Quelle: ZAMG

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Centre Pompidou erweist Peter Kubelka die Ehre

11.04.2017 - 13:30
Für den Künstler "schon ein großer Augenblick"© APAFür den Künstler "schon ein großer Augenblick"

Das Pariser Centre Pompidou erweist dem österreichischen Wegbereiter des strukturellen Films, Peter Kubelka, eine Hommage. Ab Mittwoch werden im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40-jährigen Jubiläum des Museums an fünf Tagen sämtliche Filme Kubelkas sowie die Installation "Monument Film" gezeigt. Für den 83-Jährigen ist dies "schon ein großer Augenblick", wie er dem "profil" sagte.

Zu Ehren kommt der Wiener Filmemacher, Kunsttheoretiker und Kochphilosoph nicht zuletzt deshalb, weil er Mitte der 70er-Jahre im Auftrag von Gründungsdirektor Pontus Hulten die Avantgardefilmsammlung des Hauses kuratierte. "Une histoire du cinema" nannte der Verfechter des Analogen die exemplarische Geschichte des avantgardistischen Kinos - nicht unähnlich jenem zyklischen Filmprogramm "Was ist Film", das er später für das von ihm mitbegründete Österreichische Filmmuseum konzipierte.

Den Auftakt in Paris macht eine Aufführung von "Monument Film", wie sie in Wien vor fünf Jahren bei der Viennale zu bestaunen war. Präsentiert wird dabei "Arnulf Rainer" (1960), Kubelkas radikale Partitur aus Licht und Dunkelheit, Ton und Stille, mit Projektoren im Kinosaal - gemeinsam mit "Antiphon" (2012), einer Art Remake des Werks in genau umgekehrtem Rhythmus: aus Hell wird Dunkel, aus Geräusch wird Schweigen. Die sechs Minuten und 24 Sekunden werden zuerst jeweils einzeln, dann als Doppelprojektion und schließlich, als Höhepunkt, übereinandergelegt aufgeführt. "Monument Film", sagte Kubelka 2012, stehe im Kontext der "feindlichen Übernahme" analoger Kinotechnologie durch digitale Medien und sei als "Aufruf zu beharrlichem Widerstand" zu verstehen.

Ein weiteres Mal sind die beiden Filme am Folgetag im Rahmen einer Retrospektive zu sehen. Neben "Mosaik im Vertrauen" (1955) über "Adebar" (1957), "Schwechater" (1958), Unsere Afrikareise" (1966), "Pause" (1977) und "Dichtung und Wahrheit" (1996/2003) umfasst das gesamte filmische Oeuvre Kubelkas dabei nicht mehr als knapp 70 Minuten. Weitaus länger ist das Filmporträt über den Avantgardemeister, das am Samstag auf dem Programm steht: Fast vier Stunden lang lässt die Filmemacherin Martina Kudlacek in "Fragments of Kubelka" den Künstler und sein Werk für sich sprechen. Zum Abschluss lädt Kubelka am Sonntagnachmittag zu einer von ihm kommentierten Begehung der Dauerausstellung.

(APA)

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