Quelle: ZAMG

In den USA kommt das Zwei-Klassen-Internet

24.04.2014 - 12:23
Die US-Behörde FCC plant eine Überholspur im Internet. Unternehmen sollen künftig gegen Bezahlung ihre Inhalte schneller durch das World Wide Web transportieren können, als andere.
Überholspur für Konzerne kommt© (dpa/Jens Schierenbeck)Überholspur für Konzerne kommt

Die Telekommunikationsaufsicht FCC in Washington hat angekündigt, dass sie US-Konzernen zukünftig ermöglichen wird, Internet-Content gegen Aufpreis schneller durch ihre Netze zu leiten. Datenschützer kritisieren, dass dies das Ende der Netzneutralität bedeuten würde. Geplant ist diese „Überholspur“ speziell für die letzten Kilometer zum Endkonsumenten.

Offen gibt die FCC zu, diese Plänen  nur umsetzen zu wollen, wenn die individuellen Abkommen zwischen interessierten Konzernen und Netzbetreibern „kommerziell vernünftig" wären. Die Blockade von Internetangeboten soll aber weiterhin ausdrücklich verboten bleiben.

Kritiker befürchten, dass diese Regeländerungen dem Ende der Netzneutralität in den USA gleichkommen würde, die es jedenfalls zu verteidigen gelte. Eine Gleichbehandlung aller Daten würde dadurch gekippt und die Büchse der Pandora geöffnet.

In der Praxis zahlen in den USA aber Anbieter wie Netflix oder Disney, die für Videostreams schnelle Verbindung zu ihren Nutzern brauchen, bereits jetzt schon längst Aufpreise für einen bevorzugten Transporten durch die Netze. Dazu haben sie direkte Verbindungen zu den Servern der Netzprovider eingerichtet. Nun soll aber auch für die Anbindung an die Endkonsumenten eine Überholspur kommen.

Empörung bei Internetaktivisten

Die neuen Regeln sollen von der FCC bereits am 15. Mai beschlossen werden. Die FCC argumentiert, neben dem kommerziellen Argument aber auch damit, dass sie zur geplante Änderung wegen eines Gerichtsurteils gezwungen sei. Ein Berufungsgericht in Washington hatte Anfang des Jahres entschieden, dass die FCC zwar grundsätzlich das Recht habe, das Internet zu regulieren. Es stellte aber für Experten nicht nachvollziehbar gleichzeitig fest, dass Provider von Breitband-Internet-Diensten nicht mit „klassischen“ Anbietern gleichzusetzen sein und damit für sie nicht die gleichen strengen Regeln wie für „common carrier" gelten dürften. Auch die Provider von Breitband-Internet-Diensten zu Netzneutralität zu verpflichten, sei deshalb eine Überschreitung der Befugnisse der FCC gewesen, urteilte das Gericht nach einer Klage Verizont.

 (relevant Redaktion)

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