Quelle: ZAMG

Interviews

"Der Kanzler" von Roland Düringer feierte Premiere in Linz

18.10.2017 - 11:22
Der Kabarettist taucht in die Abgründe der Politik ein© APADer Kabarettist taucht in die Abgründe der Politik ein

Nach sieben Jahren Enthaltsamkeit ist Roland Düringer am Dienstag im Linzer Posthof auf die Kabarettbühne zurückgekehrt. Hat er mit "Benzinbrüder" oder "Hinterholz 8" dem Volk aufs Maul geschaut, taucht er mit dem neuen Programm "Der Kanzler" in die Abgründe der Politik ein. Vor allem nach der Pause zollte ihm das Publikum im nicht vollbesetzen Haus dafür Anerkennung.

Der Zeitpunkt zwei Tage nach der Nationalratswahl hätte nicht passender für Düringers Analyse über die Mechanismen der Macht sein können, auch wenn der Premierentermin Monate vor jenem der vorgezogenen Wahl feststand. Aber es ging ohnehin in den gut zwei Stunden nicht um politische Inhalte, die der Gründer der Liste GILT aufs Korn nehmen wollte. Vielmehr erzählt er die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Polit-Beraters. Anhand dessen Lebensweges beleuchtet Düringer das System Politik, entlarvt es einmal mehr als Inszenierung der Macht. Zugleich zeigt er aber auch, wie fragil dieses System ist, das am Ende wie ein Kartenhaus zusammenbricht. So schreibt der Berater des Kanzlers bereits vor Öffnung der Wahllokale dessen Rücktrittsrede.

Auch wenn Düringer in "Der Kanzler" den Sprachduktus der Politprominenz haarscharf trifft und gekonnt in verschiedene Rollen schlüpft, verliert er sich vor allem im ersten Teil zu sehr im Detail. Wenn er etwa das Publikum an feuchtfröhlich derben Medienheurigen oder fotogenen Eröffnungen von Kreisverkehren eines Provinzhauptmannes teilhaben lässt, gerät dies zu ausufernd, da Altbekanntes breit getreten wird. Man vermisst satirische Elemente. Erst als der Praktikant einer Regionalzeitung, der über diese Events den Einstieg in die Politik schafft, Vizepressesprecher des Hauptmannes jener Ostprovinz und anschließend Sprecher des Kanzlers wird, gewinnt das Programm an Würze.

Pointiert und bisweilen skurril gerät jener Teil, in dem es um die Vorbereitung der Wahl geht. Ein Mastermind aus den USA wird eingeflogen, der erklärt, nicht Inhalte, Themen oder Personen sondern eine Marke sei für eine Wahlschlacht gefragt. Doch der heimische Spin-Doktor fällt vor dem Boulevard auf die Knie, verordnet dem auf Hundehaare allergischen Kanzler einen blinden, tauben, dreibeinigen, armseligen Köter für den Stimmenfang. Überraschend, wie dieses Anbiedern an "ein Kleinformat" zum Kuriosum ausartet. Wer meint, in dieser Marschrichtung oder aber im politischen Umgang mit Freund und Feind heimische Volksvertreter zu erkennen, dem sei von dem Gründer der Liste GILT gesagt: Personen und Handlungen sind frei erfunden, der Rest ist bewusster Zufall.

Heute, Mittwoch, gastiert Düringer nochmals im Linzer Posthof, bevor er ab Donnerstag, 19. Oktober, im Orpheum in Wien auftritt.

(APA)

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