Ohne Ausweis geht bei den Oscars nichts. Auch für Hollywoods Superstar George Clooney nicht. Der 50-Jährige kam einmal ohne seinen Ausweis zu der Preisverleihung - an der Sicherheitskontrolle ging es für ihn zunächst nicht weiter. Das jedenfalls erzählt Julia Smith, die mit vielen Insidergeschichten durch das Kodak Theatre führt, in dem seit 2002 jedes Jahr die Oscarverleihungen stattfinden.
Doch ab heuer wird es ein bisschen anders sein, denn das Theater wird nicht mehr seinen berühmten Namen tragen. Aufgrund der Insolvenz des Kamera- und Filmherstellers Eastman Kodak und des damit verbundenen Verlustes des Werbevertrags wird das Gebäude zur 84. Verleihung des Oscars am Sonntag nunmehr Hollywood & Highland Center heißen. Bei der Führung hinter die Kulissen des bekannten Gebäudes am Hollywood Boulevard berichtet Smith aber nicht nur, dass man beim Einlass die Einladung und einen Ausweis braucht. Sie erklärt auch den Grund: Schließlich komme es immer wieder vor, dass sich Menschen, die Stars ähnlich sehen, reinmogeln wollten. Daher sei bei den Tausenden Gästen am Abend der Oscarverleihung ein strenger Sicherheitscheck vor Beginn des roten Teppichs notwendig: "Wer seinen Ausweis einmal vergisst, vergisst ihn nie wieder."
Hat es ein Promi auf den roten Teppich geschafft, braucht er oder sie laut Smith im Schnitt etwa eine halbe Stunde, um bei all den Fernsehkameras zu halten und kurze Interviews zu geben. Dann geht es an der großen Oscarstatue vor dem Gebäude vorbei und auf Treppen hoch zum ersten Stock zu großen Flügeltüren. "Dort endet der rote Teppich, die Tickets werden gescannt und die Gäste bekommen ein Programm für den Abend ausgehändigt", erzählt Smith.
Private Kameras seien im Theater nicht erlaubt, auch für die Nominierten nicht. "Die müssen sie an der Garderobe abgeben." Dann geht es weiter über den braun-beigen, dicken Teppich - entweder nach oben zu den Rängen oder ein Stockwerk runter zum Erdgeschoß. Das ist allerdings nur für die Wichtigsten der Wichtigen, die Super-VIPs. "Dafür gibt es am Beginn der Treppe noch mal einen Check", sagt Smith. "So wollen wir sicherstellen, dass nicht jeder Gast zum Beispiel mit Steven Spielberg plaudern kann."
Die Treppen hinunter in den VIP-Bereich sind extra für die Oscarverleihung designt worden: Sie sind besonders breit und flach - damit auch die Damen in ihren engen Kleidern und mit hohen Absätzen ohne Stolpern über sie hinweg stolzieren können. Für die Super-VIPs gibt es dort unten auch noch eine extra Bar, die George Eastman Bar, benannt nach dem Unternehmer, der einst die Firma Kodak gründete, die sich nun aus dem Sponsor-Vertrag mit dem Theater-Betreiber zurückgezogen hat. Teilweise versteckt hinter Milchglas können die Filmpromis dort an ihren Cocktails und Aperitifs nippen.
Überhaupt spielen die Bars in dem Theater eine wichtige Rolle: "Wir machen sie schon früh auf und schenken umsonst Champagner aus", erzählt Smith. Die clevere Idee dahinter: Haben die Bars geöffnet, kommen die Gäste schneller ins Theater und halten sich nicht allzu lange auf dem roten Teppich auf. Doch das geht nicht den ganzen Abend so. "15 Minuten bevor die Show startet, muss man für die Drinks bezahlen", erzählt Smith. Klar, dann sollen die Gäste endlich auf ihre Plätze gehen.
Mehr als 3.300 Sitze gibt es im Saal, verteilt auf das Parkett und die Balkone. Sehr bequem sind viele der rötlichen Sitze nicht, stattdessen sind zum Beispiel die langen Reihen in den Rängen mit fest verankerten Klappstühlen bestückt. "Die Nominierten sitzen meist im Parkett nahe des Ganges", sagt Smith. Wenn sie gewinnen, sollen sie schließlich schnell auf der Bühne sein.
Nach der Verleihung ist auch nicht sofort Schluss. "Es gibt zahlreiche Partys", erklärt Smith - darunter die offizielle Oscarparty, der "Governors Ball" im oberen Stock des Theaters. Neun Monate lang werde der Event geplant, zwei Wochen lang der Saal hergerichtet, erzählt Tourguide Smith. 1.500 Gäste werden eingeladen, auch alle Nominierten. Das ist nicht gerade billig: "Eine Show kostet etwa 30 Millionen Dollar" (etwa 22,6 Millionen Euro), verrät Smith. "Und der Governors Ball kostet sogar noch mehr - wie viel genau, das sagen die Organisatoren allerdings nicht."
(APA/dpa)

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