Quelle: ZAMG

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Haders "Wilde Maus" am Start bei Berlinale

11.02.2017 - 17:28
Haders "Wilde Maus" geht im Berlinale-Rennen an den Start© APA (dpa)Haders "Wilde Maus" geht im Berlinale-Rennen an den Start

Am dritten Festivaltag sind zwei gänzlich unterschiedliche Filme im Berlinale-Rennen an den Start gegangen: Josef Haders österreichische Rache-Komödie "Wilde Maus" und das im Kongo spielende Emanzipationsdrama "Félicité" von Alain Gomis. Außer Konkurrenz begeisterte Hollywoodstar Geoffrey Rush bereits in einer ersten Pressevorstellung am Samstag als Künstler Alberto Giacometti.

Rush spielt in Stanley Tuccis ungewöhnlichem Biopic "Final Portrait" den Schweizer Bildhauer Giacometti. In Paris im Jahr 1964 will der Künstler ein Portrait des amerikanischen Kunstkritikers James Lord, gespielt von Armie Hammer, malen - was nicht ohne Hindernisse abläuft und viel über die Arbeitsweise und das Leben Gioacomettis erzählt. Tuccis Drehbuch basiert auf Lords Biografie "A Giacometti Portrait".

Der US-amerikanische Regisseur und Schauspieler Tucci ("Der Teufel trägt Prada", "Die Tribute von Panem") äußerte sich wie bereits vor ihm sein Kollege Richard Gere kritisch über die derzeitige politische Situation in den USA. Tucci sorgt sich um die Kunstförderung in den USA unter Präsident Donald Trump. "Ich glaube, der Präsident kann auf keine Weise beeinflusst werden", sagte Tucci.

Er selbst habe sich bereits früher für die Kunstförderung eingesetzt. "Das war schon immer ein schwerer Kampf." Nun könne er sich nicht vorstellen, dass das einfacher werde. Die derzeitige Regierung sehe Kunst nicht als wichtigen Teil der Bildung. "Die sehen vielleicht noch nicht einmal Bildung als wichtig an."

Der französische Regisseur Alain Gomis ging mit seinem in Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo, spielenden Spielfilm "Félicité" auf Bären-Jagd. Die Milieustudie erzählt die fesselnde Geschichte einer Frau am Rande der Gesellschaft: Félicité (Véro Tshanda Beya Mputo) muss aus Not Freunde und Fremde um Geld bitten. Dabei wird klar, dass Nächstenliebe für viele nichts ist als eine hohle Phrase. Doch die Barsängerin gibt nicht auf.

Regisseur Alain Gomis (45) konnte vor fünf Jahren auf der Berlinale einen großen Kritikererfolg mit "Aujourd'hui" verbuchen. Anlässlich der mit viel Beifall bedachten Berlinale-Präsentation seines neuen Films sagte er am Samstag in Berlin: "Mir geht es darum, zu zeigen, dass Menschen in jeder Lebenslage um ihre Würde kämpfen können - und wie gut das ist. In diesem Sinne ist dies für mich ein optimistischer, lebensbejahender Film." Und er ergänzte: "Optimismus brauchen wir in unserer Welt dringend."

Als zweiter Wettbewerbsfilm stand das Regiedebüt des österreichischen Kabarettisten und Schauspielers Josef Hader auf dem Programm. In der Gesellschaftssatire erzählt Hader, der auch das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle selbst spielt, von einem aus dem Job geworfenen Musikkritiker einer Wiener Zeitung. Der Geschasste plant einen Rachefeldzug gegen seinen Chef - dabei hat er mit seiner jungen Frau, die unbedingt ein Kind bekommen will, schon genügend Probleme.

Jede Menge Stoff für Verwicklungen in der Tragikomödie, in der auch die Achterbahn mit dem Namen Wilde Maus eine große Rolle spielt. "Ich wollte etwas über Arbeitslosigkeit und auch ein bisschen über den Beginn von Terrorismus erzählen, aber eine Satire und kein Sozialdrama machen. Da landet man natürlich eher im Mittelstand als in der Arbeiterschicht", erläuterte Hader seine Ambitionen im Interview mit der APA.

(APA/dpa)

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