Quelle: ZAMG

Interviews

Regisseur und Filmemacher Hannes Rossacher wird 60

16.10.2012 - 16:35
Brachte mit "DoRo" das Musikvideo nach Österreich© APA (Georg Hochmuth)Brachte mit "DoRo" das Musikvideo nach Österreich

Er tourte mit den Rolling Stones, aß bei Freddie Mercury zu Abend und drehte an einem sonnigen Wochenende mit Bruce Springsteen in Berlin, dabei stand er selbst nie im Rampenlicht, sondern hinter der Kamera: Der Regisseur und Filmemacher Hannes Rossacher wird am 16. Oktober 60.

Zusammen mit seinem Partner Rudi Dolezal begann er seine Karriere mit "Ohne Maulkorb" beim ORF, schnell folgten mit "DoRo" Musikvideoproduktionen für österreichische und internationale Künstler. Mitte der 1990er-Jahre begann Rossacher auch für Theater- und Klassikproduktionen zu arbeiten, seit einigen Jahren hat er seine Leidenschaft für den Dokumentarfilm entdeckt. "Als Kreativer hat man das Geschenk, dass Kreativität nicht mit einem Pensionsalter verbunden ist - wir haben kein Ablaufdatum", erklärt Rossacher im Interview mit der APA. Seinen Geburtstag feiert er - wenn auch nicht ausgiebig.

Rossacher sitzt in seiner Wohnung in Wien-Währing, hinter ihm lächelt Audrey Hepburn von einem Breakfast at Tiffany's-Plakat. Die Wände sind übersät mit Devotionalien seiner Arbeit: Goldene Platten, Fotos mit Musikern, Auszeichnungen hängen neben Falco, Freddie Mercury und Whitney Houston. Die Plattensammlung ist alphabetisch geordnet, Rossacher hat sie mühsam auf 1.500 Stück reduziert, früher waren es etwa 20.000. Musik hat Rossacher geprägt, der 1952 in Steyr geboren wurde. "Meine eigene popkulturelle Sozialisierung hat in den 60er-Jahren stattgefunden. Meine Alltime-Heroes sind die Rolling Stones, Bob Dylan und Bruce Springsteen." Seine Schulzeit verbrachte der Oberösterreicher in einem Salzburger Internat, das vor allem als Experimentierstätte für erste Schwarz-Weiß-Fotografien diente.

Nach der Matura ging er nach Wien, bewarb sich an der Filmakademie und wurde angenommen. "Erst dort habe ich gesehen, dass man auch Regie studieren kann. Das hat mich dann ein bisschen mehr interessiert", erzählt Rossacher. Zu dieser Zeit kamen auch die ersten Musikvideos auf, im Zuge der ersten Programmreform suchte der ORF Jugendredakteure - Rossacher nutzte die Gelegenheit, wenig später war er mit Rudi Dolezal für "Ohne Maulkorb" unterwegs und interviewte etwa Leonard Cohen, wenn er im Konzerthaus auftrat.

Zunehmend wurden auch österreichische Musiker auf das Phänomen Musikvideo aufmerksam: Auf Videos von Wolfgang Ambros, die das Duo "DoRo" produzierte, folgten bald auch internationale Musiker. "Am Anfang haben wir das noch mit sehr viel Chuzpe gemacht und einfach behauptet: Wir können das." Der Erfolg habe jedoch schnell recht gegeben. "Für mich war die zweiwöchige Tour mit den Rolling Stones der Höhepunkt", erzählt Rossacher. Da hat man einen All Access-Pass und sitzt im selben Flieger. Für diesen Zeitraum ist man ganz nah dran." Allerdings dürfe man das auch nicht überbewerten, zu einem "Kumpel" werde man dabei nicht. "Am Ende des Tages bin ich ein kreativer Dienstleister."

Für seine Longform-Videos war Rossacher zweimal auch für die Grammys nominiert - das erste Mal für eine Zusammenarbeit mit Miles Davis. "Wir waren die erste Kategorie, es gab Stau am Eingang. Nach fünf Minuten war klar, dass wir verloren haben - und dass, bevor wir überhaupt unsere Sitzplätze gefunden hatten", erinnert sich Rossacher. Ende der 90er orientierte sich der Regisseur um: Anstelle der Popmusik traten zunehmend Klassik- und Theateraufführungen. "Ich finde es durchaus altersadäquat, dass ich nicht mehr irgendwelchen Popacts aus den Singlecharts nachhechle", so Rossacher. "Und das Theater von heute ist ja eine wahnsinnig spannende Fläche, da wird wesentlich mehr verhandelt als in der Popmusik."

Es folgten etwa die Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen, einmal die Übertragung des klassischen "Jedermann" und einmal in einer "Remixed"-Version, die eine Tour durch mehrere Jahrzehnte "Jedermann" liefert, außerdem Produktionen mit der Schaubühne Berlin, David Garrett oder Lang Lang. Auch 2012 wird Rossacher unter anderem wieder das Silvesterkonzert des ZDF verantworten. "Damals hat man mich gefragt: Kannst du in diese ein bisschen eingeschlafene Abbildung aus der Distanz mit deiner Musikvideoästhetik reingehen?", erzählt der Regisseur. Das sei das Erfolgsrezept.

In den letzten Jahren hat der gebürtige Steyrer eine weitere Leidenschaft entdeckt: den Dokumentarfilm. "Mit der Kamera auf die Realität draufzuhalten, gefällt mir", erklärt Rossacher. In den letzten Jahren hat er unter anderem die Doku "On Jack's Road", einen Tourfilm über Udo Lindenberg und die Michael Jackson-Dokumentation "Eine Karriere zwischen Schwarz und Weiss" umgesetzt. Zwischendurch führt Rossacher auch Bühnenregie, etwa für das Musical "My Fair Lady" in Steyr - "Es ist das Lieblingsmusical meiner Mutter, ich bin sowieso viel zu selten dort. Zwei Fliegen mit einer Klappe", schmunzelt der Regisseur.

Immer wieder wurde Rossacher für seine Arbeit auch ausgezeichnet, in seiner Wohnung finden sich etwa zwei "Goldene Rosen von Montreux", drei "Echo"-Awards, zwei "Romy"-Statuen, ein "Bronzener Löwe", ein MTV-Award und ein "Amadeus"-Award sowie das goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich. Der Regisseur erhielt außerdem den Staatspreis für Film und den Hauptpreis des New York Film Festival. Den Rest der Wohnungsdekoration machen die umfangreiche Film- und Plattensammlung sowie afrikanische Kunst aus. In einer Ecke lehnt ein Gitarrenkoffer. "Ich habe aber nie öffentlichkeitstauglich gespielt", versichert Rossacher. Zu seinem Geburtstag wünscht sich der Regisseur nur, weiter wie bisher arbeiten zu können. Als Vorbilder für langes, kreatives Schaffen nennt er Mick Jagger und Clint Eastwood. "Das Ziel ist es, in den Stiefeln am Straßenrand zu sterben", lacht er.

(APA)

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