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Retter bargen Überlebende aus verschüttetem Hotel

20.01.2017 - 19:02
Man hegt weiter Hoffnung© APA (AFP)Man hegt weiter Hoffnung

Wunder beim Lawinendrama in der mittelitalienischen Region Abruzzen: Obwohl nur wenig Hoffnung bestand, haben Rettungseinheiten am Freitag zehn der rund 30 Vermissten aus dem verschütteten Hotel Rigopiano lebend lokalisiert und zum Teil bereits geborgen, darunter vier Kinder. Bisher wurden auch fünf Leichen aus den Trümmern geholt.

Ins Krankenhaus der Adria-Stadt Pescara wurden die Frau und der achtjährige Sohn des 38-jährigen Kochs Giampiero Parete gebracht, der als erster am Mittwoch Alarm geschlagen hatte. Er hatte in seinem Auto auf die Retter gewartet, während er um seine verschüttete Familie bangte. Auch die sechsjährige Tochter Ludovica dürfte am Leben sein. Die acht Überlebenden wurden bei verschiedenen Einsätzen geborgen. Sie wurden in einem Dachboden und in einem Küchenraum gefunden. Einige von ihnen konnten ein Feuer entfachen, um sich zu wärmen. 43 Stunden lang mussten sie ausharren, bis Hilfe kam.

"Es war wunderbar, als wir sie gefunden haben. Sie waren überglücklich. Sie wollten es nicht glauben, dass wir sie gefunden haben und haben uns umarmt. Der Raum, in dem wir die Überlebenden gefunden haben, ist groß und es gab viel Atemluft, berichtete einer der Retter. Die öffentlich-rechtliche TV-Anstalt RAI zeigte Bilder vom Moment, in dem ein Bub unter dem Jubel der Retter aus den Trümmern geholt wurde. "Wir danken den Engeln des Schnees, die pausenlos im Einsatz sind", würdigten Lokalpolitiker den Einsatz der Rettungsmannschaften. Auch der italienische Premier Paolo Gentiloni dankte den Einsatzkräften für die Rettung von Menschenleben und sprach von "heldenhaften Rettern", die pausenlos am Unglücksort im Einsatz seien.

Die Nachricht der Bergung der Überlebenden löste Hoffnung unter den Angehörigen der Vermissten aus. Sie warteten in einer Einrichtung in der Ortschaft Penne am Fuß des Gran-Sasso-Massivs auf Nachrichten von den Rettungsmannschaften. Für Alessandro Giancaterino, den Chefkellner im Hotel, kam jede Hilfe zu spät. Er war das erste Todesopfer, das offiziell identifiziert wurde. Im Vier-Sterne-Hotel mit Spa und Kongresszentrum befanden sich mehrere Paare und Familien, sowie rund acht Angestellte.

135 Retter standen am Unglücksort im Einsatz. Sie arbeiteten auf der Suche nach weiteren Überlebenden gegen die Zeit. Es handelte sich um "eine komplexe und gefährliche Bergungsaktion", berichtete Zivilschutzsprecherin Titti Postiglione. Es bestehe hohe Lawinengefahr in der Gegend. Lawinenexperten seien im Einsatz, um die Gefährlichkeit der Lage zu prüfen. Das Militär machte die Straßen zum Hotel wieder befahrbar. "Wir haben noch Hoffnung auf weitere Überlebende", sagte Postiglione.

Unterdessen wird Kritik an den verspäteten Hilfsmaßnahmen laut. Denn laut Medien hat die Polizei zunächst den Worten des an einer Gastronomieschule lehrenden Quintino Marcella nicht glauben wollen, der von einem seiner Köche über das Unglück informiert worden war. Die Hilfsmaschinerie sei daher erst Stunden später, gegen 20.00 Uhr, in Gang gesetzt worden. Die Rettungsmannschaften konnten wegen den extremen Wetterbedingungen erst am Donnerstag gegen 4.00 Uhr mit Skiern das verschüttete Hotel erreichen.

Der Koch, Giampiero Parete, hatte verzweifelt Marcella berichtet, dass das Hotel, in dem sich seine Frau und seine Kinder befanden, von einer Lawine weggerissen worden sei. "Ich habe sofort die Polizei angerufen. Doch man hat mir nicht geglaubt. Man hat mich durch sämtliche Büros durchverbunden. Ich habe alle möglichen Notrufnummern angerufen und habe Freunde in Farindola alarmiert", berichtete Marcella.

Erst nach über einer Stunde habe er einen Anruf von der Polizei erhalten. "Man sagte mir, man könnte mich wegen Falschalarm anzeigen, würden meine Aussagen nicht stimmen. Erst nach einigen Fragen haben sie mir endlich geglaubt", so Marcella.

Das Lawinenunglück am Gran-Sasso-Massiv warf auch mehrere Fragen über die Sicherheit des exklusiven Vier-Sterne-Hotels in 1.200 Meter Höhe auf. Während die Suche nach Vermissten noch voll im Gange ist, sammelte die Staatsanwältin von Pescara, Cristina Tedeschini, Beweismaterial, das Fahrlässigkeit in Zusammenhang mit der Katastrophe bezeugen könnte. "Wir wollen feststellen, ob etwa unvorsichtiges Verhalten die Lawine ausgelöst hat und ob das Hotel den Sicherheitsstandards entsprach", meinte Tedeschini.

Die Staatsanwaltschaft will unter anderem die Entstehung des Hotels Rigopiano prüfen. Der Hotelchef, Roberto Del Rosso, der unter den Verschütteten ist, hatte das Haus von seinem Vater geerbt, der eine einfache Berghütte in ein Hotel umgewandelt hatte. 2007 wurde erneut groß investiert und das Hotel in ein Viersterne-Resort umgewandelt.

(APA)

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