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Dr. Erdal Cetin

Tote und Boykott bei Präsidentenwahl im Jemen

21.02.2012 - 14:10
Friedensnobelpreisträgerin bei der Stimmabgabe© APA (epa)Friedensnobelpreisträgerin bei der Stimmabgabe

Begleitet von Gewalt und Drohungen sind die Menschen im Jemen zur Wahl gegangen, um einen Nachfolger für Langzeitpräsident Ali Abdallah Saleh zu bestimmen. Zur Wahl stand am Dienstag allerdings nur ein Kandidat: der seit 1994 amtierende Vizepräsident Abd Rabbo Mansur al-Hadi (66). Darauf hatten sich die großen Parteien des Landes verständigt, um weitere Konflikte zu vermeiden.

Bei Feuergefechten zwischen Sicherheitskräften und politischen Gruppierungen, die zum Wahlboykott aufgerufen hatten, gab es nach Angaben von lokalen Medien und der Polizei mindestens zwei Tote und rund 30 Verletzte. Insbesondere im Südjemen blieben wegen der Gewalt viele Wahllokale geschlossen.

Erst mit dieser Wahl endet offiziell die Amtszeit von Präsident Saleh, der seit 1978 in Sanaa an der Macht war. Er hatte im November des Vorjahres den Machtverzicht erklärt und war im Jänner in die USA ausgereist. Nach der Wahl sollen die zahlreichen Verwandten, die Saleh als Kommandanten in Armee, Geheimdienst und Polizei eingesetzt hatte, die Sicherheitskräfte verlassen. General Hadi soll allerdings nur für zwei Jahre als Übergangspräsident im Amt bleiben. Danach wird im Jemen erneut gewählt.

Die Gewalt konzentrierte sich hauptsächlich auf den Süden des Landes, wo einige Landstriche von Al-Kaida-Terroristen und Anhängern der Separatistenbewegung (Al-Herak) kontrolliert werden. In der Stadt Sinjibar und an einigen anderen Orten in der südlichen Provinz Abiyan sollen Al-Kaida-Anhänger am Dienstag die Stimmabgabe verhindert haben. In anderen Bezirken blockierten bewaffnete Kämpfer der Separatistenbewegung des Südens, die zum Boykott aufgerufen hatte, die Wahllokale. In der Hauptstadt Sanaa sowie in den Provinzen Marib und Taiz reihten sich die Menschen dagegen friedlich in die langen Warteschlangen vor den Wahllokalen ein.

Zu den ersten Wählern, die am Morgen ihre Stimme abgaben, gehörte die Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman. Die Journalistin und Frauenrechtlerin war bei den Protesten gegen Präsident Ali Abdullah Saleh, die vor einem Jahr begonnen hatten, eine der führenden Figuren gewesen.

(APA/dpa)

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