Quelle: ZAMG

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Adrian Villar Rojas zeigt schwere Kunst im Kunsthaus Bregenz

11.05.2017 - 14:12
Kunshaus Bregenz lässt sich nicht lumpen© APA (Keystone)Kunshaus Bregenz lässt sich nicht lumpen

Offenes Feuer und bemalte Wände: Mit seiner Schau lotet Adrian Villar Rojas die Grenzen im Kunsthaus Bregenz aus. Wie stets begnügt sich der 1980 geborene Argentinier dabei nicht mit Kleinigkeiten, seine Kunst ist riesengroß und tonnenschwer. Zu sehen ist "The Theater of Disappearance" von 13. Mai bis 27. August. Sie ist die bisher aufwendigste Ausstellung des Museums.

Das Kunsthaus Bregenz sei "unglaublich berühmt, für einige die Top-Institution in Europa", sagte Villar Rojas am Donnerstag bei der Presseführung zu seiner Ausstellung. Über die Jahre sei das Museum, das ursprünglich für das Ausloten seiner Grenzen bekannt wurde, ein wenig zu einer Ikone verkommen. "Ein Platz wie ein Tempel. Die Mitarbeiter wie Mönche, völlig besessen vom Ort", formulierte der Enddreißiger seine ersten Eindrücke des von Peter Zumthor geschaffenen Museumsbaus. Das wollte der argentinische Künstler, der sich selbst viel mehr als Konzeptkünstler denn als Bildhauer sieht, ändern. Mit seiner Schau kehrte er wieder zurück zu den Ursprüngen. "Ich sagte mir, lass uns bis an die Grenzen gehen", erzählte Villar Rojas.

Das scheint ihm gelungen zu sein. Offenes Feuer, noch dazu in der Länge von elf Metern wie im zweiten Stock seiner Ausstellung, gab es im KUB noch nie. Tonnenschwere Marmorplatten mit Einschlüssen von Fossilien aus Marokko und bemalte Wände auch nicht. Ganz allgemein ist Villar Rojas bekannt für seine riesigen Dimensionen und Kunst. In Bregenz erklärte der Künstler das mit folgenden Worten: "Je mehr du dich selbst in eine Institution (Ausstellungsort, Anm.) hinein begibst, in ihre psychologische und physische Struktur, desto größer werden die Dimensionen."

In "Theater of Disappearance" - den selben Namen tragen in diesem Jahr vier Schauen des Künstlers - geht es laut dem Künstler um menschliche Zeichen und Zeichnungen. "Alles ist bereits getan. Der einzige Platz, an den wir noch gehen müssen, ist das Ende", umriss Villar Rojas. "Was dann von uns bleiben wird", treibt den Künstler seit Jahren um. In Bregenz will er für den Betrachter jenen Blick erzeugen, den ein Außerirdischer auf unsere Reste werfen würde, jemand der völlig frei ist von Konditionierung, davon wie "die Dinge einzuordnen sind". Zuweilen ist das beängstigend und verwirrend, Emotionen, die der Argentinier begrüßt. "Ich weiß auch nicht, was sein wird. Ich teile mit euch meine eigene Verwirrung", stellte Villar Rojas fest.

Im ersten Stock ist das etwa ein verdunkelter Raum, der an einen Bunker oder eine Höhle erinnert. Über der Decke, die schwer über dem Raum hängt, schlingern 3.600 künstliche, 1,50 Meter lange Efeupflanzen. Der gesamte Boden ist mit polierten oder roh behauenen Marmorplatten ausgekleidet. Aus den graurötlichen Blöcken ragen 400 Millionen Jahre alte Ammoniten und Orthoceren, die Wände zieren Höhlenmalereien und Signaturen.

Selbst arbeitet Villar Rojas ebenfalls an seinem Verschwinden. "Ich stelle mir das wie mit Star Wars vor. Wenn man an die Filme denkt, denkt man auch nicht gleich an George Lucas", verglich der Künstler. Viele seiner Kunstwerke, wie den gestrandeten Wal, den er für die Bienal del Fin del Mundo 2009 in einem Wald in Patagonien erschuf, gibt er bewusst dem Verfall preis.

Entstanden ist die Schau im KUB, wie bei Villar Rojas üblich, direkt vor Ort mit heimischen Handwerkern. Agiert hat der Künstler, der das Theater liebt, dabei wie eine Art Regisseur. Acht seiner "Kollaborateure", wie er die Mitglieder seines Teams nennt, waren über Monate im Museum. "Am Ende war es perfekter als perfekt", sagte Kurator Rudolf Sagmeister, der nach eigenen Angaben manchmal an der Machbarkeit des Projekts zweifelte.

(APA)

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