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Peinlicher Irrtum überschattet Oscar-Triumph von "Moonlight"

27.02.2017 - 14:59
Folgenschwerer Irrtum von Warren Beatty© APA (AFP)Folgenschwerer Irrtum von Warren Beatty

So etwas hat es bei den Oscars noch nie gegeben: Das Team des Musicals "La La Land" steht in Hollywood bereits jubelnd auf der Bühne und feiert seinen Oscar für den besten Film. Doch dann bricht der Jubel jäh ab - denn nicht "La La Land", sondern das afroamerikanische Homosexuellendrama "Moonlight" hat den wichtigsten Preis des Abends gewonnen.

Schuld an dem Durcheinander ist eine Riesenpanne mit verwechselten Umschlägen, in denen die Karten mit den Gewinnern stecken. Die Hollywood-Legenden Warren Beatty (79) und Faye Dunaway (76) hatten den falschen Umschlag in die Hände bekommen und verkündeten daher zunächst auch den falschen Gewinner. Damit wird diese Oscar-Gala nicht - wie erwartet - mit Kritik an US-Präsident Donald Trump in Erinnerung bleiben, sondern mit dem Chaos der letzten Showminuten.

Die für die Umschläge verantwortlichen Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers baten im Nachhinein zerknirscht um Entschuldigung: "Wir untersuchen derzeit, wie das passieren konnte, und bedauern zutiefst, dass das vorgefallen ist." Ein sichtlich geknickter Beatty sagte kurz nach dem Vorfall, er habe sich gewundert, dass auf dem Zettel "Emma Stone" und "La La Land" gestanden habe. Deswegen zögerte er auf der Bühne wohl auch einige Momente, einen Gewinner zu verkünden. Die neben ihm stehende Dunaway hingegen las dann einfach den Filmtitel ab: "La La Land". Die beiden hielten aber den Umschlag der vorausgegangenen Kategorie in den Händen, bei der Emma Stone als beste Hauptdarstellerin gewonnen hatte.

Die Aufregung nach gut dreieinhalb Stunden Show verhinderte zunächst auch, dass der eigentliche Gewinner des Abends gebührend gefeiert wurde: Schließlich ist es durchaus eine kleine Sensation, dass der mit einem Minibudget gedrehte "Moonlight" am Ende in der Königskategorie über "La La Land" triumphierte. Das Musical war immerhin mit 14 Nominierungen als großer Favorit ins Rennen gegangen und wurde auch mit sechs Oscars ausgezeichnet - darunter Filmemacher Damien Chazelle für die beste Regie.

Während "La La Land" aber ein charmantes, nostalgisches Werk mit einem gewissen Hang zur Realitätsflucht ist, kommt "Moonlight" (österreichischer Kinostart am 10. März) deutlich realistischer und sozialkritischer daher. Das Werk des schwarzen Regisseurs Barry Jenkins, bereits mit dem Golden Globe für das beste Filmdrama ausgezeichnet, erzählt vom Heranwachsen eines jungen schwulen Schwarzen in prekären Verhältnissen in Miami. Basierend auf wahren Erlebnissen spiegelt das Drama die sozialen Missstände in benachteiligten Vierteln von US-Städten - und ist gleichzeitig ein Meilenstein für das schwarze Kino, erzählt es doch wunderbar einfühlsam und berührend von seinem schwarzen Helden am Rande der Gesellschaft.

Die Oscars waren in diesem Jahr damit so schwarz wie selten zuvor: Auch die Preise für die besten Nebendarsteller gingen an Afroamerikaner (Viola Davis für "Fences" und Mahershala Ali für "Moonlight"), ebenso die Trophäe für das beste adaptierte Drehbuch ("Moonlight"). Das ist ein wichtiges Signal aus Hollywood. Gerade auch, weil die Oscars im vergangenen Jahr so heftig kritisiert worden waren, nachdem in den vier begehrten Schauspielerkategorien keine Schwarzen nominiert worden waren.

Möglicherweise können die Preise dieses Jahres nun auch als Zeichen in Richtung Washington gewertet werden. Immerhin war es die erste Oscar-Show in der Ära Trump. Der große Schlag gegen dessen Politik blieb in dieser Nacht aber aus. Anders als bei den Golden Globes, wo Schauspielerin Meryl Streep im Jänner klare Worte gegen Trump gefunden hatte, gab es bei den Oscars nur Hiebe und Spitzen gegen den Präsidenten - die hatten es teilweise jedoch durchaus in sich. Moderator Jimmy Kimmel etwa witzelte, die Oscars hätten keine Toleranz für "fake news", nur für "fake tans", also künstliche Bräune. Außerdem bedankte er sich bei Trump: "Erinnert ihr euch noch an letztes Jahr, als alle meinten, die Oscars seien rassistisch?". Zwischen den Zeilen meinte er wohl: Gegen Trump waren selbst die vorigen Oscars harmlos.

Politisch wurde es auch bei der Verleihung des Auslandsoscars. Der Iraner Asghar Farhadi, der aus Protest gegen Trumps Einreisestopp nicht nach Hollywood gekommen war, gewann mit seinem Drama "The Salesman" den Preis und stach damit den deutschen Beitrag, die deutsch-österreichische Koproduktion "Toni Erdmann" von Maren Ade aus. Farhadi, der 2012 für "Nader und Simin" bereits einen Oscar gewonnen hatte, ließ eine Erklärung verlesen. Darin hieß es: "Wer die Welt in Kategorien von "Wir" und "unsere Feinde" einteilt, schafft Angst." Filmemacher könnten Stereotype über verschiedene Nationalitäten und Religionen aufbrechen. "Sie erzeugen Empathie zwischen uns und anderen. Eine Empathie, die wir heute mehr brauchen denn je."

Den Oscar-Veranstaltern verlief an diesem Abend übrigens noch eine zweite heftige Panne: Im Gedenkvideo an die im vergangenen Jahr gestorbenen Menschen aus dem Filmbusiness haben die Produzenten US-Medienberichten zufolge ein Foto einer lebenden Frau verwendet.

Gedacht werden sollte der australischen Kostümdesignerin Janet Patterson, die viermal für einen Oscar nominiert und im vergangenen Oktober gestorben war. Das Bild neben ihrem Namen zeigte aber die Produzentin Jan Chapman, die häufig mit Patterson zusammengearbeitet hat - und lebt. Die Vertauschung des Fotos habe sie "erschüttert", sagte Chapman dem Branchenmagazin "Variety". "Ich lebe und mir geht es gut und ich bin immer noch aktive Produzentin."

(APA)

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