Quelle: ZAMG

Interviews

Liedermacher Ludwig Hirsch 65-jährig verstorben

24.11.2011 - 16:20
Der Austropoper wurde 65 Jahre alt© APA (Archiv/Neubauer)Der Austropoper wurde 65 Jahre alt

Seine "Dunkelgrauen Lieder" sind bei der "Gänsehautnah"-Tour in diesem Jahr zum letzten Mal live erklungen: In der Nacht auf Donnerstag ist der österreichische Sänger und Schauspieler Ludwig Hirsch im Alter von 65 Jahren verstorben, bestätigte sein Agent Karl Scheibmaier. Nach ersten Informationen geht die Polizei von Selbstmord aus.

Hirsch war in der Früh unter einem Fenster des Wiener Wilhelminenspitals gefunden worden, wo er sich in Behandlung befunden haben soll. Tief betroffen vom Ableben des Musikers zeigte sich dessen Manager Scheibmaier, der ihn als einen "der größten Künstler der vergangenen 70 Jahre" bezeichnete. "Ludwig Hirsch hat an den Wänden gekratzt, um dahinter zu schauen, was los ist", so Scheibmaier im Gespräch mit der APA.

Auch Kulturministerin Schmied würdigte den Liedermacher als "Teil der österreichischen Seele", dessen Songs "den Zustand unserer Gesellschaft mit poetischen Texten beschrieben" haben. Für Wiens Kulturstadtrat Mailath-Pokorny stand Hirsch "in der Tradition großer Namen wie Randy Newman und Georg Kreisler, die schwarz bis bitter, bissig und zynisch, kritisch oder aggressiv ihr Umfeld pflügen".

Musikerkollege Rainhard Fendrich zeigte sich "tief traurig, bestürzt und erschüttert darüber, wie verzweifelt ein Mensch sein muss in dem Moment, wo er beschließt, seinem Leben ein Ende zu setzen". Für Marianne Mendt "ist wieder ein ganz Großer gegangen. Ich bin schockiert und traurig."

Geboren wurde Ludwig Hirsch am 28. Februar 1946 in Hartberg in der Steiermark, wiewohl er als Komponist von Liedern mit urwienerischem Zuschnitt seine Fans begeisterte und auch anlässlich der Auszeichnung mit dem "Goldenen Rathausmann" im Juni erklärte: "Ich bin eigentlich Wiener, ich wurde nur zufällig dort geboren." Vor seinem musikalischen Durchbruch studierte Hirsch an der Universität für angewandte Kunst in Wien Grafik und besuchte die Schauspielschule Krauss. Nach Theaterengagements und seiner Zeit als Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt sollte sein Debütalbum "Dunkelgraue Lieder" seine musikalische Karriere begründen.

Neben inhaltlicher Morbidität und Hintergründigkeit zeichneten sich seine Songs auch durch feine Zwischentöne aus. Noch vergangenes Jahr erklärte Hirsch, dass er sich diesen Herbst für ein neues Album "hinsetzen und ein bissl grübeln" wolle. Thematisch sollte es um für ihn Typisches gehen: "Träumen, Staunen, Lächeln, bissl Gänsehaut immer wieder, und das Zwicken in die Wadeln. Das hab ich immer gern gemacht, die Leute einzulullen, dass sie sich wohl fühlen und zum Schluss ein bissl zwicken." Ein gemeinsam mit dem deutschen Regisseur Joseph Vilsmaier geplantes Filmprojekt mit dem Arbeitstitel "Es lebe der Zentralfriedhof" sei Scheibmaier zufolge nicht mehr realisiert worden.

(APA)

Home
Politik
Chronik
Wirtschaft
Sport
Kultur
Society
Life
Reise
Motor
Hightech