Quelle: ZAMG

Schnelle SSD-Festplatten richtig einstellen

03.04.2012 - 16:05
Ohne SSD können Notbooks ganz schön laut werden© APA (dpa)Ohne SSD können Notbooks ganz schön laut werden

Für viele Computerbesitzer sind schnelle und leise SSD-Festplatten eine echte Bereicherung. Der moderne Flash-Speicher ist allerdings nicht ganz günstig und hat seine Eigenheiten. Viele Tücken lassen sich mit den richtigen Tools und Einstellungen aber umgehen.

SSD-Speicher ist ein beliebtes Mittel, die letzten Leistungsreserven aus einem PC herauszukitzeln. Weil die auch Solid State Drives genannten Festplatten auf Flashspeicher-Basis ohne bewegliche Teile auskommen, arbeiten sie deutlich leiser und sind zudem schneller und stabiler als herkömmliche Festplatten. "SSDs sind für Desktop-PCs und Notebooks absolut empfehlenswert, da sie die Arbeit am Rechner spürbar beschleunigen", sagt Nils Raettig, Redakteur der Zeitschrift "PC Praxis". "Insbesondere die hohen Transferraten bieten große Vorteile, da der PC und installierte Programme so merklich schneller starten können."

SSD-Festplatten gibt es zum Nachrüsten in den Größen 2,5 und 3,5 Zoll. Wer sich eine solche Platte zulegen will, sollte daher zunächst überprüfen, welches Format in den eigenen PC passt. Kleine Modelle werden oft mit einem Einbaurahmen ausgeliefert und lassen sich so auch in 3,5-Zoll-Schächte einbauen. Auch die Anschlussmöglichkeit will überprüft sein: Wer eine SSD mit dem neuen, schnelleren Standard SATA III verwenden will, benötigt den entsprechenden Controller am Mainboard. Es gibt zwar spezielle Steckkarten, um SATA-III-Platten auch in anderen Rechnern anzuschließen, doch der Geschwindigkeitsvorteil im Vergleich zu anderen SSD-Festplatten geht damit verloren.

"Der größte Nachteil von SSDs ist ihr vergleichsweise hoher Preis", sagt auch Nils Raettig. Eine SSD-Festplatte mit einer Größe von 64 Gigabye (GB) kostet derzeit etwa 75 Euro, für 240 GB werden etwa 250 Euro fällig. Im Vergleich mit herkömmlichen Festplatten, bei denen es Kapazitäten von 2048 GB (2 Terabyte) für etwa 125 Euro gibt, ist das eine Menge Geld.

Wer nicht ganz so viel ausgeben will, kann eine kleine SSD nur für das Betriebssystem nutzen und Musik, Filme und Programme weiter auf einer herkömmlichen Festplatte aufbewahren. Das System läuft dann trotzdem schneller und ruhiger, die Daten verschwenden aber keinen teuren Speicherplatz. "Die Investition lohnt sich in jedem Fall", findet Redakteur Raettig. Denn herkömmliche Festplatten benötigen bis zu 10 Millisekunden für einen Datenzugriff. SSDs schaffen das in rund 0,2 Sekunden. Zudem sind die Festplatten mit Flashspeicher unempfindlicher gegenüber Bewegungen oder Temperaturen.

Es gibt aber neben dem hohen Preis auch noch weitere Nachteile. Die einzelnen Speicherblöcke einer SSD lassen nur eine begrenzte Anzahl an Schreibvorgängen zu, ihre Lebensdauer ist also begrenzt. Aus diesem Grund haben SSD-Festplatten spezielle Controller, die die Schreibvorgänge gleichmäßig auf die Speicherblöcke verteilen. Je aktueller die Firmware, desto besser funktioniert dieses sogenannte Wear Leveling - ein regelmäßiges Update lohnt sich also.

Um darüber hinaus die Zahl der Schreibvorgänge insgesamt zu reduzieren, muss das Betriebssystem entsprechend eingestellt sein. Besonders leicht ist das mit Windows 7: Die aktuelle Version des Microsoft-Betriebssystems erkennt die modernen Festplatten bei der Installation und passt Startpartitionen, Systemdienste und Einstellungen entsprechend an. Wird das System dagegen nicht installiert, sondern nur auf die neue Platte kopiert, arbeiten Festplatte und Windows nicht optimal zusammen.

Das zeigt sich dann zum Beispiel im Speichersystem: Löschen Anwender in Windows Daten, bleiben diese üblicherweise zunächst auf der Festplatte erhalten - das Betriebssystem lässt nur den Verweis darauf verschwinden. Die Dateien sind aber noch auf der Festplatte gespeichert. Erst wenn der Platz tatsächlich benötigt wird, werden sie überschrieben. Bei SSDs funktioniert das nicht: Hier müssen Speicherblöcke zunächst komplett gelöscht werden, bevor sie sich neu beschreiben lassen. Windows 7 beherrscht diese Technologie aber und teilt der SSD mit, welche Speicherblöcke die Platte löschen darf.

Viele SSDs enthalten aber auch eigene Technologien, mit der sie Speicherblöcke selbstständig freiräumen und löschen können. Diese Technik trägt die Bezeichnung Garbage Collection. Ob die eigene Platte dieses Feature unterstützt, lässt sich mit der Software CrystalDiskInfo herausfinden. In der Zeile "Supported Features" zeigt das Programm, was das eingebaute SSD-Modell alles kann. Idealerweise taucht hier auch das Kürzel TRIM auf. Unterstützt eine SSD kein TRIM, sinkt ihre Leistung, je mehr Daten auf dem System gespeichert sind. TRIM ist allerdings eine Funktion, die auch das Betriebssystem beherrschen muss. Neben Windows 7 tun das auch Linux ab Kernel 2.6.33 und Mac OS X 10.6.8.

Ob der SSD-Festplatte die Zukunft gehört, ist aktuell noch nicht sicher. Eine aktuelle Studie der University of California in San Diego zum Thema Flashspeicher zeigt zwar, dass die Datendichte auf SSDs in Zukunft wachsen könnte - das bedeutet steigende Kapazitäten und niedrigere Preise, schreiben die Autoren. Gleichzeitig könnten die schnellen und leisen Festplatten dadurch an Geschwindigkeit und Lebensdauer verlieren.

SSD-Geschwindigkeit überprüfen

Nach der Installation des Betriebssystems auf einer SSD-Festplatte sollten Benutzer die Geschwindigkeit des Speichers messen. Hilfreich ist dabei die Freeware AS SSD Benchmark. Eine Installation ist nicht notwendig, das Programm kann direkt von einer Festplatte oder einem USB-Stick aus starten. Neben der gemessenen Geschwindigkeit zeigt AS SSD Benchmark auch an, ob das Betriebssystem optimal für SSD angepasst ist.

INFO: Download CrystalDiskInfo: http://crystalmark.info/4.3.0a; Download AS SSD Benchmark: http://alex-is.de/asssd-benchmark

(APA/dpa)

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