Quelle: ZAMG

Interviews

Zinggl will "weiter meine Grüne Kulturpolitik machen"

01.08.2017 - 15:27
Auch Architektur und Baukultur werden Zinggls Themen sein© APAAuch Architektur und Baukultur werden Zinggls Themen sein

13 Jahre lang war Wolfgang Zinggl Kultursprecher der Grünen im Parlament. Nach seiner Entscheidung, für die "Liste Pilz" anzutreten, hat er gestern sein Büro im Parlamentsklub geräumt. "Der Abschied war schwer, aber nicht spontan. Die entscheidende Entfremdung war das Thema Heumarkt und Hochhaus-Spekulation. Das war für mich keine Grüne Kulturpolitik", sagt Zinggl im Gespräch mit der APA.

Seine Parteimitgliedschaft bei den Grünen wird Zinggl am Dienstag zurücklegen. Ob es bei der "Liste Pilz", die nun doch als Partei angemeldet wurde, Mitglieder geben werde, sei ihm nicht bekannt, so der Abgeordnete. Einer der von Peter Pilz genannten "vier Funktionäre" sei er jedenfalls nicht. "Darüber ist nicht geredet worden, und ich habe auch nichts unterschrieben."

2001 hatte der Wiener, der zuvor als Künstler, Kurator und Kunstkritiker tätig war, im Auftrag der Grünen ein kulturpolitisches Parteiprogramm erstellt. "Das wurde mit nur einer Gegenstimme angenommen und ist auch heute noch gültig und in jedem Detail richtig." Die Formulierung Grüner Anliegen in Nationalrat und Öffentlichkeit übernahm Zinggl im Alleingang.

"Mir hat niemand in die Kulturpolitik reingeredet. Interessant wurde es innerparteilich, als die Grüne Kulturpolitik mit den Interessen der Stadtpolitik in Wien nicht mehr kompatibel war." Er habe es als Verrat an Grünen Ideen empfunden, dass am Heumarkt ein Projekt des Immobilieninvestors Michael Tojner genehmigt und dabei eine ablehnende Urabstimmung unter allen Wiener Grünen ignoriert wurde.

Auch im Zusammenhang mit den Vorgängen im Bundesdenkmalamt, bei dem der Rechnungshof schwere Vorwürfe erhoben hat und ein Unterausschuss des Rechnungshofausschusses eingesetzt wurde, sei er auf Spekulationen gestoßen. "Mit Natur- oder Weltkulturerbe, dem öffentlichen Raum oder unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden zu spekulieren - das geht gar nicht!" Dies werde er im Wahlkampf und - so er gewählt wird - später auch im Parlament zu seinem vordersten Anliegen machen.

"Neben der Kulturpolitik werden Architektur, Baukultur und Spekulationsunkultur meine Themen sein. Ich glaube, es wird bei den Wählern und Wählerinnen ein Verständnis dafür geben, dass wir uns um sehr konkrete Anliegen kümmern und uns dafür voll engagieren."

Nach den parteiinternen Vorwahlen der Grünen hätte Zinggl den Wiedereinzug ins Parlament nicht geschafft. "Ich bin abgewählt worden. Das war ein Zeichen, dass ich nicht mehr dazugehöre. Ich werde aber weiter meine Grüne Kulturpolitik machen wie bisher." Den Vorwurf, seiner ehemaligen Partei mit dem Antreten als Liste massiv zu schaden, lässt er nicht gelten: "Wir sprechen viele Weiß- oder Nichtwähler an, für die die Grünen vorher nicht wählbar waren. Alle Umfragen glauben, dass der Einzug ins Parlament zu schaffen sein wird."

Seine langjährige parlamentarische Arbeit bilanziert der 62-Jährige positiv: "Wir haben bei allen wichtigen kulturpolitischen Gesetzesinitiativen wesentlich mitgearbeitet." Die größte Aufmerksamkeit hatte er aber bei der Kritik an der Gebarung von Museums- und Theaterdirektoren wie Wilfried Seipel, Peter Noever, Gerald Matt, Agnes Husslein oder Matthias Hartmann.

"Das ist oft zum Ping Pong Spiel mit dem Rechnungshof geworden." Dass er mit seinen Vorwürfen mitunter übers Ziel hinausgeschossen sei, glaubt er nicht: "Manche stolpern eben nicht unberechtigt über Kleinigkeiten. Aber es hat insgesamt viel bewirkt. Heute gibt es eine ganz andere Art von Verantwortlichkeit bei der Führung von solchen Institutionen, das merkt man an den Compliance-Regeln und nicht zuletzt an den Personen, die zuletzt berufen wurden."

Überhaupt hat Zinggl mit dem derzeitigen Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) die wenigsten Differenzen: "Er hat eine gescheite und unkomplizierte Art mit Problemen umzugehen und bemüht sich auch, Dinge zu verändern." Zinggl hat von Franz Morak (ÖVP) über Claudia Schmied bis Josef Ostermayer (beide SPÖ) mit den unterschiedlichsten Ministern und Staatssekretären zu tun gehabt. "Die Uneinsichtigste war mit Sicherheit Elisabeth Gehrer (ÖVP, Anm.). Das war reine Machtpolitik."

Sollte es mit dem Wiedereinzug ins Parlament klappen, hat neben dem Urhebervertragsrecht und der Ausweitung des freien Eintritts bei Museen der Kampf gegen eine von konservativer Seite propagierte Bewertung der Kultur nach vorwiegend touristischen und wirtschaftlichen Kriterien Priorität. "Wenn wir nicht mehr darauf hinweisen, wer macht es dann?", fragt Zinggl und warnt davor, die Kulturbranche als allgemeinen Vorreiter für prekäre Einkommensmodelle zu verwenden: "Die hippe Kultur wird mit ihrer Armee an enthusiasmierten, kostenlosen Arbeitern zum Role-Model für eine künftige Gesellschaft. Da passen wir viel zu wenig darauf auf."

(APA)

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