", betonte Tschürtz. Wenn es aber etwa um "ein österreichisches Kulturleitbild" gehe, sei er jedenfalls skeptisch. "Das ist das Gegenteil von sinnvoll, wenn es um Kultur geht, weil Kunst von Freiheit lebt." Zudem werde viel von Evaluierung gesprochen und dies mit "Spitzen- und Exzellenzförderung" in Bezug gesetzt. Er sei zwar keineswegs ein Verfechter des Gießkannenprinzips, aber: "Eine Spitze kann nicht entstehen, wenn es keine Breite gibt", unterstrich Tschürtz.

"Warum die österreichische Musikwirtschaft gerade so boomt, ist genau die Entwicklung der letzten 15 Jahre", fuhr er fort. Positiv hob Tschürtz etwa die Förderung durch den Musikfonds hervor, sprach sich aber für eine finanzielle Ausweitung aus, nicht zuletzt auch in Richtung Vertriebs- und Vermarktungsförderung. "Das wäre dringend notwendig. Wenn sie dort nicht ansetzen, machen sie einen Riesenfehler. Und eine Spitzenförderung wird dort nicht ansetzen." Österreichische Künstler seien auch deshalb erfolgreich, "weil wir origineller, kreativer, spannender und freier arbeiten. Alles, was dem den Boden entzieht - Stichwort Förderungen, freie Meinungsäußerung und freie Medien -, wird die Musikwirtschaft völlig zum Zusammenbruch bringen."

Zum Thema Quote, etwa was heimische Künstler in Radio und TV betrifft, zeigte sich Tschürtz, bei dessen Agentur derzeit Bands wie Mynth oder Garish zuhause sind, zwiegespalten. "Ich bin kein Freund davon." Zuletzt habe man seitens der Musikwirtschaft einen sinnvollen Dialog mit den entsprechenden Partnern geführt, "das ist ausnahmslos immer besser, als etwas per Gesetz vorzuschreiben". Natürlich sei die Quote auch als "Drohgebärde in der Hinterhand" nicht zu unterschätzen. "Aber ich würde nach wie vor sagen: Feste Prozente vorzugeben, ist nicht der Weisheit letzter Schluss."

(APA)

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