Quelle: ZAMG

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Filmlegende Jeanne Moreau 89-jährig gestorben

31.07.2017 - 15:12
Moreau war die Muse der Nouvelle Vague© APA (AFP)Moreau war die Muse der Nouvelle Vague

Die französische Leinwanddiva Jeanne Moreau ist im Alter von 89 Jahren in Paris gestorben. Die für ihre rauchige Stimme bekannte Französin hat in ihrer mehr als 50-jährigen Karriere rund 130 Filme gedreht und dabei mit Regisseuren wie Louis Malle, Francois Truffaut, Michelangelo Antonioni, Orson Welles, Rainer Werner Fassbinder und Francois Ozon gearbeitet.

"Ich habe vieles abgelehnt, ich habe keine Karriere gemacht, ich habe vor allem gelebt", sagte die am 28. Jänner 1928 in Paris geborene Ikone der Nouvelle vague 2008 anlässlich ihres 80. Geburtstags. Sie halte sich selbst für "faul und unentschlossen". "Mit einem Mal stelle ich fest, dass ich trotz dieser scheinbaren Lässigkeit viele Sachen gemacht habe."

Darunter finden sich etwa Werke wie "Fahrstuhl zum Schafott" von Louis Malle, mit dem sie 1958 ihren Durchbruch vor der Kamera schaffte. Nur fünf Jahre später erreichte Moreau mit ihrer Rolle als freiheitsliebende Frau in Truffauts Dreiecksgeschichte "Jules und Jim" internationalen Ruf. Als gelangweilte und frustrierte Gattin spielte die Tochter einer britischen Tänzerin und eines französischen Gastronomen an der Seite von Jean-Paul Belmondo unter Peter Brook in der Duras-Verfilmung "Stunden voller Zärtlichkeit" (1960) und als Partnerin von Marcello Mastroianni in "Die Nacht" (1961) von Michelangelo Antonioni.

Moreau gehörte zu den Stammgästen großer Filmfestivals, darunter Cannes und Berlin. Für ihr Lebenswerk erhielt die gebürtige Pariserin im Jahr 1998 den Oscar, 2000 auf der Berlinale den Goldenen Bären und in Cannes 2004 die Goldene Palme. Ob Liebende, Hure, Nonne, "Femme fatale" und Königin - Moreau hat so ziemlich alles gespielt. Ihre Wandlungsfähigkeit nannte Joseph Losey, einer ihrer vielen Regisseure, ein Wunder: "Sie ist eine Frau, die sich einer Unzahl von Hindernissen gegenüber sieht und sie überwindet, indem sie all ihre Fähigkeiten einsetzt." Orson Welles, für den sie für "Der Prozeß" (1962) vor der Kamera stand, bezeichnete sie einmal als "die beste Schauspielerin der Welt". Nebenbei war sie als Sängerin erfolgreich.

In ihrer späteren Karriere war Moreau auch bei deutschen Filmemacher gefragt. Rainer Werner Fassbinder holte sie als Puffmutter für "Querelle - Ein Pakt mit dem Teufel" vor die Kamera und Wim Wenders für "Bis ans Ende der Welt". Im Jahr 1976 gab sie mit dem Film "Lumiere" über die Lebensgeschichten von vier Freundinnen selbst ihr Regiedebüt.

Abseits der Leinwand sorgte Moreaus Liebesleben immer wieder für Schlagzeilen. Die Darstellerin, die mit den Regisseuren Jean-Louis Richard und William Friedkin ("French Connection") verheiratet war, hatte eine Reihe von Affären. "Ich habe meine Freiheit ausgelebt", verriet sie einmal mit ihrer tiefen und rauen Stimme, die auch vom Konsum zahlloser Zigaretten geprägt wurde. "Ich bin immer als Erste gegangen, ich mag es nicht, verlassen zu werden." Zu ihren Eroberungen gehörte nicht nur Louis Malle, sondern auch der homosexuelle Modedesigner Pierre Cardin und der österreichische Schriftsteller Peter Handke.

Als Schauspielerin blieb Moreau bis ins hohe Alter aktiv. Am Montag wurde sie tot in ihrer Pariser Wohnung gefunden. Sie soll im engsten Kreis beigesetzt werden.

(APA/ag.)

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