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Zwei heimische Unternehmen von Cyberattacke betroffen

28.06.2017 - 14:51
Die Angreifer waren wohl auf Chaos aus© APA (Symbolbild/dpa)Die Angreifer waren wohl auf Chaos aus

Nach dem zweiten massiven Angriff mit Erpressungssoftware innerhalb von zwei Monaten hatten Firmen rund um den Globus mit den Folgen der Cyber-Attacke zu kämpfen. Betroffen waren laut Bundeskriminalamt (BK) auch zwei international tätige Unternehmen mit Niederlassungen in Wien. Deren Computer wurden mit der neuen Ransomware infiziert.

Diese Erpresser-Software sei "noch übler", sagte BK-Sprecher Vincenz Kriegs-Au. Bei den bisher bekannten Fällen von Ransomware konnten die infizierten Computer normal hochgefahren und sogar Programme gestartet werden. Bei der neuen Schadsoftware ist das nicht mehr möglich. Auf dem Bildschirm erscheint nur noch die Information, dass der Computer infiziert ist und wie das Lösegeld überwiesen werden solle.

Zu den weiteren Opfern zählten der Nivea-Hersteller Beiersdorf und die dänische Reederei Maersk, bei der Terminals in mehreren Häfen ausfielen. Außerdem wurden vor allem Firmen und öffentliche Einrichtungen in der Ukraine hart getroffen.

Die Schadsoftware war nach Einschätzung von Experten gefährlicher als der aufsehenerregende Erpressungstrojaner "WannaCry" Mitte Mai. Sie verbreitete sich nicht nur über die damals ausgenutzte Windows-Sicherheitslücke, sondern fand auch einen weiteren Weg, Computer innerhalb eines Netzwerks anzustecken. Unterdessen sehen Experten Hinweise darauf, dass die Angreifer eher Chaos anrichten wollten und nicht auf Profit aus waren.

Während Erpressungstrojaner, die Computer verschlüsseln und Lösegeld für die Freischaltung verlangen, ein eingespieltes Geschäftsmodell von Online-Kriminellen sind, war die Bezahlfunktion bei der neuen Attacke äußerst krude gestaltet. Die Angreifer verlangten jeweils 300 Dollar in der Cyberwährung Bitcoin. Das Lösegeld sollte auf ein einziges Konto gehen, die zahlenden Opfer sollten sich per E-Mail zu erkennen geben. Nachdem der E-Mail-Anbieter Posteo die genannte Adresse aus dem Verkehr zog, wurde es für die Betroffenen völlig sinnlos, Lösegeld zu zahlen. Bis Mittwochmittag gingen nur etwas mehr als 40 Zahlungen auf dem Bitcoin-Konto ein.

Die IT-Sicherheitsfirma Malwarebytes verzeichnete bis Mittwoch rund 18.000 Infektionen in mehr als 60 Ländern. Die Ukraine blieb der Schwerpunkt der Attacken. Asien kam am Mittwoch glimpflicher davon als Europa und die USA.

Der neue Angriff breitete sich langsamer aus als der "WannaCry"-Trojaner, der binnen eines Tages hunderttausende Computer befiel - aber er zog mehr international agierende Unternehmen in Mitleidenschaft.

IT-Sicherheitsexperten waren sich uneins, mit welcher Software sie es diesmal überhaupt zu tun haben. Ersten Erkenntnissen zufolge handelte es sich um eine Version der bereits seit vergangenem Jahr bekannten Erpressungs-Software "Petya". Kaspersky kam hingegen zu dem Schluss, es sei keine "Petya"-Variante, sondern eine neue Software, die sich nur als "Petya" tarne.

Der Trojaner habe sich zumindest zum Teil über dieselbe Sicherheitslücke in älterer Windows-Software verbreitet wie auch der im Mai für eine globale Attacke genutzte Erpressungstrojaner "WannaCry", erklärten die IT-Sicherheitsfirma Symantec und das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Die Windows-Schwachstelle wurde ursprünglich vom US-Abhördienst NSA ausgenutzt. Hacker machten sie im vergangenen Jahr öffentlich. Es gibt zwar schon seit Monaten ein Update, das sie schließt - doch das scheinen viele Firmen noch immer nicht installiert zu haben.

Nach Erkenntnissen der ukrainischen Cyberpolizei wurden Computer zunächst über die automatische Updatefunktion einer verbreiteten Buchhaltungssoftware manipuliert. Die betroffene Firma wies die Vorwürfe zurück, hatte zuvor allerdings selbst vor manipulierten Updates gewarnt. Darüber hinaus schloss die Polizei auch eine Verbreitung über Phishing-Mails mit Download-Links nicht aus.

Von dem Angriff betroffen waren neben Firmen und Einrichtungen in der Ukraine auch der größte russische Ölproduzent Rosneft, der US-Pharmakonzern Merck, der Werbegigant WPP, die französische Bahn SNCF und der Lebensmittel-Riese Mondelez ("Milka", "Oreo"). An der Ruine des Katastrophen-Atomkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine musste die Radioaktivität nach dem Ausfall von Windows-Computern manuell gemessen werden.

Mitte Mai hatte die "WannaCry"-Attacke hunderttausende Windows-Computer in mehr als 150 Ländern infiziert. Betroffen waren damals vor allem Privatpersonen.

(APA/dpa)

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