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Liebeserklärung an Filmdiva Annie Girardot

22.02.2012 - 08:05
Buch über die letzten Jahre der französischen Diva© APA (Verlag André Thiele)Buch über die letzten Jahre der französischen Diva

Vor einem Jahr starb Schauspielerin Annie Girardot im Alter von 79 Jahren an Alzheimer. Léo Bardon, Freund, Helfer und Vertrauter, schrieb ein mitreißendes Buch über die letzten Jahre der französischen Diva, das zu ihrem Todestag in Deutschland erscheint.

Am 28. Februar 2011 starb mit Annie Girardot eine der bedeutendsten französischen Schauspielerinnen. Unvergesslich ist sie durch ihre mehr als 170 Kino- und Fernsehfilme. Unvergesslich wird sie auch bleiben durch ein Buch, das zu ihrem ersten Todestag nun auch in Deutschland erscheint: "Annie, weißt du noch...". Léo Bardon, persönlicher Assistent der Girardot und ein guter Freund, hat darin thematisiert, was lange Zeit tabu war: die Alzheimer Erkrankung der Schauspielerin.

"Wenn ich eines Tages erfahre, dass ich Alzheimer habe, stürze ich mich aus dem Fenster", sagte die Girardot einmal zu Léo. Als sie es erfährt, ist es der Name der Krankheit, der ausgesperrt wird. Seit den ersten Anzeichen, die etwa im Jahr 2000 auftauchen, bis 2007, als Annie Girardot und ihr engster Familien- und Freundeskreis mit der schrecklichen Wahrheit an die Öffentlichkeit gehen, steht das Wort Alzheimer auf dem Index. Intern wird es ignoriert, extern soll es keiner wissen.

Es gibt reichlich Gründe dafür. Einer davon - vermutlich der wichtigste - ist die therapeutische Wirkung der Arbeit. Mit Bekanntwerden der Erkrankung aber würden die lebensverlängernden Film-Angebote ausbleiben. Wenn auch vieles allmählich im Nebel des Vergessens versinkt - vor der Kamera oder auf der Bühne kann sich die Schauspielerin auf ihr Gedächtnis verlassen. An diesem Punkt beginnt die Trennung der Girardot von Annie. "Es ist, als ob Annie vergisst, dass sie krank ist, immer wenn sie ,La Girardot' ist", schreibt Bardon.

Für ihn sind die folgenden Jahre geprägt von Hilflosigkeit, Ohnmachtsgefühl, Erfindungsreichtum, Ungeduld - und Liebe. Die Girardot hat ein großes Herz, ist selbst aber auch süchtig nach Liebe. Die bekommt sie reichlich. Dafür sorgen Familie und Freunde. Bardon, der Autor, sieht sich auch deswegen physisch und psychisch am Ende, als Annie Girardot im Alter von 79 Jahren die Augen für immer schließt. Die Liebe zu der langjährigen Freundin und ihre große Zuneigung zu ihm zehren ebenso an ihm wie der Verlust dieser Gefühle nach ihrem Tod.

Das Buch ist ein letzter Liebesbeweis und vielleicht ein Versuch der Selbsttherapie. Bardon ist deshalb auch nicht der Versuchung ausgesetzt, sich und seine Rolle in Girardots Leben überzubewerten. Uneitel, selbstironisch, aber durchaus auch selbstbewusst beschreibt er sein Leben an der Seite der Diva in ihren letzten Lebensjahren und seinen nicht unbeträchtlichen Anteil daran, dass sie noch mehr als sechs Jahre nach Ausbrechen der Krankheit "La Girardot" sein konnte.

INFO: Léo Bardon: "Annie, weißt du noch...", VAT Verlag André Thiele 2012, Mainz, 212 Seiten, 19,50 Euro, ISBN 978-3-940884-77-0.

(APA/dpa)

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