Quelle: ZAMG

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Uffizien-Chef Eike Schmidt wird 2019 Generaldirektor des KHM

01.09.2017 - 15:10
Eike Schmidt ist voller Tatendrang© APAEike Schmidt ist voller Tatendrang

Von Ivory zu Ebony: Das derzeit von der Elfenbeinspezialistin Sabine Haag geführte Kunsthistorische Museum Wien (KHM) wird ab 2019 vom Ebenholzexperten und derzeitigen Chef der Florentiner Uffizien, Eike Schmidt, geleitet. Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) präsentierte den 49-jährigen deutschen Kunsthistoriker am Freitag als künftigen Mann an der Spitze des KHM-Museumsverbands.

Er habe sich entschlossen, das Kunsthistorische Museum "offensiv weiter zu denken", erläuterte Drozda seine Entscheidung, nicht einfach Haags "bisher soliden Weg abzurunden" und ihren Ende 2018 auslaufenden Vertrag zu verlängern: "Es gilt jetzt die Weichen für die Zukunft zu stellen." Eike Schmidt habe sich in Florenz mit zahlreichen Reformen seit seinem Amtsantritt als erster Nicht-Italiener an der Spitze des legendären Museums Ende 2015 einen Namen gemacht.

Da Schmidt seinen Vierjahresvertrag bei den Uffizien erfüllen will, wird der offizielle Amtsantritt in Wien etwas später als ursprünglich vorgesehen über die Bühne gehen. Statt am 1. Jänner 2019 soll der Experte für Ebenholzskulpturen seinen neuen Posten im zweiten Halbjahr 2019 antreten. "Wie der Übergang präzise geregelt wird, werden wir mit Sabine Haag besprechen", kündigte Drozda an.

"Ich kann es kaum erwarten", zeigte sich Schmidt indes voll Tatendrang. Seinen Abgang in Italien nach nur vier Jahren empfinde er dabei nicht als überhastet: "Wir haben in dieser Zeit viel mehr realisiert, als ich mir erträumt hatte." Seine Reformen seien zum Ende seines Vertrages dann quasi "Selbstläufer".

In Wien könne er von seinen Reformerfahrungen profitieren, zeigte sich der gebürtige Freiburger sicher. Ein Schwerpunkt seiner Zukunftspläne liege auf dem Digitalen. Hinzu komme der Ausbau der internationalen Stellung des Hauses, die von einer lokalen Verankerung flankiert werden müsse. Zum Museumskonglomerat des KHM gehören nicht nur die im Haupthaus befindlichen Alten Meister von Dürer über Rubens bis Vermeer, sondern auch Institutionen wie das Theatermuseum, die kaiserliche Schatzkammer oder das im Oktober nach einem längeren Umbau wiedereröffnende Weltmuseum Wien.

Drozda strich nicht zuletzt die klaren Vorstellungen von Schmidt zu neuen strategischen und finanziellen Partnerschaften heraus. Zugleich lobte er "den soliden Weg", auf den Sabine Haag das KHM seit 2009 gebracht habe, worauf nun aufzubauen sei: "Sie hat in den vergangenen zehn Jahren das Haus mit ruhiger Hand professionell geführt." Haag hatte sich - neben 14 weiteren Kandidaten - um eine Verlängerung ihres Vertrages bemüht. "Ich nehme die Entscheidung von Bundesminister Thomas Drozda zur Kenntnis, meinen Vertrag nach zehnjähriger Tätigkeit für eines der bedeutendsten Museen nicht mehr zu verlängern", so die 55-Jährige am Freitag in einer kurzen, nüchternen Stellungnahme.

Der noch bis März 2022 amtierende kaufmännische KHM-Geschäftsführer Paul Frey gratulierte Schmidt zur Bestellung: "Ich wünsche uns heute schon eine gute Zusammenarbeit in der gemeinsamen Geschäftsführung." Sabine Haag und er hätten in den vergangenen Jahren zahllose Verbesserungen im Wissenschafts- und Besucherbetrieb erreicht. Man lege gemeinsam eine makellose Bilanz vor: "Auf diese Arbeit können der nunmehr bestellte wissenschaftliche Geschäftsführer Eike Schmidt und ich aufbauen." Und auch Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder hieß den künftigen Wiener Kollegen willkommen und lobte: "Er verbindet in seiner Person wissenschaftliche Kompetenz mit dynamischem Unternehmergeist."

Museumspolitisch brachte der Tag in diesem Zusammenhang zwei weitere Ansagen: Minister Drozda zeigte sich "wild entschlossen", die aus den Erkenntnissen des in Auftrag gegebenen Weißbuchs entsprungenen Museumsreformen im Herbst durchs Parlament zu bringen: "Wenn es sein muss auch mit Mehrheiten abseits der Koalition." Und Schröder kündigte an, nicht auszuschließen, sich noch einmal um eine Vertragsverlängerung an der Albertina zu bemühen. Er wolle am Haus noch "eine Vision vollenden", die durch die Übernahme der Sammlung Essl als Dauerleihgabe und deren Präsentation im Künstlerhaus eine weitere Dimension erhalten habe. Die dort für September 2018 vorgesehen gewesene Eröffnung werde sich jedoch zumindest bis Frühjahr 2019 verzögern.

(APA)

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