Es war ein wärmender Anblick für 3.600 Einwohner einer abgeschnittenen Kleinstadt in Alaska: Nach knapp einmonatigem Kampf durch das dicke Eis ist ein russisches Tankschiff am Samstag im eingeschneiten Nome, im Westen des Bundesstaates eingetroffen. "Endlich brauchen wir keine Angst mehr vor dem Frieren zu haben", stöhnte erleichtert ein Sprecher der US-Küstenwache, Kip Wadlow.
In Nome wie anderswo im Arktisstaat erleben die Menschen in diesem Jahr einen extrem harten Winter. Ganze Orte sind - teils zehn Meter hoch - eingeschneit. Erste Gebäude brachen bereits unter der Schneelast zusammen. Der rote Rumpf des rettenden Schiffes erhob sich im Zeitlupentempo in der Dämmerung aus den dicken Eisschollen. Mit Hilfe eines Eisbrechers der US-Küstenwache hatte sich die "Renda" unter Gefahren durch die Beringstraße gekämpft. Geladen hat das rund 100 Meter lange Frachtschiff rund 3,8 Millionen Liter Benzin und Diesel. "Unsere Energievorräte wären in wenigen Wochen zur Neige gegangen", sagte Wadlow der dpa. "Dann wäre es kalt geworden."
Ein heftiger Schneesturm hatte die übliche Öllieferung in die Hafenstadt im November verhindert. Sie ist nur über den See- oder Luftweg, nicht aber über Straßen oder per Eisenbahn zu erreichen. Auch ein zweiter Anlauf mit auf Barkassen umgeladenem Öl scheiterte - diesmal am dicken Eis. Schließlich machte sich der russische Frachter im Gespann mit dem hochmodernen US-Eisbrecher auf den 480 Kilometer langen Weg durchs Eis - mit einer Sondergenehmigung der US-Behörden, die solche Lieferungen normalerweise nur amerikanischen Schiffen erlaubt. "Nun warten wir darauf, dass das Eis um das Schiff wieder auf eine sichere Dicke gefriert, damit die Besatzung aussteigen und mit der Entladung beginnen kann", so Wadlow.
(APA/dpa)

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