Quelle: ZAMG

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Russischer Opernsänger Hvorostovsky gestorben

22.11.2017 - 13:31
Dmitri Hvorostovsky wurde lediglich 55 Jahre alt© APA (Archiv/AFP)Dmitri Hvorostovsky wurde lediglich 55 Jahre alt

Nun hat Dmitri Hvorostovsky den Kampf gegen den Krebs doch verloren: Der russische Starbariton starb in der Früh im Alter von nur 55 Jahren an den Folgen seines Gehirntumors, wie seine Familie auf Facebook mitteilte. Der Opernstar sei am Mittwoch in London friedlich im Kreise seiner Liebsten verstorben, hieß es: "Die Wärme seiner Stimme und seine Energie werden immer bei uns sein."

Bei dem Bariton mit dem markanten weißen Haarschopf war vor über zwei Jahren ein Gehirntumor diagnostiziert worden. Seither hatte der Sänger wegen der Krankheit Probleme mit dem Gleichgewicht und musste in Folge die meisten seiner Einsätze absagen. Ende Juni dieses Jahres hatte Hvorostovsky allerdings noch mit seinem Auftritt bei der Sommernachtsgala in Grafenegg für den berührenden Höhepunkt des Abends gesorgt.

Geboren wurde Dmitri Hvorostovsky am 16. Oktober 1962 im sibirischen Krasnojarsk, wo er auch Kunst und Gesang studierte. Zunächst sang er laut Medienberichten in einer russischen Rockband, bevor er sich schließlich dem Musiktheater zuwandte. Zum internationalen Durchbruch verhalf ihm der Sieg beim renommierten Opernbewerb im walisischen Cardiff im Jahr 1989.

Hvorostovsky avancierte letztlich zum Publikumsliebling, der mit Klassikstars wie Anna Netrebko bei Großkonzerten auftrat. Er sang aber auch in den renommierten Häusern der Opernwelt und war bei Festivals wie den Salzburger Festspielen zu hören, wo er etwa 1996 im "Figaro", 1999 im "Don Giovanni" und zuletzt 2004 in einer konzertanten Fassung von Prokofjews "Krieg und Frieden" auftrat.

"Heute ist ein sehr, sehr trauriger Tag für uns alle in der Wiener Staatsoper", zeigte sich am Mittwoch Direktor Dominique Meyer betroffen von der Todesnachricht: "Dima hinterlässt eine unbeschreibliche Lücke. Er wird uns im Gedächtnis bleiben als ein Ausnahmekünstler, der immer hundert Prozent gegeben hat - und als Mensch, der uns mit seinem Lachen, seiner Freude, seiner Warmherzigkeit, seiner Positivität und seiner Großzügigkeit bereichert hat."

Der Sänger hatte 1994 in den "Puritani" an der Staatsoper debütiert und war in Folge insgesamt in zehn Partien am Haus zu hören. Den letzten Auftritt absolvierte der Bariton am 29. November 2016 als Germont in der "Traviata" - die weiteren geplanten Einsätze hatte Hvorostovsky dann bereits aufgrund seiner Erkrankung absagen müssen. Die Staatsoper hat nun die schwarze Fahne gehisst und wird Hvorostovsky am Mittwochabend eine Gedenkminute widmen.

Auch die Mailänder Scala äußerte am Mittwoch ihre Trauer über den Verlust eines der "charismatischsten Interpreten der vergangenen Jahrzehnte". An der Scala hatte Hvorostovsky 1992 debütiert. "Die Musikwelt verliert mit ihm eine ihrer beliebtesten und respektiertesten Persönlichkeiten", heißt es aus Mailand. Und auch der Direktor des Moskauer Bolschoi-Theaters, Wladimir Urin, würdigte gegenüber der Agentur Tass die künstlerische Leistung Hvorostovskys als einmalig: "Der Besitzer einer so wunderbaren Stimme lebt nicht mehr. Er hatte eine einzigartige Musikalität und eine unglaubliche schauspielerische Ausstrahlung." Und auch die Royal Opera in London meldete sich mit einem Tweet zu Wort: "Die ganze Royal Opera ist traurig über den Tod unseres Freundes und Kollegen Dmitri Hvorostovsky."

(APA/dpa)

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