Quelle: ZAMG

Interviews

Michael Heltaus 34. Soloprogramm im Burgtheater

24.11.2017 - 15:48
Standing Ovations feierten Heltau im Wiener Burgtheater© APA (BURGTHEATER)Standing Ovations feierten Heltau im Wiener Burgtheater

84 Jahre alt ist Michael Heltau, der Doyen des Burgtheaters. Zum 34. Mal hatte am Donnerstag im Burgtheater ein Soloprogramm des Schauspielers und Chansonniers Premiere. Es sind nicht nur Zahlen wie diese, die beeindrucken. Auch die Liebe seines Publikums ist ostentativ unverbrüchlich: Standing Ovations feierten Heltau für einen Auftritt, bei dem sich Licht und Schatten die Waage hielten.

Heltau, beneidenswert schlank, hat sich diesmal für ein jugendliches Outfit entschieden: Jeans und Turnschuhe, Schal, Hut und Sonnenbrille, sportliches Sakko und dunkelblaues Hemd. Er gibt eine gehetzt wirkende, der Vergangenheit nachsinnende Figur, die unmittelbar von Nummer zu Nummer springt, keine Zeit hat für große Überleitungen oder Anekdoten. Heute Abend ist er nicht der "Bühnenmensch", der Charmeur, der aus seinem Leben erzählt und das Publikum direkt anspricht. Er wirkt geradezu unnahbar.

"Einen blauen Ballon möcht' ich haben...", hat er den Abend genannt, eine Anspielung auf eine Prosaskizze von Peter Altenberg, eine Beobachtung aus dem Wiener Volksgarten. Doch wirklich wienerisch wird es erst im zweiten Teil des Abends, in dem sonst eingedeutschte Cover-Versionen aus dem breiten französischen Chanson-Repertoire dominieren, die man allesamt im Original besser und eindrucksvoller gehört hat, von Jacques Brel, Charles Aznavour oder Charles Trenet. Heltaus Stimme wirkt brüchig, sie trägt ihn nicht mehr mühelos durch den großen Bühnenraum, der seine Heimat gewesen ist, und nur selten vertraut er ihr. Sprechgesang dominiert.

In der souveränen Begleitung der hervorragenden fünfköpfigen Combo der "Wiener Theatermusiker", die Heltau in den Arrangements von Tscho Theissing liebe- und rücksichtsvoll durch den Abend begleiten, ist die erste Halbzeit, vor wechselnd farbigem Bühnenhintergrund ablaufend und mit minimalen Text-Einsprengseln versehen, eine eher kühle, ernüchternde Angelegenheit.

Welch' schöne Überraschung, dass sich der Charakter des Abends nach der Pause wandelt. Heltaus Stimme präsentiert sich nun deutlich geschmeidiger, mit wesentlich mehr Sicherheit bewegt er sich auf bekanntem Grund - preist das "Milieu" von Künstlern und Lebenskünstlern, in dem er sich zeitlebens so zu Hause gefühlt hat, spaziert durch Wieden und den Wienerwald. Der Abend beginnt zu atmen, und auch seine Fans atmen auf. Endlich bekommen sie das, was sie kennen und lieben. Endlich gibt es guten Grund, ihren Liebling mit Standing Ovations zu feiern.

"Einen blauen Ballon möcht' ich haben...", benzt die kleine Rosamunde in Altenbergs Miniatur immer wieder, und als sie ihn bekommt, lässt sie ihn flugs los, um ihm nachschauen zu können, wie er in den blauen Himmel entschwebt. Heltau lässt los, und sein Publikum hält ihn ganz fest. Ein kurzer, paradoxer Moment des gemeinsamen Glücks.

(APA)

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