Quelle: ZAMG

Interviews

Nicholas Ofczarek über Horrorfilm "Sennentuntschi"

04.07.2011 - 10:05
Ofczarek arbeitet jetzt vermehrt im Filmbereich© APAOfczarek arbeitet jetzt vermehrt im Filmbereich

Der Burgschauspieler Nicholas Ofczarek ist auch nach Ende der Theatersaison ein Vielarbeiter. Das liegt daran, dass der 40-jährige zweifache "Nestroy"-Preisträger einen Film nach dem anderen dreht. Mit "Sennentuntschi" (Österreich-Premiere am Donnerstag im Wiener Künstlerhauskino) und "Am Ende des Tages" (Start: 26.8.) kommen im Sommer gleich zwei Filme mit ihm ins Kino.

Nach Dreharbeiten zur ORF-Serie "Braunschlag" wird es für den von Claus Peymann an die Burg geholten Wiener nur eine kurze Erholungspause geben, ehe er zum zweiten Mal als "Jedermann" die prominenteste Rolle der Salzburger Festspiele übernimmt. Domplatz-Vorstellungen mit bis zu 55 Grad seien "das Anstrengendste, was ich in meinem Leben gemacht habe", verriet er im APA-Interview.

APA: Herr Ofczarek, Sie drehen derzeit im Waldviertel die ORF-Fernsehserie "Braunschlag", in den nächsten Wochen kommen gleich zwei Filme mit Ihnen in die Kinos. Es scheint, Sie sind so intensiv wie noch nie mit Dreharbeiten beschäftigt?

Nicholas Ofczarek: Es hat sich - möglicherweise auch durch den "Jedermann" - tatsächlich intensiviert. Vielleicht auch, weil sich die Fernsehsender dadurch eine bessere Quote erhoffen. Aber ich mache jetzt schon 20 Jahre Theater, da war es schon ein Langzeitziel, einmal mehr zu drehen. Das ist eine Frage von Zeit haben und sich dafür Zeit nehmen. Ich will das Theater überhaupt nicht missen, aber ich möchte künftig nicht mehr drei oder vier neue Produktionen im Jahr machen, sondern nur eine oder zwei, um Zeit zu haben, dieses sehr interessante, sehr andere Medium für mich zu entdecken.

APA: Als erstes läuft am Freitag "Sennentuntschi" von Michael Steiner an.

Ofczarek: Diesen Film habe ich schon vor drei Jahren gemacht. Das war ein Riesen-Politikum in der Schweiz, weil die Filmfirma eingegangen ist. Es war letztlich für den Film eine Riesen-Werbung innerhalb der Schweiz, weil sich die Debatte, ob er überhaupt rauskommen kann, über zwei Jahre hingezogen hat. Er hat dann 100.000 Zuschauer gehabt, was für die Schweiz eine Sensation ist. Er wurde auf Schwyzerdütsch gedreht und kommt hier in einer synchronisierten Fassung raus - mit Schweizer Anklang in der Sprache.

APA: Wie haben Sie das im Original gespielt?

Ofczarek: Ich bin in der Schweiz aufgewachsen und habe dort acht Jahre lang gelebt. Allerdings ist Dialekt ja nicht gleich Dialekt. Ich kann einen ganz bestimmten Schweizer Dialekt, und der Regisseur hat gesagt: "Du sprichst diesen Dialekt im 70er-Jahre-Stil. Das wäre ideal, denn der Film spielt in den 70er Jahren. Nur: Wir brauchen einen anderen Dialekt." Das war ein Unterschied wie zwischen Wienerisch und Kärntnerisch. Aber für den Film habe ich diesen neuen Dialekt gelernt.

APA: Ende August startet "Am Ende des Tages" von Peter Payer. Was ist das für ein Film?

Ofczarek: Ein Thriller. Ein Roadmovie. Drei Schauspieler, zwei Autos, sonst nichts. Spielt über einen Tag nur auf einer Fahrt von Wien nach Tirol. Es geht um einen österreichischen Politiker, der ziemlich viel Dreck am Stecken hat. Den spielt Simon Schwarz. Ich bin ein ehemaliger Jugendfreund dieses Politikers, der es "am Ende des Tages" ans Licht bringen will, was da alles im Argen liegt. Die haben beide ein dunkles Geheimnis miteinander. Der eine hat es in die Bundespolitik geschafft, der andere ist komplett daran zerbrochen, ist Alkoholiker geworden und in der Psychiatrie gelandet. Ich bin sehr gespannt auf den fertigen Film.

APA: Sie haben auch schon die nächsten Filme abgedreht.

Ofczarek: Im Herbst oder im nächsten Frühjahr kommt ein vom ORF koproduzierter Kinofilm von Marcus H. Rosenmüller. Er heißt im Arbeitstitel "Der Sommer der Gaukler" und ist ein historischer Film, bei dem sich alles um Emmanuel Schikaneder dreht. Ich spiele aber nicht Schikaneder, sondern den Antagonisten. Und dann hab ich gerade einen deutschen Kinofilm gedreht mit Florian David Fitz, "Jesus loves me" mit Jessica Schwarz, Henry Hübchen, Hannelore Elsner und ihm selber. Der kommt nächstes Jahr raus.

APA: Wie schwierig ist es, für diese vielen Dreharbeiten frei zu bekommen?

Ofczarek: Das haftet dir tatsächlich als Burgschauspieler an: Der hat ja keine Zeit! Dabei hat sich das in den letzten zehn Jahren sehr verändert. Schon Direktor Bachler hat vieles ermöglicht. Die Theaterintendanten haben begriffen, dass das ja auch eine Werbung fürs Theater ist. Natürlich hat das Burgtheater Priorität, und ich muss meinen Vertrag erfüllen. Ich habe alles gedreht, während ich nicht in Proben war. Ich musste das also letztendlich nur mit den Vorstellungen koordinieren.

APA: "Inglourious Basterds"-Probeaufnahmen mussten Sie absagen, weil sich das doch nicht koordinieren ließ.

Ofczarek: Das wäre nicht gegangen. Es musste klar sein, wenn man zum Casten überhaupt hinfährt, dass man dann über einen Zeitraum von drei Monaten täglich zur Verfügung stehen muss. Ich habe damals aber "Sennentuntschi" gedreht und Vorstellungen gespielt.

APA: Beißt man sich nachher in den Hintern?

Ofczarek: Ach, das ist so, wie es ist. Es hat keinen Sinn, sich darüber weiter Gedanken zu machen.

Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA.

(APA)

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