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Interviews

Alain Delon feiert 75. Geburtstag

08.11.2010 - 09:38
Vater und Tochter: Alain und Anouchka Delon© APA (dpa)Vater und Tochter: Alain und Anouchka Delon

Die strengen Züge um den Mund sind verschwunden, auch sein stechend stahlblauer Blick ist mit den Jahren sanfter geworden. Das Alter hat Alain Delon nicht unattraktiver gemacht. Noch immer finden ihn Frauen umwerfend und charmant.

Doch hat die Fassade des unnahbaren, kühlen und fast schon maskenhaften Beau und Schauspielers Risse bekommen. Delon, der heute 75 Jahre alt wird, scheint nicht mehr das Abbild seiner einzelgängerischen, coolen Filmlegende: "Der eiskalte Engel", der mit Frauenaffären für Schlagzeilen sorgte, hat im Alter ein menschlicheres Antlitz bekommen.

Delon pflegte auf der Leinwand lange Zeit das Image des unverfrorenen Mörders und Schönlings, der jeden verführt und niemanden liebt: als Gangster in "Lautlos wie die Nacht" (1963), als Boxer in "Rocco und seine Brüder" (1960), als eiskalter Verführer in "Clan der Sizilianer" (1969) und als gewissenloser Mörder in "Nur die Sonne war Zeuge" (1960).

Der Schauspieler, der vor einigen Jahren die Schweizer Staatsbürgerschaft annahm, hat aber vor allem mit "Der eiskalte Engel" (1967) unter der Regie von Jean-Pierre Melville den Grundstein für sein Image gelegt. Mit "Der Swimmingpool" (1969) und "Der Panther" (1985) gab er dem Bild den letzten Schliff.

Als 1968 Delons Leibwächter erschlagen aufgefunden wurde, schien das zwielichtige Image des Schauspielers sich perfekt in die Wirklichkeit einzufügen. Denn bei den Untersuchungen kamen Beweise über langjährige Beziehungen zur Unterwelt zum Vorschein. Auch der Drogen- und Sexskandal, in den seine damalige Frau Nathalie verwickelt war, passte ins Bild.

Aber vielleicht war der "eiskalte Engel" auch nur ein gelungenes zurechtgelegtes Konstrukt. Der Schauspieler, der auch fünf Jahre lang mit Romy Schneider verlobt war, sagte selbst einmal: "Man hat mich schon immer marginalisiert und in mir einen anderen gesehen als den, der ich in Wirklichkeit bin." In seinen jüngsten Interviews outete er sich als gefühlsvoller Skeptiker und Zweifler, stellte sich sogar als selbstmordgefährdet und depressiv dar.

"Das Einzige, was mich ans Leben bindet, sind meine Kinder", erklärte er Anfang 2009. Und wenn man ihn über seine Frauen reden hört, ist man versucht zu glauben, dass er selbst nie ein eiskalter Verführer war: "Ich wurde geliebt wie nur wenige Männer. Die Freundschaft hielt jedoch länger als die Liebe." Er gestand, dass es nicht einfach sei, mit ihm zu leben.

Tatsächlich ist Delon mit den Jahren berührbarer, aber auch verletzlicher geworden. Als er auf dem Höhepunkt seiner Karriere war, grenzte sein Selbstbewusstsein mit Sätzen wie "Ich liebe meine Mentalität, meinen Charakter, meine Offenheit, meinen Sinn für Freundschaft und Respekt" an unerträgliche Arroganz und Egozentrik. In den 90er Jahren, als seine Erfolgssträhne abbrach und er Herzprobleme bekam, gestand er: "Ich leide dort, wo ich schon immer am empfindlichsten war: in meinem Herzen."

In den letzten Jahren widmete sich der Schauspieler zunehmend dem Theater und seiner Familie. Anfang nächsten Jahres wird Delon zusammen mit seiner 19-jährigen Tochter Anouchka in Paris in "Une journée ordinaire" (etwa: Ein gewöhnlicher Tag) auf der Bühne stehen. "Früher habe ich nur für meine Karriere gelebt. Ich habe fast nur an mich gedacht", gab er zu. Heute habe er seine Prioritäten geändert.

Doch so ganz selbstlos scheint diese Entscheidung nicht zu, denn in einem Interview erklärte er: "Man wird mich weder alt, hässlich noch unbeweglich sehen. Die größte Angst, die ich habe, ist die, dass jemand eines Tages sagen könnte: "Oh là là! Hast Du gesehen, was aus ihm geworden ist!"

(APA/dpa)

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