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Lage in Griechenland entspannt - Brandstiftung vermutet

27.07.2018 - 17:38
Frau zwischen den Trümmern nach der Brandkatastrophe© APA (AFP)Frau zwischen den Trümmern nach der Brandkatastrophe

In den Waldbrandgebieten nahe Athen hat sich die Lage am Freitag weiter entspannt. Feuerfronten, die bewohnte Gebiete bedrohen, gab es nicht mehr, teilte die Feuerwehr mit. Regierung und Behörden gehen unterdessen dem Verdacht der Brandstiftung nach. Regierungschef Alexis Tsipras zeigte sich tief betroffen und sagte: "Ich übernehme die politische Verantwortung für diese Tragödie".

Tsipras' Rede vor seinem Ministerrat wurde vom Fernsehen live übertragen. Die Ursache für die Brände sei unter anderem auf den illegalen Bau von Häusern zurückzuführen, die die vorigen Regierungen über Jahrzehnte hinweg erlaubt hatten, erklärte der Regierungschef. Er versprach alle nötigen Maßnahmen zu treffen, um diesen Zustand zu beheben und parallel den Menschen zu helfen. Tsipras erklärte zudem, es gebe Anzeichen dafür, dass Brandstifter am Werk waren. "Wir müssen den ganzen Sommer hinweg auf der Hut sein." Die Brandstifter könnten erneut zuschlagen.

In den Katastrophengebieten rund um die Hafenstadt Rafina im Osten Athens wollten Soldaten, Feuerwehrleute und freiwillige Helfer die Suche nach weiteren Opfern in den zerstörten Häusern Freitagfrüh fortsetzen, wie das Staatsfernsehen (ERT) berichtete. Bisher wurden 87 Opfer gezählt. Mehrere Menschen werden noch vermisst. Die Identifizierung der Leichen ist schwierig, da die meisten völlig verbrannt sind, teilten Gerichtsmediziner mit.

Die verheerenden Brände in der Umgebung von Athen könnten nach den Worten eines griechischen Regierungspolitikers das Werk von Brandstiftern sein. "Es gibt Indizien, die uns zu diesen Gedanken führen", sagte der stellvertretende Minister für Bürgerschutz, Nikos Toskas, am Donnerstagabend. Details wollte er nicht nennen. Er wolle damit die Ermittlungen nicht behindern. Festnahmen von Verdächtigen habe es bisher nicht gegeben, teilte der Politiker mit.

Der Minister räumte ein, dass es "erhebliche Verluste" gegeben habe. Er habe Ministerpräsident Alexis Tsipras seinen Rücktritt angeboten - "aus Gewissensgründen, nicht wegen Fehlern", sagte Toskas. Der Ministerpräsident habe den Rücktritt aber nicht angenommen und entgegnet, dass "nun die Stunde des Kampfes" sei.

Nach Behördenangaben zeigen Satellitenaufnahmen, dass am Montag 13 Brände zeitgleich in der Region Attika, zu der Athen gehört, ausbrachen. Die Brände brachen vor allem in bei Touristen beliebten Küstenorten rund um Athen aus.

Unklar war weiterhin, wie die Waldbrände dermaßen viel Schaden anrichten konnten. Die Zeitung "Kathimerini" berichtete von einem offenbar chaotischen Treffen von Behörden und Feuerwehr zur Vorbeugung derartiger Brände.

Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos sagte am Donnerstag, die Evakuierung von Mati sei nicht möglich gewesen, "weil das Phänomen nur anderthalb Stunden dauerte". Überdies seien die Winde von 120 Stundenkilometern "die stärksten der letzten acht Jahre" gewesen.

Bei der Katastrophe wurden so viele Menschen getötet wie bei keinem anderen Feuer in Europa im 21. Jahrhundert. Insgesamt waren ins 187 Menschen ins Krankenhaus gebracht worden. Die Regierung von Tsipras stellte den Opfern der Brände in einem ersten Hilfsfonds 40 Millionen Euro zur Verfügung.

(APA/dpa/ag.)

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