Quelle: ZAMG

Wüstenstrom-Projekt Desertec wird Licht abgedreht

08.10.2014 - 10:34
Am Montag werden die verbliebenen 35 Konzerne dem Wüstenstromprojekt Desertec vermutlich das Licht abdrehen. Per Jahresende droht der Desertec Industrial Initiative (Dii) die Abwicklung.
Aus für Desertec© APA (epa/BILFINGER BERGER)Aus für Desertec

Das Projekt galt unter Öko-Fans als Vorzeigeprojekt für Erneuerbare-Energien. Bis 2050 sollte die eigens von dutzenden Weltkonzernen gegründete die Gesellschaft Desertec Industrial Initiative (Dii) Solarstrom aus der Wüste Nordafrikas nach Europa liefern. Investitionen von bis zu 400 Milliarden Euro wurden geplant. Der damalige Siemens-CEO sprach kühne Vergleiche mit dem Apollo-Programm aus. Nur das diesmal nicht eine Mondladung geplant war sondern die Sonne im Zentrum des Projektes stehen sollte. Oder besser gesagt die Energie der Sonne.

Stuttgarter Forscher hatten zuvor errechnet, dass nur etwas mehr als die Fläche von Österreich, konkret 90.000 km² Wüste, erforderlich wären, um mit dort installierten Solar-Spiegeln die gesamte Weltbevölkerung mit ausreichend Strom versorgen zu können. Verhältnismäßig bescheiden mutete dagegen das Desertec-Konzept an, dass bis 2050 „nur" 15 bis 20 Prozent des europäischen Bedarfs decken sollte und dafür 2.500 km² für Solarkraftwerke in der Wüste vorsah.

Doch wie bereits im April von relevant.at berichtet, steht das Projekt unter keinem guten Stern. Nach und nach verabschiedeten sich immer mehr Gesellschafter aus dem Projekt, wie beispielsweise die deutschen Konzerne E.on, Siemens oder Bilfinger. Die Umsetzung des Projektes stellte sich in der Praxis offensichtlich als deutlich komplexer und damit auch kostspieliger dar, als am Papier von Schreibtisch-Wissenschaftlern errechnet.

Am kommenden Montag treffen sich die verbliebenen 35 Gesellschafter der Desertec Industrial Initiative (Dii) in der prachtvollen Villa Miani in Roms zur Jahreskonferenz. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ wird dort vermutlich nach fünfjähriger eher erfolgloser Projektdauer dem Sonnenprojekt das Licht abgedreht. Konzerne wie die Deutsche Bank, MunichRe, ABB oder Enel werden vermutlich die Abwicklung von Dii per Jahresende beschließen.

„Keine finanzielle Basis für ihre Fortführung"

Wieder mal ist dem Projekt das Geld ausgegangen und wären für ein weiteres Überleben weitere Millionen Euro notwendig. Doch die wollen und können die Konzerne offenbar nicht mehr zuschießen. „Die Wahrscheinlichkeit wächst mit jedem Tag, dass wir die Gesellschaft zum Jahresende in ihrer heutigen Form abwickeln müssen", zeigte sich ein Insider gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ realistisch. „Es gibt bislang keine finanzielle Basis für ihre Fortführung."

„Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen", heißt es dazu seitens Dii noch hoffnungsvoll. Doch dass sich die verbliebenen 35 beteiligten Unternehmen aus der Energie-, Technologie- oder Finanzbranche auf ein neues gemeinsames Zukunftskonzept für das Wüstenprojekt einigen und dieses auch mit Finanzierungszusagen ausstatten, scheint eher unwahrscheinlich.

(relevant Redaktion)

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