Max von Sydow, 82, sucht auch nach Jahrzehnten als Schauspieler noch immer neue Herausforderungen. "Für mich als Schauspieler ist es immer toll etwas zu machen, das ich vorher noch nie gemacht habe", sagte der Schwede in einem Interview mit der dpa und anderen Medien auf der Berlinale.
Bei dem Filmfestival stellte von Sydow ("Das siebente Siegel", "Die zehn Gebote") sein aktuelles Werk "Extrem laut und unglaublich nah" vor, in dem er einen älteren Mann spielt, der kein Wort spricht. "Das habe ich vorher noch nie gemacht", sagte er. Der Film von Regisseur Stephen Daldry erzählt aus der Sicht eines Jungen von den Folgen der Attentate auf das World Trade Center am 11. September 2001. Neben von Sydow wirken Tom Hanks und Sandra Bullock mit.
Dass er in diesem Film nicht spreche, sei allerdings keine große Schwierigkeit gewesen, so von Sydow, der seit vielen Jahren in Frankreich lebt. "Ich spreche zwar nicht verbal, aber ich kommuniziere mithilfe von Zetteln, die ich schreibe - die Stimme allein ist nicht so wichtig." Es gebe keinen entscheidenden Unterschied zwischen einem Charakter, der verbal nicht spreche und einem, der spreche - "sie sind alle Menschen".
Außerdem lerne er noch immer neue Tricks und Kniffe. "Das ist das Tolle am Schauspielern: Mit jeder neuen Rolle lernst du etwas Neues, selbst wenn sie zunächst einer früheren Rolle sehr ähnelt." Schließlich sei jeder Mensch anders, jeder habe einen anderen Charakter. "Und genau den musst du als Schauspieler erkennen."
Bei seiner Arbeit habe ihn vor allem der schwedische Regisseur Ingmar Bergman geprägt. Die Zusammenarbeit "war die wichtigste Sache, die mir in meiner Karriere passiert ist", meinte von Sydow. "Ich war jung und musste viel lernen - das war also auch eine großartige Lernphase. Bergman war eine sehr inspirierende Persönlichkeit mit sehr viel Enthusiasmus." Allerdings sehe er sich selber noch immer als Theater- und nicht als Filmschauspieler. "Ursprünglich hatte ich Theaterschauspieler werden wollen, von Filmen hatte ich damals nicht so viel Ahnung." Dabei hätten ihn ein Theater in der Nähe seines Elternhauses sowie Theateraufführungen an der Schule sehr beeinflusst.
In seiner Karriere hat er zwar schon viele Auszeichnungen bekommen, ein Oscar ist allerdings noch nicht darunter. Ende des Monats könnte es klappen - von Sydow ist für seinen Part in "Extrem laut und unglaublich nah" als bester Nebendarsteller nominiert. "Das ist sehr aufregend", gestand der 82-Jährige. "Ich finde das sehr bewegend, denn wer nominiert dich? Das sind meine Kollegen, meine Konkurrenten." Wenn die also zufrieden mit seiner Leistung seien, dann sei das "wunderbar".
(APA/dpa)

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