Quelle: ZAMG

Interviews

Unterhaltungskünstler Alfred Biolek wird 78 Jahre

10.07.2012 - 09:31
Alfred Biolek ist im Alter ruhiger geworden© APA (dpa)Alfred Biolek ist im Alter ruhiger geworden

Was macht eigentlich Alfred Biolek? Das Gleiche wie früher: Kochen und talken. Nur sind keine Kameras mehr dabei. "Tagsüber bin ich sehr viel allein, aber abends, da will ich nicht allein sein, da treffe ich mich mit Freunden, lade sie ein, koche für sie", erzählt er der Deutschen Presse-Agentur dpa. Am 10. Juli feiert er seinen 78. Geburtstag.

Auf den früher geliebten Rotwein verzichtet er mittlwerweile ganz. Er begründete seine Entscheidung mit einem schweren Sturz. Nach einem Essen bei Freunden "wollte ich schön ruhig die Treppe herunter gehen, stattdessen bin ich die Treppe herunter gefallen", berichtete Biolek in der ARD-Talkshow "Beckmann". "Ich war zwei Tage bewusstlos in einer Klinik." Der Weinliebhaber änderte nach der Genesung sein Leben. "Ich trinke seitdem keinen Wein und keinen Alkohol." Er zog sich seitdem aus der Öffentlichkeit zurück, vermisst aber seine legendären Partys nicht: "Ich kann jetzt gut darauf verzichten und habe ein neues anderes Leben. Ich denke immer mit Freuden daran, was ich alles gemacht habe. Das war wunderbar, aber ich brauche es jetzt nicht mehr."

Fernsehen schaut er praktisch gar nicht mehr, denn nachmittags kommt nichts, was ihn interessiert, und abends hat er keine Zeit. Wenn er nicht gerade Gäste hat, sitzt er mit Freunden in der Oper, im Theater, im Kino, im Kabarett, und zwar meistens in Berlin. "Ich finde Berlin im Augenblick so spannend wie New York vor 25 Jahren. Weil das Leben dort so preiswert ist, zieht Berlin viele experimentelle Leute an. Sehr viele Menschen, die ich kenne, nehmen sich deshalb in Berlin eine Wohnung oder ziehen ganz dorthin. Die treffe ich dort alle wieder - praktisch!"

Auf seinen abendlichen Streifzügen stößt er immer mal wieder auf ein Talent, von dem er denkt: "Den oder die hätte ich früher sofort in meine Sendung geholt!" Aber es schmerzt ihn nicht, dass er nun im Ruhestand ist. "Es gibt da ein Gedicht von Hermann Hesse..." Schon ist er verschwunden und kommt kurz darauf mit einem Buch zurück: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben", liest er vor. "Nimm Abschied und gesunde!" Das ist sein Lebensmotto.

Vieles hat sich gut entwickelt, nur nicht unbedingt das Fernsehen, meint Biolek. Da fehlen ihm die Originale, Männer wie Rudi Carrell, sein großer Förderer, der ihn am Ende bat, die Laudatio zu halten, als er kurz vor seinem Krebstod die Goldene Kamera für sein Lebenswerk erhielt. "Heute sehen sie alle gut aus, sind sehr professionell, aber es fehlt die Individualität. Der einzige, der sich heute was traut und immer mal was Neues ausprobiert, ist Stefan Raab. Als Profi weiß ich das zu schätzen, auch wenn ich kein Fan von ihm bin."

(APA/dpa)

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