Quelle: ZAMG

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Kunsthistorisches Museum Wien präsentiert Rubens-Ausstellung

16.10.2017 - 12:48
Ausstellung "Kraft der Verwandlung" im KHM© APAAusstellung "Kraft der Verwandlung" im KHM

Wie Rubens wurde, was Rubens ist: Das Kunsthistorische Museum wirft in seiner monumentalen Herbstschau einen umfassenden Blick auf die Genese des barocken Malerfürsten. Mit 120 Werken zeichnen die Macher Rubens als Dialogpartner seiner Zeitgenossen und Vorgänger. "Wir können in dieser Ausstellung dem Meister praktisch über die Schulter schauen", so KHM-Generaldirektorin Sabine Haag am Montag.

So werden den 48 Gemälden und 33 Zeichnungen von Rubens selbst Gemälde, Zeichnungen, Grafiken oder Skulpturen gegenübergestellt, die als Vorbild oder Inspiration dienten und sich zu einem analogen multimedialen Kompendium vereinen. Auf diesem Wege wird der Blick auf den Schaffensprozess, das Wesen Rubens deutlich erweitert. "Das ist immer wieder voller Überraschungen, Grenzüberschreitungen", unterstrich Haag bei der Präsentation der Blockbusterschau, die am Dienstag für das Publikum öffnet.

Der Fokus von "Rubens - Die Kraft der Verwandlung" liegt dabei auf den Motiven, Formen, der Bewegungsgestaltung im Oeuvre des Barockkünstlers, die sich an der Antike ebenso wie den italienischen Meistern schulten. "Wir wollen zeigen, wie Rubens sich die Dinge einverleibt", umreißt Gerlinde Gruber, Kuratorin der KHM-Gemäldegalerie, das Konzept der Ausstellung.

Beispielsweise zog Rubens den muskulösen Oberkörper der römischen Skulptur "Der von Cupido gezähmte Kentaur" als Vorbild für Christus' Körper beim heute in der Eremitage befindlichen "Ecce Homo" heran. Tizians "Venus und Adonis" hingegen war eine Spielvorlage für seine eigene Arbeit unter gleichem Titel, bei der er die Figuren spiegelte. Im Vergleich und der Gegenüberstellung der verschiedenen Inspirationsquellen gewinnen so die einzelnen Werke eine Grundierung, eine Verwurzelung. "Vor uns entfaltet sich eine unglaubliche Künstlerpersönlichkeit", so Haag.

Die mit Rubens landläufig assoziierten prallen Körper stehen bei der lebensprallen Schau dabei nicht im Zentrum. "Wir haben uns bemüht, einen Rubens jenseits der koloristischen Schwere, jenseits der fülligen Körper zu zeigen", so Stefan Weppelmann, Direktor der Gemäldegalerie. Schließlich sei Rubens heute nicht von ungefähr der teuerste Altmeister am Kunstmarkt: "Rubens ist sicher der Künstler in der ganzen europäischen Kunstgeschichte, der am produktivsten ist. Der Einzige, der ihm hier das Wasser reichen kann, ist Picasso."

Dementsprechend arbeitet die Wiener Schau, die in Kooperation mit dem Städel Museum Frankfurt entstanden ist, mit Leihgaben aus der ganzen Welt, auch wenn man im KHM mit rund 40 Gemälden neben der Münchner Pinakothek, der St. Petersburger Eremitage und dem Prado in Madrid heute einen der größten Rubens-Bestände weltweit besitzt. Und doch hat man sich dezidiert auf jene Werke fokussiert, deren Genese man explizit darstellen konnte. "Es ist wichtig, solche eine Ausstellung vom Narrativ her nicht zu überlasten", betonte Weppelmann.

Dass sich mit Hauptwerken wie dem "Pelzchen" so reichhaltige Rubens-Bestände im KHM finden, ist vor allem den Habsburgern zu verdanken. Einerseits erwarb Erzherzog Leopold Wilhelm als Statthalter der Niederlande viele Werke in seiner von 1647 bis 1656 dauernden Herrschaft. Andererseits bedienten sich die Habsburger an nach Auflösung des Jesuitenordens im 18. Jahrhundert den Markt überschwemmenden Werken, weshalb sich heute besonders viele großformatige Altarbilder des Meisters in Wien finden.

(S E R V I C E - "Rubens - Die Kraft der Verwandlung" von 17. Oktober bis 21. Jänner 2018 im Kunsthistorischen Museum, Maria-Theresien-Platz , 1010 Wien. Geöffnet von Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Im Dezember täglich geöffnet. Umfangreiches Begleitprogramm, darunter ein Symposium zur Ausstellung am 19. Jänner 2018. www.khm.at/de/rubens2017)

(APA)

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