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"Boss der Bosse" Toto Riina tot

17.11.2017 - 15:03
Langjährige Nummer eins der Cosa Nostra© APA (Archiv/AFP)Langjährige Nummer eins der Cosa Nostra

Die langjährige Nummer eins der Mafia, Salvatore Riina, ist in der Nacht auf Freitag im Krankentrakt des Hochsicherheitsgefängnisses von Parma gestorben. Der zu lebenslanger Haft verurteilte Riina litt an Nierenkrebs und Herzproblemen. Nach zwei Operationen lag er fünf Tage im künstlichen Koma. Justizminister Andrea Orlando erlaubte seiner Familie, ihn zu besuchen, um Abschied zu nehmen.

Der "Toto" genannte Riina, der einen Tag nach seinem 87 Geburtstag gestorben ist, war jahrzehntelang der Spitzenstratege der sizilianischen Cosa Nostra. Mit seinem Tod nimmt er mehrere Geheimnisse der jüngsten italienischen Geschichte mit ins Grab. Riina, der wegen seiner brutalen Vorgangsweise den Spitznamen "Die Bestie" trug, steckte in den 1980er- und 1990er-Jahren hinter vielen der bekanntesten Mafiamorde. Er wurde 1993 nach über zwanzigjähriger Flucht gefasst und zu 13 Mal lebenslanger Haft verurteilt. Ein im Sommer eingereichter Antrag auf Freilassung aus Gesundheitsgründen hatte in Italien einen Aufschrei der Empörung ausgelöst und war abgelehnt worden.

Die Leiche des Mafia-Bosses wird obduziert. Dies wurde von der Staatsanwaltschaft der Stadt Parma beschlossen, in deren Gefängnis Riina gestorben ist. Riina litt an Krebs und war seit zehn Tagen auf der Intensivstation im Häftlingstrakt des Krankenhauses in Parma. Die Angehörigen hatten von Justizminister Andrea Orlando eine Sondergenehmigung erhalten, um Riina zu besuchen, konnten ihn aber nicht mehr sehen.

Eine öffentliche Beerdigung wird es für den Mafia-Boss nicht geben, berichtete der Sprecher der italienischen Bischofskonferenz CEI, Ivan Maffeis. Lediglich ein privates Gebet sei auf Wunsch der Familie möglich. Papst Franziskus hatte bei seinem Besuch in Kalabrien 2014 erklärt, Mafiosi stünden durch ihr Tun nicht mehr in Gemeinschaft mit Gott und seiner Kirche und seien exkommuniziert. Immer wieder verurteilt der Papst in seinen Ansprachen Korruption und die Mafia.

Justizminister Orlando sagte, mit dem Tod Riinas gehe eine Phase zu Ende, die Cosa Nostra sei jedoch immer noch nicht besiegt. "Wir dürfen im Kampf gegen die Mafia nicht nachlassen", so Orlando. Der italienische Staat habe seine Menschlichkeit bewiesen, indem er Riina bis zur letzten Lebensstunde medizinische Betreuung auf höchstem Niveau gesichert habe.

Bis zu seiner Festnahme am 15. Jänner 1993 war Riina 24 Jahre lang einer der zehn meistgesuchten Kriminellen der Welt. Der 1930 geborene "Boss der Bosse", Sohn eines armen Bauern, wurde wegen seiner Größe von 1,58 Meter auch "Toto u curtu" (Toto der Kurze) genannt. Er war der Chef der Mafia-Familie der "Corleonesi", die ihren Sitz in Corleone bei Palermo hat. Seine kriminelle Karriere begann schon mit 19 Jahren, als er wegen Mordes verurteilt wurde, sein Aufstieg begann 1958 in der Umgebung seiner Heimatgemeinde. Der Mafioso Luciano Liggio ermordete damals den Arzt und Mafiachef von Corleone, Michele Navarra, und Riina war nach Ansicht der Ermittler dabei.

Der Bund Riinas mit Liggio sollte über Jahre Bestand haben. Riina übernahm von Liggio, als dieser festgenommen worden war. Für seinen Aufstieg zum "Boss der Bosse" nutzte Riina kaltblütig alle Mittel: Er schaffte es, dass sich andere Clans untereinander bekämpften. Er schleuste Parteigänger bei den anderen Mafia-Familien ein und erhielt dadurch jeweils nützliche Informationen. Wer nicht spurte, war ein toter Mann. Anfang der 1980er-Jahre brach auf Sizilien der Mafiakrieg aus. Riina glaubte nun, stark genug zu sein, alle Rivalen aus dem Feld zu räumen. Einige Jahre und rund 1.000 Tote später war er die Nummer eins der Cosa Nostra. Ende 1987 wurde er beim Mammut-Prozess gegen die Mafia in Abwesenheit zu lebenslänglich verurteilt.

Salvatore Riina gilt auch als Auftraggeber mehrerer Morde an Politikern und Beamten. Eines der bekanntesten Opfer der langen Mordserie aus den Jahren 1979 bis 1982 war etwa der Präsident der Region Sizilien, Piersanti Mattarella, Bruder des amtierenden italienischen Staatschefs Sergio Mattarella. Die Ermittler gehen auch davon aus, dass Riina den Befehl zur Ermordung des Antimafia-Richters Giovanni Falcone und des Staatsanwalts Paolo Borsellino gegeben hat.

Riina habe nie Mitleid mit seinen Opfern gezeigt, so die Vorsitzende der Anti-Mafia-Kommission im Parlament, Rosy Bindi. Bei Vernehmungen und Festnahmen hatte er nie die Bereitschaft gezeigt, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten. "Riina wird auch im Jenseits zu einer strengen Strafe verurteilt werden, die er voll verdient", kommentierte der Senator Maurizio Gasparri.

"Ich feiere nicht seinen Tod, doch ich kann ihm nicht verzeihen. Ich hätte ihm verziehen, wenn er Reue gezeigt hätte. Doch von ihm ist nie ein Zeichen der Reue gekommen", sagte Maria Falcone, Schwester des ermordeten Mafiajägers Giovanni Falcone.

(APA)

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