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Lawine verschüttete Berghotel in Mittelitalien

19.01.2017 - 23:01
Bisher wurden vier Leichen geborgen© APA (AFP/Vigili del Fuoco)Bisher wurden vier Leichen geborgen

Nach dem Lawinenabgang auf ein Hotel in Farindola an einem Hang des Gran-Sasso-Massivs in der mittelitalienischen Apennin-Region Abruzzen wollen die Rettungseinheiten die Suchaktion auch in der Nacht auf Freitag fortsetzen. Bisher wurden vier Leichen geborgen, zwei Personen wurden lebend gerettet. Weitere 30 Personen, darunter vier Kinder, werden noch vermisst, teilten die Behörden mit.

Der Bürgermeister von Farindola, Ilario Lacchetta sprach von "apokalyptischen Szenen". "Unsere Gemeinde ist am Boden zerstört und schwer geschockt", sagte der Ortschef. Rund 135 Feuerwehrleute mit Spürhunden waren im Einsatz, um unter den Schneemassen nach Opfern zu suchen. Die Hunde hätten keine Lebenszeichen der Vermissten wahrgenommen, hieß es. Wegen der schwierigen Wetterbedingung kam die Bergungsaktion nur langsam voran.

Die Rettungskräfte rechnen allerdings nicht mehr mit Überlebenden. "Die Situation ist dramatisch. Es gibt keinerlei Lebenszeichen", sagte Feuerwehrsprecher Luca Cari.

Das Gebäude war frontal von der Lawine getroffen und begraben worden. Die Trümmer wurden rund zehn Meter den Berg hinuntergeschoben. Auch die noch stehengebliebenen Überreste des Skiressorts mit Spa und Swimmingpool drohten einzustürzen.

Die Überlebenden hatten schon am Mittwoch per SMS Alarm geschlagen und um Unterstützung gebeten. "Hilfe, wir erfrieren", hatte einer der beiden Überlebenden einem Freund geschrieben. Erst in der Nacht auf Donnerstag erreichten die Retter nach einem stundenlangen Weg per Ski das in 1.200 Metern Höhe gelegene Hotel. Die Zufahrtsstraßen waren durch meterhohen Schnee blockiert, weswegen die Fahrzeuge neun Kilometer vor dem Skiressort halten mussten.

Die Staatsanwaltschaft von Pescara leitete eine Untersuchung wegen fahrlässiger Tötung ein. In der Ortschaft Penne zu Füßen des Gran Sasso wurde eine Unterkunft für die Angehörigen der Vermissten eingerichtet. Rettungseinheiten, Psychologen und Ärzte leisteten Hilfe.

Die meisten Gäste des Vier-Sterne-Hotels hatten sich zum Unglückszeitpunkt im Erdgeschoß des Gebäudes versammelt, um nach dem Erdbeben auf die Evakuierung zu warten. Auch Ausländer waren angeblich unter den Opfern. Unter den Touristen, die sich wohl noch im verschütteten Hotel befanden, sollen drei Rumänen sein, eine Mutter mit ihren zwei Kindern, teilte das Außenministerium in Bukarest mit.

Das in den 1970er-Jahren erbaute Hotel mit Ausblick auf die Adria war kürzlich renoviert worden. Es wurde sehr oft für Kongresse und Seminare genutzt. Zu seinen Gästen zählten mehrere Prominente, darunter auch die bekannte TV-Moderatorin Barbara D´Urso. "Dieses Hotel war mein Zufluchtsort. Ich kannte alle wunderbaren Angestellten des Hotels. Ich bete für sie und für die Rettungsleute, die in diesem Moment alles nur erdenklich Mögliche tun", schrieb die Moderatorin auf Facebook.

Auch Gianluca Ginoble, der Tenor des italienischen Sängertrios "Il Volo", kannte das Hotel gut. Er war mit dem Eigentümer befreundet. "Ich hätte dieser Tage im Hotel Rigopiano sein sollen. Ein Wunder hat mich gerettet. Doch ich bin wegen dieser Katastrophe zerstört", so der Sänger.

Unterstützungsangebote trafen aus ganz Europa ein. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker drückte Italien seine Solidarität aus. Er lobte den Einsatz der Rettungskräfte und beteuerte die Bereitschaft der EU, die betroffene Region finanziell zu unterstützen. Staatschef Sergio Mattarella sprach der vom Erdbeben betroffenen Bevölkerung Mut zu. Der Papst sei über die Tragödie in Mittelitalien benachrichtigt worden und informiere sich bei den lokalen Bischöfen über die Lage der Bevölkerung.

Erdbeben und heftige Schneefälle haben Mittelitalien am Mittwoch ins Chaos gestürzt. Vier Erdstöße mit Magnituden zwischen 5,3 und 5,7 in kurzer Folge in Tiefen von sieben bis 40 Kilometern haben am Vormittag die Region erschüttertet. In dem Gebiet hatten sich bereits im August und im Oktober schwere Beben ereignet, bei denen rund 300 Menschen starben. Wegen der neuen Erdstöße kam ein Mann ums Leben. Ein weiterer Mann wurde wegen einer Lawine in Campotosto vermisst, die ebenfalls von der Erdbebenserie ausgelöst wurde.

(APA)

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