Quelle: ZAMG

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Schauspieler Johannes Heesters gestorben

25.12.2011 - 09:07
Der Entertainer wurde 108 Jahre alt© APA (dpa)Der Entertainer wurde 108 Jahre alt

Johannes Heesters ist tot. Der legendäre Schauspieler starb am Samstag im Alter von 108 Jahren. Am Vormittag des Heiligen Abends verstarb er im Beisein seiner Frau im Klinikum Starnberg friedlich. Heesters, der den Spitznamen "Jopie" trug, galt als der älteste aktive Schauspieler, Sänger und Entertainer der Welt. Er gehörte zu den populärsten Bühnendarstellern des 20. Jahrhunderts.

Er wurde vor allem durch zahlreiche Operettenrollen bekannt. Seine Paraderolle war der leichtlebige Graf Danilo aus Franz Lehars Operette "Die lustige Witwe". Aber auch auf der Leinwand war Heesters in zahlreichen Filmen zu sehen wie "Gasparone", "Hallo Janine" und "Die Csardasfürstin". Einen seiner letzten großen Erfolge feierte Heesters 2008 im Singspiel-Klassiker "Im weißen Rössl" in Hamburg als österreichischer Kaiser Franz Joseph.

Der gebürtige Niederländer, der mit seiner 45 Jahre jüngeren Ehefrau Simone Rethel-Heesters am Starnberger See lebte, war eine Operettenlegende des 20. Jahrhunderts und trat auch als über Hundertjähriger mit erstaunlicher Vitalität und Sangesfreude auf.

Noch zum 107. Geburtstag sang er bei einer Gala in Erfurt die Lieder seines Lebens wie sein Paradelied aus dem "Bettelstudenten", "Ich knüpfe manche zarte Bande" und verkündete: "Ich werde 108, das könnt ihr mir glauben!" Eine Woche vor seinem 108. Geburtstag (am 5. Dezember 2011) erlitt er einen Schwächeanfall und musste im Spital ärztlich behandelt werden.

Zum 105. Geburtstag spielte Heesters noch in Hamburg den greisen Kaiser Franz Joseph im Singspiel "Im weißen Rössl", 2009 die Stimme Gottes im "Jedermann" in Stuttgart und 2010 den König in Rolf Hochhuths "Inselkomödie" am Berliner Ensemble. Dabei erinnerte sich der betagte Künstler auch noch an die allerersten Auftritte: "Ich habe den ersten Applaus noch in den Ohren." So viel Engagement wurde gewürdigt: Zehn Bambis gewann Heesters im Laufe seines Leben, 2001 kam die Platin-Romy für sein Lebenswerk hinzu.

Am 16. Februar 2008 konnte Heesters seinen ersten Auftritt nach fast einem halben Jahrhundert in seiner Geburtsstadt Amersfoort absolvieren. Wegen seiner Karriere in Nazi-Deutschland war Heesters von den niederländischen Bühnen jahrzehntelang boykottiert worden. Aber politische Filme habe er in der NS-Zeit nie gedreht, beteuerte er später.

"Ich hab mein Leben gelebt und bin zufrieden mit meiner Karriere, ich habe mich auch stets bemüht, den Weg meines Lebens gerade zu gehen, auch im Sturm der Zeit", sagte Heesters rückblickend auf sein langes Leben. Seinen künstlerischen Nachlass hat er der Berliner Akademie der Künste übergeben.

Die Niederländer nahmen die Nachricht vom Tod ihres Landsmanns mit gemischten Gefühlen auf. Einerseits wurde Heesters als großer Künstler gewürdigt. Doch zugleich - und erheblich stärker als in Deutschland - spielte Heesters umstrittenes Verhalten während der Nazi-Zeit in niederländischen Kommentaren eine Rolle.

(APA/dpa)

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